Der Fall Paul Merker und der Antisemitismus als mögliche Grundlage für einen deutschen Schauprozess
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Sprache:Deutsch
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
Family Sharing
Nein
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
01.12.2008
Verlag
GRINSeitenzahl
31 (Printausgabe)
Dateigröße
326 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783640221424
eventuellen Schauprozesses in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands auserkoren?
Augenscheinlich scheint seine Vita nur eine unter mehreren der kommunistischen Politiker in
der Nachkriegszeit zu sein. Aber doch, so scheint es zumindest in Anbetracht der
geschichtlichen Ereignisse, muss ein Unterschied vorliegen und diesen gilt es zu
verdeutlichen. Nähert man sich dem Untersuchungsgegenstand ,Merker', so stösst man auf ein
durchaus zwiespältiges Bild. Auf der einen Seite wären da Historiker, wie Wolfgang Kiessling
und Jeffrey Herf zu nennen, die dem Leser die Person Merkers als einen integren, makellosen,
sozialistischen Helden, der ganz im Gegensatz zur ,finsteren Machtclique' um Ulbricht stand,
vermitteln. Ihre Arbeiten lassen oftmals leider, neben der reichhaltigen Fülle an
wissenschaftlich auswertbaren Materialien, kritische Anmerkungen und die Berücksichtigung
globaler Zusammenhänge vermissen. Derart kann nun jedoch beim Leser der Eindruck
entstehen, Merker wäre zeitlebens mehr gewesen, als ein, wenn auch nicht gänzlich
unbedeutender Teil im grossen Gesamtgefüge der KPD- bzw. der später daraus entstehenden
SED-Politik.
Andere neuere Ansätze, wie die eines Stefan Meining oder einer Karin Hartewig nähern sich
dem Untersuchungsgegenstand wesentlich kritischer und mehrdimensionaler. Zugleich
können sie aber nicht auf eigene reale Erfahrungen mit dem ,Objekt der Betrachtungen', wie
sie Kiessling hat, rekurrieren. Ihr Motiv, die ,uneingeschränkte' Kritik an der Person und
dessen Umfeld wirkt daher manchmal zwanghaft und allzu künstlich. Insbesondere bei der
pauschalisierten Verknüpfung von Entscheidungen sowjetischer und ost-deutscher
Nachkriegspolitik mit angeblich existierenden aber nicht klar belegbaren antisemitischen
Vorurteilen der Akteure treten daher Mängel zu Tage. An diesen Stellen wird offensichtlich,
dass sich den oben angeführten ,merkophilen' nun klar ,merkophobe' Tendenzen
entgegenstellen.
Inwiefern nun diese neuerliche subjektive Betrachtung im folgenden Aufsatz einem zu starren
Schema unterliegt, mögen andere entscheiden. Fakt ist, damit reiht sich eine weitere Meinung
in den grossen Reigen der vielen Deutungen ein. Und vielleicht besteht das Ziel
wissenschaftlicher Arbeit gerade darin, die kleinsten gemeinsamen Nenner der sich hier
gegenüberstehenden Positionen herauszuarbeiten, um das Wahrscheinlichste zu erhalten.
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