Christa Wolfs "Medea. Stimmen" zwischen Entmythisierung und Remythisierung
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Sprache:Deutsch
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
Family Sharing
Nein
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
30.04.2004
Verlag
GRINSeitenzahl
29 (Printausgabe)
Dateigröße
599 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783638272834
Christa Wolfs provozierende Mythenneubearbeitung verbindet sich überdies mit einem noch provozierenderen Anspruch: Dem Anspruch nämlich, ihren Lesern nicht nur irgendeine neue Variante des altbekannten Mythos zu liefern, sondern die einzige wahre und richtige Variante, aufgrund derer alle vorherigen "schnellfertige[n] Urteile" (MS: 9) über Medea von Grund auf widerrufen werden müssen.
Den wissenschaftlichtheoretischen Rahmen für Wolfs Neuinterpretation des Mythos liefert dabei die in 1980ger Jahren entwickelte Mythentheorie des französischen Soziologen und Kulturwissenschaftlers René Girard, der in seinen Untersuchungen "La Violence et le sacré" (Das Heilige und die Gewalt) und "Le Bouc émissaire" (Der Sündenbock) Mythen auf indirekte weil verschlüsselte Zeugnisse realer historischer Verfolgung zurückführt und auf den Wolf in ihrem Roman an verschiedenen Stellen zitierend Bezug nimmt.
Ausgehend von einem etwas genaueren Blick auf einige zentrale Thesen Girards und deren Umsetzung in "Medea. Stimmen" möchte sich die vorliegende Arbeit folgenden Fragen widmen: Inwieweit führt Wolfs Rückgriff auf die von Girard entwickelten sozialpsychologischen Interpretationsmuster insgesamt zu einer entmythisierenden Erzählweise? Inwieweit gelingt es Wolf durch die Thematisierung der Genese des Mythos "Medea" auf der Textoberfläche die Lebensgeschichte Medeas über das Persönliche hinaus als exemplarischen Fall eines Sündenbock- und Verfolgungsmechanismus darzustellen? Welche Probleme ergeben sich bei der literarischen Umsetzung dieser Intention? Und schliesslich: Inwieweit lässt sich das von Christa Wolf entworfene Persönlichkeitsbild Medeas mit dem Versuch einer Entindividualisierung und Verallgemeinerung ihres Schicksals als das eines prototypischen Sündenbocks vereinbaren?
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