Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Herausgeber
Gerhard Zimmer + weitereVerlag
Peter Lang GmbH, Internationaler Verlag der WissenschaftenSeitenzahl
228
Maße (L/B)
29.7/21 cm
Gewicht
750 g
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-631-31482-1
In den Jahren von 1994 bis 1996 unterstützte die Volkswagenstiftung ein Forschungsprojekt, das in Kooperation zwischen dem Giesserei-Institut Aachen und der Antikensammlung Berlin durchgeführt wurde und das eine neue Stufe der Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern und Archäologen darstellt. Die Publikation Der Betende Knabe - Original und Experiment fasst die Ergebnisse dieser dreijährigen Zusammenarbeit zusammen und präsentiert neueste Erkenntnisse zum antiken Bronzeguss anschaulich und unter Zuhilfenahme zahlreicher Textabbildungen und Tafeln.
Ausgangs- und Mittelpunkt der Forschungen bildete die lebensgrosse Statue des sogenannten Betenden Knaben in der Berliner Antikensammlung (SK 2). Die Bronze wurde am Anfang des 16. Jahrhunderts bei Arbeiten an der Stadtmauer von Rhodos gefunden und 1503 nach Venedig gebracht. Nach einer langen Wanderung durch Sammlungen in ganz Europa gelangte die Statue 1747 in den Besitz von Friedrich II., der sie auf der Terasse von Schloss Sanssouci aufstellte. In der Folge wurde die Bronze eines der wichtigsten Stücke in der Berliner Antikensammlung und war zuletzt im Pergamonmuseum ausgestellt.
Wie viele andere bekannte Werke der antiken Kunstgeschichte war der Betende aber bis in die jüngste Zeit hinein nie gründlich untersucht worden. Erst die Vereinigung der Bestände der Berliner Antikensammlung machte es möglich, den Knaben eingehend zu studieren und mit Hilfe privater Sponsoren neu zu sockeln.
Nach der Analyse von Kerntonresten aus dem Kopf der Statue wurde der Knabe nicht nur in Rhodos gefunden, sondern auch dort gegossen. Nun hat die archäologische Bodenforschung in Rhodos in grossem Umfang Informationen zum Bronzeguss auf einem ganz anderen Sektor erbracht: Dort wurde seit 1974 bei Notgrabungen der Antikenverwaltung im Stadtgebiet eine Reihe von Werkstätten freigelegt, in denen Statuen aus Bronze gegossen worden waren. Die Auswertung der Befunde gab Einblick in den Arbeitsablauf antiker Bronzegusswerkstätten, und die naturwissenschaftliche Untersuchung von Werkstattabfällen lieferte Daten über die von den Bronzegiessern verwendeten Herstellungstechniken. Da ein Teil dieser Anlagen zeitgleich mit der Statue des Betenden Knaben betrieben wurde, haben wir eine bisher nie gekannte Informationsdichte.
Das Problem bestand jedoch darin, die Daten aus der Untersuchung der Statue mit den Werkstattbefunden zu verknüpfen. Der Schlüssel hierzu lag beim Giesserei-Institut der RWTH in Aachen. Dort ist ein Simulationsverfahren entwickelt worden, welches erlaubt, das Erstarrungsverhalten von Metallen unter verschiedenen Bedingungen zu erforschen und zu testen. Die Anwendung der numerischen Simulation am Beispiel des Betenden Knaben brachte konkrete Ergebnisse hinsichtlich der Arbeitsvorgänge in den Werkstätten und der Herstellung der antiken Grossbronze.
Die Absicherung der rechnerischen Ergebnisse erfolgte durch gezielte Experimente. Ein im Giesserei-Institut erfolgter Nachguss des Betenden Knaben bestätigte die Computersimulation vollauf. Ein weiteres Experiment, das in Zusammenarbeit mit der Antikenverwaltung der Toscana in Murlo bei Siena durchgeführt werden konnte und das die Rekonstruktion einer antiken Giessgrube sowie das Ausbrennen einer Form des Betenden Knaben unter mediterranen Bedingungen umfasste, machte eine weitgehende Annäherung an die technischen Vorgaben der Antike möglich.
Ausgangs- und Mittelpunkt der Forschungen bildete die lebensgrosse Statue des sogenannten Betenden Knaben in der Berliner Antikensammlung (SK 2). Die Bronze wurde am Anfang des 16. Jahrhunderts bei Arbeiten an der Stadtmauer von Rhodos gefunden und 1503 nach Venedig gebracht. Nach einer langen Wanderung durch Sammlungen in ganz Europa gelangte die Statue 1747 in den Besitz von Friedrich II., der sie auf der Terasse von Schloss Sanssouci aufstellte. In der Folge wurde die Bronze eines der wichtigsten Stücke in der Berliner Antikensammlung und war zuletzt im Pergamonmuseum ausgestellt.
Wie viele andere bekannte Werke der antiken Kunstgeschichte war der Betende aber bis in die jüngste Zeit hinein nie gründlich untersucht worden. Erst die Vereinigung der Bestände der Berliner Antikensammlung machte es möglich, den Knaben eingehend zu studieren und mit Hilfe privater Sponsoren neu zu sockeln.
Nach der Analyse von Kerntonresten aus dem Kopf der Statue wurde der Knabe nicht nur in Rhodos gefunden, sondern auch dort gegossen. Nun hat die archäologische Bodenforschung in Rhodos in grossem Umfang Informationen zum Bronzeguss auf einem ganz anderen Sektor erbracht: Dort wurde seit 1974 bei Notgrabungen der Antikenverwaltung im Stadtgebiet eine Reihe von Werkstätten freigelegt, in denen Statuen aus Bronze gegossen worden waren. Die Auswertung der Befunde gab Einblick in den Arbeitsablauf antiker Bronzegusswerkstätten, und die naturwissenschaftliche Untersuchung von Werkstattabfällen lieferte Daten über die von den Bronzegiessern verwendeten Herstellungstechniken. Da ein Teil dieser Anlagen zeitgleich mit der Statue des Betenden Knaben betrieben wurde, haben wir eine bisher nie gekannte Informationsdichte.
Das Problem bestand jedoch darin, die Daten aus der Untersuchung der Statue mit den Werkstattbefunden zu verknüpfen. Der Schlüssel hierzu lag beim Giesserei-Institut der RWTH in Aachen. Dort ist ein Simulationsverfahren entwickelt worden, welches erlaubt, das Erstarrungsverhalten von Metallen unter verschiedenen Bedingungen zu erforschen und zu testen. Die Anwendung der numerischen Simulation am Beispiel des Betenden Knaben brachte konkrete Ergebnisse hinsichtlich der Arbeitsvorgänge in den Werkstätten und der Herstellung der antiken Grossbronze.
Die Absicherung der rechnerischen Ergebnisse erfolgte durch gezielte Experimente. Ein im Giesserei-Institut erfolgter Nachguss des Betenden Knaben bestätigte die Computersimulation vollauf. Ein weiteres Experiment, das in Zusammenarbeit mit der Antikenverwaltung der Toscana in Murlo bei Siena durchgeführt werden konnte und das die Rekonstruktion einer antiken Giessgrube sowie das Ausbrennen einer Form des Betenden Knaben unter mediterranen Bedingungen umfasste, machte eine weitgehende Annäherung an die technischen Vorgaben der Antike möglich.
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