Der Porträtist - und der Abstieg in eine andere Welt.
Mit dem Porträt der 13-jährigen Marie wächst allmählich das Selbstvertrauen des jungen Malers in seinen eigenen Stil. Die wiedergewonnene Sicherheit hilft ihm, das Ende seiner Ehe zu verarbeiten. Während der Sitzungen freunden sich das Mädchen und der Maler an. Er ist beeindruckt und erschrocken zugleich von Maries Klugheit und Scharfsinn. Mit ihr kehrt die Erinnerung an seine kleine Schwester zurück, deren Tod er nie überwunden und nach der er in jeder Frau gesucht hat. Auch in seiner eignen, die, wie er erfährt, schwanger ist. Als Marie verschwindet, ist er fest davon überzeugt, dass dies im Zusammenhang mit dem Gemälde ¿Die Ermordung des Commendatore¿ steht und dass nur das Gemälde und sein Maler ihm den Weg weisen können, um Marie zu finden. Ein Weg, der in eine andere Welt führt.
¿Eine Metapher wandelt sich¿ ist die Fortsetzung von Band 1 ¿Eine Idee erscheint¿ des Romans ¿Die Ermordnung des Commendatore¿, Haruki Murakamis grossem Künstlerroman.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Tintenfuchs
4/5
01.08.2023
eBook (ePUB)
Wortmaler durch und durch!
Ja, was ich vorher über Murakami gehört habe... kann ich nur bestätigen. Er malt gut mit Worten und nimmt einen in eine unglaubliche Reise und egal ob es harter Stoff ist oder schöne Welten.... man ist einfach fasziniert!
Bewertung
aus Halle
5/5
07.04.2021
Hörbuch-Download
Ein Hörbucherlebnis
Ein wunderbares Hörerlebnis mit Suchtfaktor - hier passt einfach alles Story, Schreibstil und der David Nathan mit einer
sehr angenehmen Stimme und Lesetechnik. Nur zu empfehlen und einfach schön...
Bewertung
aus Bremen
5/5
08.05.2019
Hörbuch-Download
Klasse
Marukami schreibt leise. Die Geschichte ist wenig spektakulär. Die Atmosphäre ist wunderbar! Als Verfasser einer Rezension möchte ich nicht mehr als 10 Wörter eingeben müssen, weil ich ansonsten vom Verfassen weiterer Rezensionen abgehalten werde.
Circlestones Books Blog
5/5
21.05.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Literatur, Spannung, Mythologie - ein großartiges Leseerlebnis
„Die Ermordung des Commendatore Band 2: Eine Metapher wandelt sich“ von Haruki Murakami, DuMont Buchverlag, 11. Mai 2018, Geb. Ausgabe 496 Seiten, ISBN 978-3832198923
„Eine Idee kann ohne die Anerkennung durch andere nicht existieren, speist aber diese Anerkennung zugleich durch ihre Existenz.“ (Zitat Seite 105)
Inhalt:
Der Maler arbeitet weiterhin am Porträt von Marie und gleichzeitig malt er ein Landschaftsbild, eine realistisch-fotografische Darstellung der Grube im Wald. Seine kreative, künstlerische Phase dauert an, er spürt, dass beide Gemälde von beeindruckender Qualität sind. Gleichzeitig beschäftigt ihn weiterhin das Bild „Die Ermordung des Commendatore“ und das Leben von Tomohiko Amada. Als er den alten Maler eines Nachts in seinem Atelier zu sehen glaubt, beschließt er, ihn zu besuchen. Da verschwindet Marie und für den Maler beginnt ein mystisches Abenteuer, das ihn in physisch und psychisch an seine Grenzen bringt …
Thema und Genre:
Da es sich um einen Roman in zwei Teilen handelt, ohne zeitliche Abgrenzung, ändert sich die Thematik nicht. Ein Schwerpunkt sind weiterhin die Ereignisse in Kriegszeiten und ihre Auswirkung auf den einzelnen Menschen, der sie überlebt. Es geht um Verluste von nahestehende Menschen und die unterschiedlichen Arten, damit umzugehen.
