Zitat
"Die damalige Punkszene kommt sehr lebendig und authentisch zu Wort- mit vielen Facetten, Ungereimtheiten und Widersprüchen, ganz so, wie es war und für richtig empfunden wurde. Dadurch entsteht ein sehr anschauliches, ungeschöntes Bild. Vor allem auch der Staatssicherheit muss "gedankt" werden, denn so sind viele Aussagen und Erinnerungsstücke aus der frühen Punkzeit in der DDR erhalten geblieben, die sonst wahrscheinlich verloren gegangen wären. Hier hatten die Verfolgungen, Vernehmungen und Spitzeleien einen ungewollten Effekt: Es gibt auf der einen Seite sehr viel Material, das heute sehr informativ ist. Auf der anderen Seite wurden die betroffenen Menschen selbst jedoch entweder gebrochen, zerstört oder das Leben wurde radikal erschwert. Wer zu DDR-Zeiten Punk war, wusste, was auf ihn zukam. Ärger war noch das Harmloseste.
Das chaotische Mit- und Nebeneinander von Vernehmungsprotokollen, Aktenunterlagen, persönlichen Erinnerungen, Fotos und Interviews ergibt eine interessante und sehr gut lesbare Melange, bei der man viel aus einer anderen Zeit und einer- zum Glück- vergangenen Welt erfährt. Spannend!"
[Quelle: Igor Eberhard in: Slam] "Die Interviews mit den Jugendlichen von 1982 drückten das ganze Unbehagen an den verlogenen und verplanten Lebensumständen in der späten DDR aus. Rasch stiess man an Grenzen. Die Diskussion der Jugendlichen über den Slogan "No Future" ("Du hast keine Zukunft - mach was draus!") macht deutlich, dass Kreativität gefordert war, um die Welt in Texten und Musik in Frage zu stellen. Die heutigen Interviews lassen nachvollziehen, wie sich das kreative Potential in den Biografien niederschlug: Mit dabei ist z. B. Bernd Michael Lade, der als Schauspieler heute u.a. im "Tatort" des MDR mitwirkt. Andere sind Filmemacher, Radioredakteurin, Lokalinhaber, Steuerberaterin, Firmenchefin oder Discjockey geworden. Familie ist vielen von ihnen wichtig - gleichzeitig aber auch das Gefühl, das Leben heute zu leben, nicht erst in der Rente. Erhalten haben sich aus der damaligen Zeit Haltungen wie Skepsis gegen Autoritäten, Freiheitsbewusstsein, Authentizität und kraftvolle Phantasie.
Das Buch ist eine sympathische Dokumentation über ein Stück Jugendkultur mit all ihren Konsequenzen unter den Bedingungen einer Diktatur. Furian gelingt es, Witz und Ernst, Humor und Tiefgang der Beteiligten darzustellen. Die Gruppeninterviews zeigen die Lebendigkeit der Einzelnen in der Interaktion. Entstanden ist keine repräsentative soziologische Untersuchung über Punks in der DDR, aber der Band vermittelt einen guten Eindruck über die erste Punk-Generation in Ost-Berlin."
[Quelle: Katharina Gajdukowa in: Deutschland Archiv]