Ein grosser Roman der Nachkriegszeit - und ein behutsamer Text über das Leben zwischen zwei WeltenZurück in die Heimat - heim in die Fremde: Schon vor Jahren hat Olga ihrem Heimatdorf in den Südtiroler Bergen den Rücken gekehrt. Heute lebt sie mit ihrem Freund, einem Italiener, in der Stadt. Als ihr Vater, ein tyrannischer Schulmeister, verstirbt, kehrt sie zurück in ihren beengten Geburtsort - dorthin, wo man gerade traditionelle Hausfassaden wieder aufbaut, um den Touristen eine heile Welt vorzugaukeln. Hier schlagen ihr, der "Walschen", die mit einem italienischen Mann - und dazu noch unverheiratet! - in der Stadt lebt, das Misstrauen und die Kälte der Dorfbewohner entgegen. Ebenso wie unter den italienischen Freunden in der Stadt ist sie eine Fremde, die sich keiner der beiden Welten zugehörig fühlt.Zwischen zwei Welten - ein Schlüsselroman zur Südtirol-ProblematikAls erste literarische Auseinandersetzung mit der Südtirol-Frage war "Die Walsche" zunächst heiss umstritten. Später wurde "Die Walsche" auch in Italien ein Bestseller, ausserdem verfilmt, mehrfach ausgezeichnet und als Bühnenstück aufgeführt. Ohne Zweifel ist der Roman, mit dem sich der Autor in die deutsche und in die italienische Literaturgeschichte schrieb, Joseph Zoderers wichtigstes Buch. In einer kristallklaren Sprache zeigt er, wie schmerzhaft Ablehnung und Diskriminierung sein können, und wie schwer es ist, sich zwischen zwei Welten zurechtzufinden. Nicht zuletzt deshalb ist das behutsam-schöne Werk heute aktueller denn je.Eine Werkausgabe für einen der führenden Erzähler der Gegenwart"Die Walsche" ist der dritte Band einer Edition, in der die Werke von Joseph Zoderer, einem der führenden Erzähler der Gegenwartsliteratur, in Einzelbänden neu aufgelegt werden. In Zusammenarbeit mit dem Brenner-Archiv Innsbruck wird dieser Band durch ein Nachwort von Sigurd Paul Scheichl sowie Materialien zur Entstehung des Textes aus dem Vorlass des Autors ergänzt.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Ursula Kutzer
aus Wien
5/5
29.08.2013
Buch (Taschenbuch)
Südtiroler Geschichte
Nach einem sehr schönen Urlaub habe ich begonnen, mich mit der Geschichte Südtirols zu beschäftigen. Da kommt man an Joseph Zoderer natürlich nicht vorbei.
Olga hat vor Jahren ihr Bergbauerndorf verlassen, um in der Stadt mit einem Italiener, einem Walschen, zusammenzuleben. Sie kehrt zur Beerdigung ihres Vaters in ihr Heimatdorf zurück, fühlt sich aber als "Verräterin" an der deutschen Kultur ausgeschlossen. Aber auch zur italienischen Seite fühlt sie sich nicht zugehörig. Das Buch ist keine leichte Kost, in wortgewaltiger Sprache erzählt es von einer Frau auf ihrer Suche nach Identität. Ich habe mir sagen lassen, dass die Situation in Südtirol zwar heute entspannter ist, das Verhältnis zwischen deutschsprachigen und italienischen Südtirolern aber oft immer noch schwierig ist. Eine unbedingte Leseempfehlung, um ein Gefühl für die dortige Lage zu bekommen.