Die mystische Komponente verstärkt sich im weiteren Verlauf der Handlung, einzelne Szenen erinnern an das griechische Orpheus-Mythos, welches sich jedoch auch in der japanischen Mythologie findet.
Charaktere:
Der Hauptprotagonist erzählt seine Geschichte weiter. Die Gespräche mit Marie, vor allem aber sein gefährliches Abenteuer nach Maries Verschwinden verändern ihn. Er beginnt, sich von der Trauer um seine Schwester zu lösen und sieht auch seine Ehe realistischer. Seine künstlerische Kreativphase, die sich beim Malen des Porträts von Marie fortsetzt, gibt ihm ein neues Selbstbewusstsein, er kann Entscheidungen treffen.
Die 13-jährige Marie Akikawa besucht den Maler öfter heimlich, mit ihm spricht sie über ihre Probleme und ihr Leben, da sie ihm vertraut und er andererseits ihre Beobachtungsgabe und kluge Sicht der Dinge erkennt.
Wataru Menshiki freundet sich mit Maries Tante an, bleibt jedoch bei seinem präzisen, ordentlichen Tagesablauf. Er unterstützt den Maler weiterhin und man könnte durchaus von einer Art Freundschaft zwischen diesen beiden unterschiedlichen Männern sprechen. Anders als der Hauptprotagonist will er jedoch keine Antworten wissen, sondern ihm genügt die Möglichkeit.
Handlung und Schreibstil:
Der Spannungsbogen des ersten Teiles steigt weiter an, um dann erzählend auszuklingen. Wobei der Autor nicht für alle Themen und Erzählstränge Lösungen anbietet, manche erklärt er, dann wieder überlässt er es dem Leser, sich mögliche Entwicklungen vorzustellen.
Gerade dies macht den Roman so ungewöhnlich, aber auch packend. Für viele Ereignisse im Leben der Hauptfiguren bieten sich mehrere Erklärungen an, alle sind möglich, aber der Autor legt sich auf keine fest.
Dieser zweite Band führt die Geschichte aus dem ersten Buch mit Kapitel 33 nahtlos fort und endet mit dem Kapitel 64. Auch die Erzählperspektive wechselt nicht.
Die Sprache ist weiterhin großartig zu lesen, der Autor spielt mit Worten, Metaphern und Symbolik, teilweise werden Metapher sogar zu Protagonisten.
Fazit:
Es handelt sich hier nicht zum zwei in sich geschlossene Teile, sondern um einen Roman, der in zwei Bänden erschienen ist. Daher sollte man auch mit Band 1 zu lesen beginnen. Der zweite Teil führt die surrealen Ereignisse fort und das mystische Element steigert sich. Der Autor bietet nicht für alles Erklärungen und eindeutige Antwort an, damit muss man als Leser umgehen können. Dann wird man dieses neueste Werk von Haruki Murakami mit Begeisterung lesen und vielleicht, so wie ich, eines der Lieblingsbücher des Lesejahres 2018 gefunden haben.
Bewertung
5/5
11.05.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Metapher wandelt sich...
Ein Maler hat seine Kreativität verloren und fertigt lediglich Porträts nach Auftrag an, um seinen Lebensunterhalt finanzieren zu können.
Nachdem ihn seine Frau völlig unerwartet verlässt, fährt er ohne Ziel durch das Land, bis er schließlich Unterschlupf in dem Haus eines berühmten japanischen Malers findet.
Er begegnet einem Nachbar, dem Mann ohne Farbe, der sich immer weiter in sein Leben hineindrängt und Marie, einem jungen Mädchen, das ihn stark an seine verstorbene Schwester erinnert. Langsam vermischt sich Realität mit Fiktion,Traum mit Wirklichkeit, so dass schließlich nicht nur unserer Protagonist nicht mehr weiß, was um ihn herum eigentlich passiert.
