The United States asserts the right to use military force against 'failed states' around the globe. But as Noam Chomsky argues in this devastating analysis, America shares features with many of the regimes it insists are failing and constitute a danger to their neighbours. Offering a comprehensive and radical examination of America past and present, Chomsky shows how this lone superpower - which topples foreign governments, invades states that threaten its interests and imposes sanctions on regimes it opposes - has stretched its own democratic institutions to breaking point. And how an America in crisis places the world ever closer to the brink of nuclear and environmental disaster.
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Die USA als gescheiterter Staat
Mario Pf. aus Oberösterreich am 18.01.2021
Bewertungsnummer: 584407
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
"Failed States" versteht sich als Gesamtkritik an den USA, ihrer Innen-, Außen- und Wirtschaftspolitik, weshalb dieses Buch sich auch nicht scheut in der Geschichte weiter zurückzugehen, als nur bis zum Jahr 2001. So verweist er im Zusammenhang mit dem "Star Wars"-Programm der US-Regierung (das neben Raketenabwehr auch orbitale Angriffswaffen umfasst, mit denen innerhalb von 30 Minuten weltweit jedes beliebige menschliche Ziel ausradiert werden könnte) auf die lange Geschichte der Weltall-gestützen Kriegsführung seit Reagan und die besorgniserregenden Entwicklungen unter Bill Clinton. Kritik gilt also nicht rein der Bush-Administration, sondern bricht ein Tabu, durch das sich die Ablehnung des Kritikers Noam Chomsky gut verstehen lässt, verzichtet er doch auf eine retrospektive Idealisierung vergangener US-Regierungen. Chomsky spricht dabei betont nie von Amerika, sondern von der Regierung und dem System, welches den Willen des Volkes, durch den es im Grunde legitimiert wird, nur zu häufig ignoriert.
Um Frieden und Wohlstand des eigenen Landes zu sichern wagt die USA ein gefährliches Spiel, das sie als Verbündete jener Regime auftreten lässt, die von ihr einst als Achse des Bösen bezeichnet wurden. Die Bereitschaft feindlichen Ländern mit einem atomaren Angriff zu drohen und neue Nuklearwaffen zu entwickeln verschärft die Lage umso mehr, weshalb betroffene Länder fast gezwungen sind sich atomare Waffen anzueignen, um einer US-Invasion entgehen zu können. Dabei erweist sich die US-Politik oft genug als kontraproduktiv, während sie sich das Anti-Terror-Know-how von repressiven Regimen zu Nutze machen, machen sie sich damit selbst zum Ziel und wie das Beispiel Irak beweist, waren auch die Versuche Massenvernichtungswaffen dort sicherzustellen, nur eine typische Lüge, um andere Interessen durchzusetzen. Labore und Fabriken, die für Waffenherstellung gerüstet waren, ließen die US-Besatzer einfach plündern, mit Folgen die sich noch zeigen werden.
Selbst Menschenrechtsverletzungen und Expansionsdrang finden in der US-Geschichte große Vorbilder, wie den Indianerkriegen, die als großangelegter Völkermord von der damaligen Weltöffentlichkeit, sofern man von einer solchen überhaupt sprechen konnte, bedenkenlos hingenommen wurde und das in der damals mustergültigen Demokratie. Der Stolz so manches amerikanischen Repräsentanten auf die glorreiche Landesgeschichte mag zu Verblendung geführt haben, die an die Worte des britischen Bestsellerautors Robert Harris erinnert, der schon einmal auf die Ähnlichkeiten der USA zum antiken Rom hinwies.
Der Umfang dieses Buches ist überragend und selbst wenn sich Noam Chomskys Kritik als Schwarz-Weiß-Sicht banalisieren lässt, ist sie doch grundsätzlich den Tatsachen entsprechend. Allerdings macht er auch kleinere Fehler, wenn er die vier 2004 in Falludscha ermordeten Söldner der Firma Blackwater als Aufbauhelfer bezeichnet und im Falle des ehemaligen britischen Botschafters Craig Murray diskreditierende Angaben unter den Tisch fallen lässt. Noam Chomsky punktet eindeutig mit seiner breiten Sachkenntnis und geschichtlichen Wissen, sodass "Failed States" sich in jeder Hinsicht als Generalabrechnung mit den USA als politisches System bezeichnen darf.
Fazit:
Nach der Lektüre dieses Werks wird es dem Leser umso klarer, wie sich die Probleme der USA in ihrer Gesamtheit erfassen lassen und woraus sie entstanden sind. Noam Chomskys Kritik ist verständlich, fundiert, logisch und enthüllt fast beiläufig aber schonungslos die Schattenseiten des US-Systems.