Die Geschichte des Mannes Moses und seine ägyptische Herkunft werden zunächst in der Art eines historischen Romans entwickelt. Aus der Geschichte des Mannes wächst die seines Werkes und die des jüdischen Volkes. Herkunft und Entwicklung des jüdischen Monotheismus, eines Schrittes in der Entwicklung zur Geistigkeit, seine Abhängigkeit von Ägypten und seine weiteren Schicksale lassen sich aus der Geschichte ihres Schöpfers ableiten. Freud schafft einen Zugang zum Verständnis vieler Eigenschaften des jüdischen Volkes, vor allem aber gewinnt er einen neuen Ausblick auf das Wesen der Religion. Überarbeiteter Nachdruck der Originalausgabe aus dem Jahr 1939.
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TOBIAS RÜGER
aus Frankfurt am Main
5/5
11.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Unbefangene Bibelausdeutung
Freuds Deutsch ist wunderbar: schwungvoll und kurzweilig, vermag es doch hoch-komplexe Zusammenhänge mit Leichtheit darzustellen.
In diesem Buch geht es, wie der Titel sagt, um den Mann Moses und die monotheistische Religion. Freud hat dafür die Bibel gelesen. Und er hat sich ein paar Gedanken gemacht. Seine These, verkürzt: Der Ägypter Moses verweigert sich der nach-echnaton'schen Konterrevolution und findet in den aufmüpfigen Hebräern Gefolgsleute, woraufhin er als deren Anführer den Auszug aus Ägypten organisiert. Im Zug der Extremsituation der Wanderung durch den Sinai gelingt Moses die Verschmelzung des verfehmten ägyptischen Sonnenkults mit den mythischen Überlieferungen der Hebräer.
Auf diesem Leitstrahl deutet Freud die Exodus-Erzählung aus, hält die Lupe auf die ihr zugrundeliegenden Stränge und Psychologie ihrer Protagonisten.
Wer glaubt, die Bibel wort-wörtlich nehmen zu sollen oder aber wer sie als albernen Hokuspokus abtut, dem tut sich durch das Buch eine neue Welt auf.