Ich habe ihn schon vor einer ganzen Weile gelesen, den neuen Roman von Haruki Murakami, und doch selten so lange gebraucht, um mich an das Schreiben einer Rezension zu machen. Zu verworren waren meine Gedanken nach dem Abschluss des Romans, ich konnte selbst nicht einschätzen, ob Murakami damit nun ein weiterer Meilenstein nach "Kafka am Strand" und "1Q84" gelungen war oder ob ich am Ende doch etwas enttäuscht zurückblieb.
Nachdem ich Tage nach Erscheinen des Romans noch immer nicht weitergekommen war, blieb mir also nur eine Option - nochmal lesen und zwar ganz von vorne, inklusive des ersten Teils, in der Hoffnung auf irgendeinen Ansatz, den ich für meine Rezension verwenden könnte.
Er hat mich die letzten Wochen also wieder überall hin begleitet, Murakamis Commendatore' und mittlerweile weiß ich, was mir bei dem ersten Lesen in die Quere kam - meine Ambition ein exaktes Porträt zu malen, obwohl ich mich eher auf die abstrakte Kunst hätte konzentrieren sollen.
"Wenn ein Mensch etwas zutiefst und leidenschaftlich will, kann er es erreichen. Ich war davon überzeugt, dass wir über einen besonderen Kanal in der Lage sind, die Realität außer Kraft zu setzen. Oder etwas Unwirkliches Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn wir es aus tiefster Seele wollen."
Band zwei des "Commendatore'" knüpft erzählerisch nahtlos an den ersten Band an. Zusätzlich zu dem namenlosen Protagonisten und dem undurchdringlichen Nachbarn Menshiki rückt Murakami im Verlauf des Romans allerdings mehr und mehr das Nachbarsmädchen Marie ins Zentrum des Geschehens.
Und es ist ihr Verschwinden, das Murakami endlich wieder vollständig zu dem Autor werden lässt, den wir von "Kafka am Strand" kennen. Langsam verlassen wir zusammen mit unserem Protagonisten die Wirklichkeit, tauchen ein in eine Welt der Mystik, des Surrealen' und der Fantasie. Der Schleier der scheinbaren Realität hebt sich, ein gewaltiger Riss zieht sich durch beide Welten und wir landen schließlich im Reich der Metaphern, einer für Murakami ganz typischen Parallelwelt.
"Alles an diesem Ort war ein Produkt von Zusammenhängen. Es gab hier kein Absolutes. Sogar der Schmerz war eine Metapher. Ebenso wie dieser Tentakel. Alles hier war relativ. Licht war Schatten, Schatten war Licht."
Es sind nicht nur einfache und doppelte Metaphern, denen sich der Protagonist in dieser Welt gegenüber sieht, sondern vor allem seine eigenen Ängste, sein Unterbewusstsein, mit denen er konfrontiert wird. Durch die "Schlucht zwischen Sein und Nichtsein" reist er tief hinein in sein Innerstes, dringt vor zu den eigenen Abgründen, die sich in jedem Menschen verborgen halten und deren Realisieren mitunter ein sehr schmerzhafter Prozess ist.
Denn "Die Ermordung des Commendatore" ist in erster Linie vor allem eins, ein Roman über einen Menschen in einer Lebenskrise, dem erst durch einen Anstoß von außen die Chance auf einen Neuanfang ermöglicht wird.
Geschickt spinnt Murakami die losen Fäden des ersten Bandes weiter, bis sich schließlich ein dicker Teppich aus inhaltlicher und sprachlicher Ebene vor uns ausbreitet, bei dem die einzelnen Stränge perfekt ineinandergreifen.
