Dieses Buch versucht die Leerstelle bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Defekten der Demokratie zu füllen. Zwar blüht die Demokratieforschung, doch die systemimmanenten Defekte der Demokratie geniessen eine vergleichsweise geringe (wenngleich wachsende) wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Zu diesen Problemen zählen etwa ihr „short-termism“ und die „Unbeständigkeit der Zahl“, die Neigung zur „Tyrannei der Mehrheit“ und Kompetenzmängel beim Demos wie beim Führungspersonal. Die Autoren dieses Bandes – renommierte Experten auf dem Gebiet der Demokratieforschung – greifen je einen Defekt heraus, beleuchten ihn eingehend und diskutieren institutionenreformerische Lösungsvorschläge.
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06.07.2018
Buch (Taschenbuch)
Die Demokratie kann reformiert werden!
Die Autoren, renommierte Experten auf dem Gebiet der Demokratieforschung, versuchen, die wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Defekten der Demokratie zu beleben, da die Demokratieforschung zwar blüht die systemimmanenten Defekte der Demokratie aber weitgehend ignoriert werden. Zu diesen Problemen zählen der ihr „short-termism“ und die „Unbeständigkeit der Zahl“, die Neigung zur „Tyrannei der Mehrheit“ und Kompetenzmängel bei Führungspersonal und Wahlvolk. Institutionenreformerische Lösungsvorschläge werden präsentiert.
Komparatisten wiegeln alle Reformvorschläge ab, mit dem Argument, dass diese wirkungslos seien und es mit anderen Ländern noch viel schlechter stehe. Gefordert wird meist eine Rückkehr zur Normalität oder eine neue politische Kultur, die aber nebulos und damit wirkungslos bleibt.
Demokratien und Autokratien stagnieren, die meisten Länder bewegen sich zwischen diesen beiden Polen. Systemimmanente Probleme der Demokratie sind die Überlastung der Wirtschaft durch den Wohlfahrtsstaat, Dauerwahlkampf und Bevorzugung kurzfristiger Lösungen, Kompetenzmängel des Führungspersonals und fehlende Urteilskraft der Wähler.
Es gibt Lösungsvorschläge: etwa die Einführung einer Konsultative, einem Netzwerk, das das Unwissen der Anführer kompensiert, und mehr politische Bildung, damit die Wähler nicht gegen die eigenen Interessen entscheiden.
Demokratie kann sich selbst abschaffen, wenn das Volk einen faschistischen Führer wählt, was nicht nur im 20. Jhdt., sondern auch in der Antike mehrmals geschehen ist. Nachhaltigkeit als Verpflichtung gegenüber zukünftigen Generationen wird zwar thematisiert, ist aber in der kurzfristig agierenden Demokratie schwer durchzusetzen
Wirtschaftswachstum wird allgemein als Voraussetzung der Demokratie angesehen. Die Überausbeutung des Planeten erfordert aber eine Rücknahme der Produktion. Die Korrelation von Wachstum und Demokratiestabilität ist aber keineswegs bewiesen. Die Autoren fordern daher, die Legitimität zum Zentrum des Demokratieverständnisses zu machen. Zukunftsräte könnten die Interessen zukünftiger Generationen vertreten und müssten ein Vorschlagsrecht haben. Die Hebung des Bildungsstandards würde die Konsensdemokratie stärken, die schon jetzt die verschiedenen Interessen auszubalanzieren imstande ist. Die Responsivität zwischen Politikern und Bürgern ist durch neue Instrumente zu verbessern. Weitere Verbesserungen: gesetzesaufhebende Referenten, Elternwahlrecht (für ihre Kinder), Vorwahlen für Mandate.
Das Buch glänzt durch eine Fülle von Vorschlägen, wie die Demokratie verbessert werden kann, ohne antidemokratischen Tendenzen Vorschub zu leisten.
Dr. Rüdiger Opelt, Autor von „Die Kinder des Tantalus. Ausstieg aus dem Kreislauf seelischer Verletzungen.“