Produktbild: Riwan oder der Sandweg

Riwan oder der Sandweg Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

19.02.2018

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

256

Maße (B/H)

12.5/19 cm

Gewicht

260 g

Auflage

1

Originaltitel

Riwan ou le Chemin de Sable

Übersetzt von

Jutta Himmelreich

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-293-20791-2

Beschreibung

Rezension

»Eindrucksvoll beschreibt Ken Bugul die hierarchische Ordnung und das Leben der Frauen am Hofe des Serigne. Sie entführt den Leser in eine Welt, in der auch die Autorin eine Außenseiterin ist, in ein Leben, das auch für sie selbst bis dahin nie infrage kam. Sie erzählt von den Beziehungen unter den Frauen, ihrem Verhältnis zum Serigne und reflektiert ihr eigenes Vordringen und die privilegierte Stellung, die sie als studierte, weit gereiste Frau im Haus des Serigne einnimmt.« ("taz")
»Dieser Roman gibt Denkanstöße in politische Richtungen und faszinierende Einblicke in die fremde Welt des Harems. Die Autorin setzt damit ein Zeichen für viele starke senegalesische Frauen. Ken Bugul schafft die Verbindung ihrer höchst poetischen Sprache mit streitbaren Themen.« ("Deutschlandfunk")
»Dieser Roman kreist um den Sinn des Lebens und lässt sich als Manifest einer Frau, die ihr Wissen transformiert, lesen. Die Ich-Erzählerin erzählt das, was sie beobachtet, denkt und erinnert. Zwischen den Zeilen ändert sie den Blickwinkel und transportiert schelmische Gedanken. Das Augenzwinkern der Autorin ist ein bestimmendes Moment dieses grandiosen Romans.« ("Afrikanet.info")
»Ken Bugul ist eine Autorin, die Stillstand nicht mag. So treibt sie auch die Worte vor sich her. Buguls Prosa hat einen drängenden Ton, einen harten, fordernden Rhythmus für ihre präzisen Sätze, die sich selten gefällig aneinanderreihen, es sind so knappe wie poetische Beschreibungen, Ausrufe, Fragen, Kommentare, Beobachtungen und Reflexionen. Ken Buguls Bücher haben eine inhaltlich und ästhetisch beunruhigende Wirkung. ›Die Nacht des Baobab‹ ebenso wie ›Riwan oder der Sandweg‹ sind sprachliche Verdichtung erfahrener Wirklichkeit.« ("Oikocredit Westdeutscher Förderkreis e.V.")
»Ein wunderschönes, forderndes Buch, das alle Sinne anspricht.« ("africavivre")

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Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

19.02.2018

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

256

Maße (B/H)

12.5/19 cm

Gewicht

260 g

Auflage

1

Originaltitel

Riwan ou le Chemin de Sable

Übersetzt von

Jutta Himmelreich

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-293-20791-2

EU-Ansprechpartner

Prolit
Siemensstr. 16|35463|Fernwald|DE
service@prolit.de

Herstelleradresse

Unionsverlag
Neptunstraße 20|8032|Zürich|CH
mail@unionsverlag.ch

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  • Almut Scheller-Mahmoud

    5/5

    28.01.2022

    Buch (Taschenbuch)

    Vom Fortgehen und Zurückkehren. Vom Suchen und Sich-Finden.

