Washington, D. C.: Bartender und Gelegenheitsdetektiv Nick Stefanos ist ziemlich am Ende und lebt eigentlich nur noch für den nächsten Drink. Als er eines Abends auf einer Parkbank am Anacostia River heillos betrunken Ohrenzeuge des Mordes an dem Teenager Calvin Jeter wird, reisst er sich zusammen, denn die Metropolitan Police scheint der Fall nicht besonders zu interessieren, sie hält den Toten doch für ein typisches Opfer der Washingtoner Gang-Kriminalität. Aber Nick weiss, dass Gangs keine Schalldämpfer benutzen – gemeinsam mit Privatdetektiv Jack LaDuke versucht er die Killer zu fassen und findet sich bald in einem Sumpf aus Drogen und sexueller Ausbeutung wieder: Eine Reise in die Dunkelheit der menschlichen Seele und durch die schwärzesten Schatten der amerikanischen Hauptstadt beginnt ...
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Für Freunde des Hardboiled-Genres ein absolutes Muss!
Elke aus Vaihingen an der Enz am 19.10.2018
Bewertungsnummer: 1140673
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
George Pelecanos, amerikanischer Autor mit griechischen Wurzeln, ist in Washington D.C. aufgewachsen. Und es ist das Leben in dieser Metropole, die sein Schreiben geprägt hat, die in seinen Romanen immer wieder in den Vordergrund drängt. So auch in „Das dunkle Herz der Stadt“, dem Abschlussband der Nick Stefanos-Trilogie, erstmals 1995 erschienen, nun endlich auch von Karen Witthuhn sehr stimmig ins Deutsche übersetzt und in dem fränkischen Verlag ars vivendi erschienen. Bleibt zu hoffen, dass der Roman viele Leser findet – verdient hätte er es allemal, auch wenn die Hauptfigur Nick Stefanos nicht der typische Sympathieträger ist. Ex, das ist das vorherrschende Persönlichkeitsmerkmal von Stefanos. Ex-Cop und Ex-Privatdetektiv, ein Säufer, der die Spirituosen auf Ex kippt, zu denen er durch seinen Job als Barkeeper unbeschränkten Zugang hat.
Als er nach einem seiner Alkoholexzesse völlig derangiert am Flussufer erwacht, erinnert er sich vage daran, dass er in der vergangenen Nacht den gedämpften Knall eines Schalldämpfers gehört haben könnte. Gehört haben könnte, wie jemand ermordet wurde. Er hat sich nicht getäuscht, die Leiche eines Jugendlichen wird im Wasser gefunden. Aber interessiert sich jemand für die Aufklärung? Für die Polizei ist es nur ein Fall unter vielen. Ein ermordeter schwarzer Teenager? Schnell erledigt, ganz klar eine Gang-Geschichte, ein Junkie, Drogen - kann man ad acta legen. Nicht so Nick, der Zweifel an dieser Theorie hegt, vor allem, weil auch ein Freund des Mordopfers von der Bildfläche verschwunden ist. Da ist er wieder, sein Schnüfflerinstinkt, der ihm keine Ruhe lässt. Und der so heftig an ihm nagt, dass er die Nachforschungen selbst in die Hand nimmt, unterstützt von Jack LaDuke, der Auftrag hat, den vermissten Freund des Opfers zu finden.
Es gibt zwei Protagonisten in diesem Kriminalroman. Einerseits natürlich Nick Stefanos, der uns aus der Ich-Perspektive an den Ermittlungen in diesem Fall sowie auch äußerst ausführlich an seinem Leben teilnehmen lässt. Zum anderen die Unterwelt von Washington, Hauptstadt am Potomac, nicht glitzernd und glänzend sondern trostlos, dunkel und dreckig und kalt, deren Darstellung über die Jahre sich der Autor verschrieben hat. Er nimmt uns mit in die verrufenen Viertel, in die Sozialbauten, die „Projects“, wo die Verlierer des amerikanischen Traums hausen. Es ist eine Reise in die Finsternis, authentisch gestaltet durch Filmtitel, Automarken und natürlich die allgegenwärtige Musik aus dem Autoradio.
Nix für Zartbesaitete, aber für Freunde des Hardboiled-Genres ein absolutes Muss!
Harter und unbequemer Kriminalroman
Martin Schult aus Borken am 17.09.2018
Bewertungsnummer: 1133205
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Nick Stefanos arbeitet mittlerweile als Barmann in Washington D.C. In seiner Vergangenheit war er einmal Detective, aber mittlerweile hat ihn sein Leben zu einem Alkoholiker werden lassen, der immer wieder die Kontrolle über sich verliert, was in der Regel mit einem Blackout endet. Als er sich nach Feierabend mal wieder hat voll laufen lassen, endet er betrunken und völlig hilflos am Ufer des Anacostia River. Unbemerkt wird er Zeuge einer Hinrichtung. Opfer ist ein jugendlicher und Nick Stefanos kann sich nur rudimentär an die Szene erinnern. Da ihm klar ist, dass die Polizei wenig Engage-ment zur Aufklärung beitragen wird, nimmt er den Fall in die Hand und beginnt seine eigenen Recherchen...
"Das dunkle Herz der Stadt" ist ein kompromissloser Krimi, der die Kaltblütigkeit der Washingtoner Unterwelt offenlegt. Der Autor George Pelecanos erzählt die Geschichte in einem temperament-vollen und atmosphärischen Schreibstil, der mich schnell an das Geschehen fesselte. Der Kriminalroman ist aus meiner Sicht unbequem, da der Hauptprotagonist Nick Stefanos mit seinen Eskapaden und seiner Unkontrolliertheit sicherlich kein Sympathie-träger ist. Aber genau dies macht die Handlung in der Drogen-, Prostituierten- und Pornoszene von Washington so authentisch. Ein Fall in diesem Milieu braucht genau einen solchen geradlinigen und harten Ermittler, der sein Herz am rechten Fleck trägt. So verleiht Nick dem Kriminalroman einen ganz besonderen Charme. Die Spannung wird mit dem Tod des jungen Calvins direkt zu Beginn des Buches aufgebaut und über die Länge des Buches aus meiner Sicht auf einem hohen Niveau gehalten. Hier ist es dem Autor George Pelecanos stets wichtig detailreich auf das dortige Milieu einzugehen und er erzeugt so eine sehr düstere Stimmung.
Für mich ist "Das dunkle Herz der Stadt" ein hervorstechender Kriminalroman, der mit seiner Härte und seinem kontroversen Hauptprotagonisten sicherlich polarisieren wird. Mich konnte das Buch voll überzeugen, so dass ich es mit den vollen fünf von fünf Sternen bewerte und sehr gerne den nicht ganz Zartbesaiteten Lesern ans Herz lege.