Von singulärem Wert sind die Tagebücher von Goebbels, weil sie das einzige Selbstzeugnis eines nationalsozialistischen Spitzenpolitikers über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten darstellen und die Frühgeschichte der NSDAP, die nationalsozialistische Beherrschung und die Zerstörung des alten Europa sowie die Deutschland in den Abgrund reissende Katastrophe gleichermassen umfassen. Die Tagebücher geben Zeugnis darüber, wie Goebbels die Geschichte seiner Zeit sehen wollte - insofern sind sie keine objektive Darstellung dieser Epoche, auch kein mit subjektiver Aufrichtigkeit verfasstes "Journal intime". Vielmehr sind diese Tagebücher, deren blosse Masse verblüfft und von der Besessenheit des Verfassers zeugt, Ausdruck der Hybris desjenigen, der dem autosuggestiven Wahn verfallen war, Geschichte machen und ein für allemal schreiben zu können, damit künftige Generationen die Geschichte des 20. Jahrhunderts so sehen, wie sie der Chefpropagandist des Nationalsozialismus gesehen wissen wollte.
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