    Der bereits 1999 erschienene Roman, mit vielen autobiographischen Sequenzen, wurde den 100 einflussreichsten afrikanischen Romanen zugeordnet. „Riwan“ schildert uns plastisch und lebendig eine weibliche Odyssee. Die Odyssee einer gebildeten, studierten, schönen Afrikanerin, die nach unglücklichen, unerfüllten Jahren in Europa zurückkehrt in ihr Heimatdorf. Ohne einen prall gefüllten Koffer, ohne Seide, Perlen, Colliers und Brokat. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, auf der Suche nach sich selbst, nach ihrer ureigensten Identität. Sie fühlt sich zerrissen, zerstört, zerbrochen. Der westliche Lebensstil, die Anforderungen eines modernen Lebens mit stark feministischer Prägnanz haben sie ausgehöhlt. Ein komplexer Roman mit diversen Ebenen: die moderne junge studierte Frau, die es nach Europa zieht, ihre Rückkehr, die spirituelle Welt der Muradiya, einer senegalesischen Sufi-Bruderschaft, das polygame traditionelle Frauenleben Afrikas im Gegensatz zu moderner westlicher Emanzipation mit feministischen Untertönen, die senegalesischen Traditionen mit ihrer strikten Struktur und Hierarchie, die einengen mögen, aber auch Geborgenheit und Sicherheit geben. Immer wieder unterbrochen von gesellschaftskritische Aussagen und politischen Protestnoten, die wie Werbeslogans, fast wie im Stakkato, eingestreut sind. So dass der gesamte Text dadurch rhythmisch und lebendiger wird. Wir verfolgen die Häutung der jungen Frau, die endlich ihre „weiße Maske auf schwarzer Haut“ (Frantz Fanon) als Fremdkörper empfindet und ablegt. Die in ihr Heimatdorf als Zufluchtsort zurückkehrt mit der Alternative: leben oder sterben. Und sie findet langsam den Weg, ihren Sandweg, zurück zu sich selbst. Sie lernt die Traditionen kennen und schätzen ohne ihren kritisch-intellektuellen Blick, in Europa geschärft, dabei zu verlieren. Für den Serigne, den Kalifen der Muradiya-Gemeinde, empfindet sie Hochachtung, findet in ihm einen Vertrauten, einen Freund, mit dem sie über alles debattieren kann, mit dem sie sich von gleich zu gleich austauschen kann. Alles ändert sich, als der Serigne sie zur Frau erwählt, zur 28. Ehefrau seines Anwesens, seines Lebens. Zum ersten Mal empfindet sie Liebe, Liebe gepaart mit Sanftmut und Zärtlichkeit, in stillem Einvernehmen. Diese Liebe, diese Zuneigung, dieses Vertrauen lösen einen Heilungsprozess in ihr aus und sie bleibt dem Serigne über Jahre engst verbunden. Wir erfahren viel über das Äußere und das Innere des Muriden-Kalifats sowie über die Position und Wirkungsfelder des Serigne. Einem Mann mit einer Aura der Güte, des Wissens, des Scharf-sinns, der Weisheit und der Freigiebigkeit. Er verkörperte ein Ganzes. Die Ich-Erzählerin erlebte eine ganz neue Art von Sinnlichkeit, von Liebe und auch von Lust. Die manipulativen Spiele der Wolllust und der Stellungswechsel kamen hier nicht zum Einsatz Sokhna-Si singt nicht das Lied der Polygamie, aber sie setzt diese gegen die Aushöhlung westlicher Liebes- und Lebensprinzipien, früher einmal mit romantischer Konnotierung, heute eher ein Optimierungsprozess, ein Leistungsprinzip. Und betont immer wieder eine ganz andere Sichtweise auf das Leben und die Liebe. Der Serigne war für sie und ihre Mitfrauen der Mann, aber er war nicht ihr Leben. Und natürlich hatte diese afrikanische Frauengemeinschaft nichts mit den westlichen Vorstellungen eines üppigen orientalischen Harems gemeinsam. Es gab keine Rivalität. Das Gesetz hieß: füge dich dem Willen deines Ehemannes, sei unterwürfig. Aber natürlich gab es auch in diesem Vielfrauen-Haushalt Eifersucht. Die aber gemeinsam mit Ritualen wie dem Xaxar-Ritual, gebändigt wurde. In traditionellen Gesellschaften gibt es strikte Regeln, um die Menschen zu schützen und vor Verfehlungen zu bewahren. Traditionen, die bei uns meist nur noch Folklore sind, wobei es doch wichtig wäre, eine Balance zwischen Tradition und Moderne zu finden. Als der Serigne sich nach Jahren eine neue Frau nimmt, ein blutjunges Mädchen, geht die Ich-Erzählerin ihren eigenen Weg. Sie ist jetzt stark genug und hat sich selbst gefunden. Sie beginnt zu schreiben. „Ich war zu der geworden, die ich war“. Emanzipiert von den falschen Verlockungen und Verführungen des Westens. Fernab vom westlichen Feminismus, der einfach nur eine weitere - ismus-Schublade war. Von privilegierten Frauen für privilegierte Frauen. „Ich war im Einklang mit mir und meiner Umwelt.“ Eingebettet in die soziologischen, religiösen, psychologischen und philosophischen Facetten sind die starken Kurzporträts der Frauen Bousso Niang. Sohkna Mama Faye. Rama. Nabou Samb. Djagua Sylla. Und das Portrait von Riwan, der nicht redete, nicht lachte, nicht weinte, nur den Anweisungen folgte, starren Blickes. Er tat schweigend immer die gleichen Dinge, er schlachtete und kochte, hielt das Feuer am Leben, er war nie krank. Und der als einziger Mann Zutritt zu den Frauen-Gehöften hatte.Wie konnte Riwan all den Frauen und ihren ihn umschmeichelnden Düften widerstehen? Immer wieder Einsprengsel von sozialkritischen und politischen Statements, das Hinterfragen der afrikanischen Gesellschaft, der modernen Gesellschaft dort und anderswo. Und auch zu dem ganz anderen Frauenbild: die Frau nicht nur ein Konsumobjekt, sondern ein Kernelement des Lebens. Die Autorin setzt sich auch mit der Rolle der Jungfräulichkeit auseinander. Diesem „roten Fleck“ der Tugend und der Ehre, der eine ganze Familie, einen ganzen Clan ins Unglück stürzen kann. Ken Bugul entführt uns mit ihrem Roman in zwei Welten, in eine traditionelle afrikanische und eine moderne westliche. Und für mich klingt durchaus die Frage auf: welche ist die bessere? Nachzudenken, über Traditionen und Moderne, über weibliche Rollenspiele und Schicksale, dazu regt dieser Roman an und führt vielleicht zu Verständnis anderer Lebensarten und zum Tieferschürfen der eigenen Situation, der persönlichen wie der allgemeinen in Europa. Abschließend ein Satz von Fernando Pessoa: Nie eine Haremsdame gewesen zu sein.

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