Dabei schreibt Murakami, wie man es von ihm gewohnt ist. Mit einer klaren, nüchternen, aber dennoch sehr lebhaften Sprache schildert er uns alles so glaubhaft, dass für keine Sekunde die Existenz eines gesichtlosen Mannes, des kleinen Commendatore' oder sprechender Metaphern angezweifelt werden könnte.
Auch in Band zwei lässt Murakami sein ganzes Wissen über die Kunst-, Literatur- und Musikszene einfließen und es sind die ganz großen Namen der Literatur, an die uns dieser Roman erinnert - Franz Kafka, E.T.A. Hoffmann, Lewis Carroll.
"Die Ermordung des Commendatore II. Eine Metapher wandelt sich" ist sprachlich sowie inhaltlich auf ganz hohem Niveau, dagegen lässt sich schwerlich argumentieren. Es ist ein typischer Murakami, der gegen Ende mit vielen offenen Fragen aufwartet und bei dem man manche Dinge einfach hinnehmen muss, wie sie sind. Es ist ein Murakami, wie ich ihn kenne und wie ich bereits eine Vielzahl gelesen und rezensiert habe. Und dennoch war ich in den ersten Wochen nicht in der Lage, mir eine wirkliche Meinung über den Roman zu bilden. Und vor allem war ich nicht in der Lage, darüber zu schreiben. Auch wenn ich den Grund dafür nicht kannte, ich wusste nur eins. Ich konnte nicht schreiben. Genauso wie unserer namenloser Protagonist für eine ganze Weile nicht malen konnte.
Und so musste ich beide Bücher erst zweimal lesen, musste noch einmal meine gewohnte Realität aufgeben, um in die Welt der Metaphern zu reisen, um mir bewusst zu werden, dass "Die Ermordung des Commendatore" nicht mehr und nicht weniger ist, als eine, wer hätte es gedacht, große allübergreifende Metapher für den Schaffensprozess eines Künstlers. Sei es ein Maler, ein Autor oder auch ein Komponist, was der Kunst entgegenwirkt, ist der routinierte Alltag, die Banalität, die Rationalität. Die Realität. Es ist der Wille, das perfekte Porträt abliefern zu wollen, obwohl manche doch eher unvollendet bleiben sollten. Es ist der Wunsch, auf alle Fragen eine befriedigende Antwort zu bekommen, obwohl doch gerade das Leben an sich so viele Frage stellt, so viele neue Wege eröffnet, ohne plausible Gründe zu liefern.
Es ist meine Ambition, eine möglichst sachliche und klare Rezension über ein Buch schreiben zu wollen, das viele Dinge zugleich ist, aber auf keinen Fall sachlich und klar.
Denn im Großen und Ganzen läuft es doch nicht auf die Frage hinaus, ob es möglich ist, einen Mann ohne Gesicht zu porträtieren, sondern viel eher auf die Frage, ob man es überhaupt versuchen möchte.
Murakami hat das verstanden und sein Protagonist auch.
"The thing you are most afraid to write. Write that."
Murakami hat dies getan, in dem er sich selbst, den Künstler Murakami, in seinem eigenen Buch porträtiert hat. Und mit ihm die ganze Riege der Künstler, die eine Schaffenskrise erleben und Angst haben, sich die richtigen Fragen zu stellen.
Und er hat mich porträtiert, wie ich aufgewühlt das Buch zugeklappt und tagelang auf einen weißen Bildschirm gestarrt habe, weil meine Wirklichkeit nach dem Lesen des Romans für einen kurzen Moment aus den Fugen geraten ist und ich krampfhaft versucht habe, sie durch meine Rationalität wieder in Ordnung zu bringen, anstatt den Zustand an sich einfach zu akzeptieren.
"Dieses Gemälde war zur besten Metapher geworden und hatte der Welt eine andere neue Wirklichkeit geschenkt, ebenso wie es die Worte eines herausragenden Dichters taten."
Genau das ist "Die Ermordung des Commendatore", eine Metapher. Und zwar eine Doppelte.