Die Ichtenhagener Ultras sind voll auf Hass. Die Gruppe um Anführer Wolf Kleinhaupt ist gewaltbereit und skrupellos. In der verschlafenen Kleinstadt mischen sie Partys auf, schänden einen jüdischen Friedhof und verbreiten Angst und Schrecken.
Als die Schwester eines Mitgliedes der Ultras ermordet wird, schwören die Neonazis Rache. Der vermeintlich Schuldige ist schnell ausgemacht: Gino, der Sohn des italienischen Pizzeriabesitzers. Eine erbarmungslose Hetzjagd beginnt.
Mit diesem Szenario eskalierender Gewalt beschreibt Klaus-Peter Wolf authentisch, wie der Aufbau von Terrorgruppen funktioniert - und offenbart dabei, dass die Arbeit mit V-Leuten in der rechten Szene die Täter eher schützt, anstatt sie zu entlarven. Eine akribisch recherchierte Geschichte über junge Neonazis. Hart. Verstörend. Hochaktuell.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
2 Bewertungen
5 Sterne
(1)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Klassenkampf
Bewertung aus Wilhelmshaven am 18.04.2022
Bewertungsnummer: 1697377
Bewertet: eBook (ePUB)
saustark, die Charaktere super dargestellt. Tiefer Einblick in das Glatzen-Millieu. Während die Wolf-Krimis lesenswerte Trivialliteratur ist, ( ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett ) hat dieser Roman ungeheuren Tiefgang und öffnet einem Unbeteidigten die Augen über soziale Hintergründe. Da dieser Roman im Vorfeld sehr gut recherchiert wurde hat er sehr viel Tiefgang. Eigentlich ein Muß als Grundlage für Diskussionen über dieses Thema. Der Krimi läuft quasi nur im Hintergrund und wird zur Nebensache
Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe
Stefan Heidsiek aus Darmstadt am 19.04.2012
Bewertungsnummer: 776327
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Auch wenn wir hier einen Mord vorfinden und eine Ermittlerin haben, die Nachforschungen führt, so ist Wolfs Werk doch gerade wegen seiner Beschreibungen abseits der üblichen kriminalistischen Handlung hervorzuheben. Mit viel Fingerspitzengefühl hat sich der Schriftsteller dem Thema Faschismus angenähert, dessen Hintergrund und die Umstände ergründet, um die Ereignisse aus Sicht der Täter zu präsentieren. Dabei meidet er kontrastreiche Schwarzweiß-Malerei genauso wie den erhobenen moralischen Zeigefinger. Stattdessen wirft Wolf einen direkten Blick hinter die Fassade und somit in die Köpfe der Protagonisten. Er versucht zu ergründen, wo die Ursache für stumpfe Gewalt zu finden ist. Der Leser ist dadurch den Figuren stets nah. Meist viel näher, als er eigentlich will und ertragen kann. Doch diese Perspektive und Wolfs zielgenaues Einfühlungsvermögen erlauben es uns, trotz gegensätzlicher moralischer und ethischer Ansichten, die Taten der gewalttätigen Protagonisten in gewisser Art und Weise nachvollziehen zu können und zu verstehen.
Wolfs Vorwort ((...)"Der Krieg beginnt damit, dass wir aufhören,
in jedem Einzelnen das Individuum zu sehen
und ihn nur noch als Teil einer Masse betrachten(...)") vielfach anwendbar. Einerseits auf die verblendeten Faschisten, die ihre auswendig gelehrten Lehren auf die Allgemeinheit projizieren. Andererseits aber auch vielleicht auf uns selbst, die aufgehört haben, hinter den kahlrasierten Glatzen und dem zur Schau gestellten Hass das Individuum zu sehen. Niemand kommt mit Springerstiefeln zur Welt, nicht jeder Weg ist in Gänze selbst gewählt. Und das macht uns Wolf mit knallharter Sprache und in äußerst eindringlichen Bildern deutlich. Brutale Schlägereien, versuchte Vergewaltigungen, eiskalter Mord. Samstags, wenn Krieg ist wählt die schonungslose Konfrontation mit dem Leser, bedeutet Hass, Zorn und Traurigkeit ertragen zu müssen. Obwohl man von den blutgetränkten Ami-Thrillern einiges gewohnt ist, trifft diese Kälte tiefer, als es jeder Serienkiller könnte, da das hier Beschriebene eben nicht abstrakt, sondern wirklich realistisch ist.
Das man den Mörder von Beginn an kennt, ist dank Wolfs zielgerichteter und intensiver Schreibe deshalb auch wenig von Belang und tut der Spannung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Mit jeder weiteren Seite steuert die Geschichte auf den unvermeidlichen Showdown zu, nimmt sie durch schnelle Szenenwechsel und immer kürzere Kapitel noch mehr Fahrt auf. Nach knapp 250 Seiten ist dann Feierabend und die Dramatik entlädt sich im erwarteten Ausbruch der Gewalt. Die Bilder im Kopf jedoch bleiben, das Gelesene liegt schwer im Magen.
In der Ausgabe des Pendragon-Verlags ist zudem ein Nachwort enthalten, in dem Klaus-Peter Wolf von den Erfahrungen seiner Lesereisen berichtet und erzählt, wie er durch die Konfrontation mit rechtsradikalen Schülern auf die Idee zu diesem Roman gekommen ist. Ein sehr erhellender Anhang, der die Ernsthaftigkeit von Wolfs Projekt noch zusätzlich unterstreicht und einmal mehr betont, dass eine harsche Auseinandersetzung mit der brutalen Realität manchmal mehr Erfolg zeitigt, als ein von Theoretikern ins Feld geführter pädagogischer Denkansatz. Und auch der von den »Ärzten« besungene »Schrei nach Liebe« ist oftmals treffender, als es der Gesellschaft letztlich lieb ist.
Klaus-Peter Wolfs Samstags, wenn Krieg ist ist in allen Belangen lesenswert. Eine rasante, knallharte Milieustudie mit messerscharfer Sprache, die nachdenklich macht und weiterhin ihren Weg in deutsche Schulen finden sollte.