Niemand kennt Papst Benedikt XVI. besser, keiner ist mit ihm enger vertraut als sein Bruder Georg Ratzinger. Gemeinsam wurden sie zu Priestern geweiht, bis heute verbringen sie ihren Urlaub zusammen und telefonieren fast täglich miteinander. Georg Ratzinger erzählt offen aus dem privaten Leben des katholischen Kirchenoberhaupts: Wie er als Kind war und zum Glauben fand, wie die Familie die Wirren des Krieges überstand, warum in Joseph der Wunsch wuchs, der Kirche zu dienen, und wie diese Entscheidung ihn schliesslich bis zu seiner Papstwahl im Jahr 2005 führte.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Werner Jaroschek
aus Duisburg
5/5
19.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bayerische Frömmigkeit
Ratzinger, Georg: Mein Bruder, der Papst
Bayerische Frömmigkeit
Georg Ratzinger, der Bruder des Papstes, ist sehr alt, 88. Jahre, um es genau zu sagen, und er ist gesundheitlich sehr angeschlagen. Aber nicht nur sein Alter hätte ihn gehindert, ein Buch über seinen Bruder, den Papst zu schreiben. Er schätzt wie sein Bruder kein Aufheben über seine Person. Aber der Fachjournalist Michael Hesemann, und sicher nicht nur er, war sehr interessiert, eine Darstellung des Papstes aus der Sicht des nächsten Verwandten zu bekommen. So entstand dieses Interview-Buch. Wegen der Lesbarkeit hat Hesemann auf das starre Frage-Antwort-Schema verzichtet, versichert ab, die Aussagen Georg Ratzingers nur stiltechnisch bearbeitet zu haben. Überleitungen, Zwischenfragen und Ergänzungen Hesemanns ließ er kursiv setzen. Auf diese Weise entstand ein interessantes Buch zweier Autoren: Georg Ratzimger erzählt das Leben seines Bruders, Hesemann ergänzt mit wesentlichen Aussagen den Zeitraum, von dem ab Josef Ratzinger stark ins Bewusstsein der Öffentlichkeit trat als Theologie-Professor-Bischof von München- Mitarbeiter des Papstes Joahann-Paul VI und schließlich als Papst. Die Schilderung des berühmt gewordenen Ratzinger mit wesentlichen Ergänzungen Hesemanns nimmt ungefähr die Hälfte des Buches ein. erfährt der Leser Wichtiges über den gelehrten Josef Ratzinger, über seinen Einfluss auf das 2. Vaticanum, die Auseinandersetzungen mit Küng und den durch die 658er ausgelösten Geisteswandel. Hier erfahren wir verbürgt, wie bescheiden, menschlich dieser Papst wirklich ist, wie bedrückt er stets war, wenn er aus der Tätigkeit des forschenden Theologen zu anderen, für die Kirche wichtigen Aufgaben berufen wurde.
Der lange erste Teil beschäftigt sich mit dem Familienleben der Ratzingers, der Kindheit der beiden Brüder, ihr sehr früher Eintritt in eine Laufbahn, die letztlich zum Dienst in der Kirche führte. Da begegnet man einer tief religiös geprägten, eigentlich kindlich-vertrauenden bayerischen Frömmigkeit, die beide Brüder geprägt hat und die sie im hohen Alter noch leben. Sind hier zwei Menschen stehen geblieben oder haben sie etwas bis in ihr Alter bewahrt, was ihnen in ihrer Kindheit in ihrer Heimat und ihrer Familie vermittelt wurde? Allein die Struktur, das Leben der Ratzinger Familie macht nachdenklich und drängt zur Beantwortung der Frage, ob all das, was wir heute an Zweifel und Unsicherheit erleben, nun wirklich ein Fortschritt ist.
Bewertung
aus Sasbachwalden
5/5
19.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bestseller
Dieses Buch hat mich so fasziniert,dass ich es an 4 Abenden mit Freude und Begeisterung gelesen habe.Ich kann die
Papst Biographie nur weiterempfehlen.
Danke dem Papstbruder für das wertvolle Geschenk.
E.Fischer
Bewertung
5/5
19.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Sein Bruder, der Mensch..."
Georg Ratzinger, Michael Hesemann
"Mein Bruder, der Papst".
Bereits dieser Titel kündet ja von etwas besonderem. Geht das denn? Kann denn ein Papst ein Bruder haben? Ist denn das nicht einer, der irgendwie vom Himmel fällt, anschließend ein paar Jahre lang allein und der Welt entrückt über die Erde wandelt, um schließlich wieder hinauf zu fahren?
Nein, so weiß ich jetzt, ein Papst ist auch nur ein Mensch, auch wenn das zu glauben einem wie mir manchmal schwerfallen will, dessen Generation lange Zeit dachte, dass Papst und Karol Wojtyla ebenso ein und das selbe sind wie Kanzler und Helmut Kohl.
Georg Ratzinger jedenfalls plaudert in diesem Interview- Buch aus dem Leben seiner Familie und lässt den Leser in eine Welt blicken, die mir heute so fern scheint wie jene aus tausend und einer Nacht.
Es beginnt bei einer Kindheit, in der Armut, Bescheidenheit, unbedingter Familienzusammenhalt und vor allem eine kaum zu begreifende Frömmigkeit den Alltag bestimmten. Danach erfährt vom Krieg, den die fünf Ratzingers mit Glück ohne "Verluste" überstanden haben sowie von einer Nachkriegszeit, die von großen Persönlichkeiten bestimmt wurde. Persönlichkeiten, ohne die die nahezu bruchlosen Karrieren der zwei unterschiedlichen Brüder, welche ihr Leben der Kirche widmeten, wie so manches andere auch so kurz nach dem nationalsozialistischem Desaster
kaum denkbar gewesen wären in der alten Bundesrepublik. ( Sind es, so wagte ich mich beim lesen zu fragen, vielleicht am Ende gar solche Männer, die in der heutigen Zeit irgendwie fehlen?)
Und schließlich gelangt man zu zwei Brüdern um die achtzig, die sich nach einem mehr als erfüllten Leben auf ihren gemeinsamen Ruhestand gefreut hatten, aus dem nun nichts werden sollte.
Und während man, eher nebenbei, lesen kann, wie es der "Orgel- Ratz" bis zum Chef der Regensburger Domspatzen brachte (30 Jahre lang!), begleitet das Buch den "Bücher- Ratz" von der oberbayrischen Provinz über München und die Glaubens- Kongregation bis zum Stuhle Petri, wo das Buch von 2011 endet, so dass Joseph Ratzingers vielleicht größte Leistung, nämlich sein Rücktritt vom Papstamt, keine Erwähnung mehr finden kann.
In manchmal etwas holprigen, nichts desto weniger liebenswürdigem Plauderton wird man auf 270 Seiten in einer Art und Weise durch durch die Zeit geführt, die ebenso Interessant wie kurzweilig ist und an deren Ende man z. B. weiß, was der ältere Bruder des Kardinals dachte und tat, als jener zum Papst erwählt wurde ( Rutscht mir den Buckel runter, grantelte er und ging nicht mehr ans Telefon).
Oder wie sich eine resolute Haushälterin mit einem Topf Suppe ihren Weg durch die Sicherheits-leute bahnte, weil sonst der Heilige Vater eben nix zu essen hat!
Vor allem aber lernt man ihn besser zu verstehen, den Mann, der es vom bayrischen Gendarmen-sohn zum Papst gebracht hat, und das ist es schließlich, was zählt!
Prädikat: Absolut lesenswert!