Die Sinologiestudentin Roxana reist Anfang der 1990er Jahre die Seidenstrasse entlang, um noch unbekannte buddhistische Höhlenmalereien in der Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas zu erforschen. Sie will zeigen, dass die Region nicht immer islamisch war, sondern buddhistische Wurzeln hat. Roxanas jahrelange Recherchen führen nicht zum erhofften Erfolg, mit leeren Händen will sie jedoch nicht nach Europa zurück, zumal es nichts gibt, wofür es sich lohnen würde heimzukehren. Ihr Aufbruch in die Fremde verliert sich im Sand der Wüste Taklamakan, der 'Wüste ohne Rückkehr'. 20 Jahre später reist die schwerkranke Linda für ihr letztes Entwicklungsprojekt nach Xinjiang. Doch die Behörden verweigern die zugesicherte Zusammenarbeit. Im Gästehaus zur Untätigkeit verdammt, stösst Linda auf die Aufzeichnungen, welche die verschollene Roxana zurückgelassen hat, und sie folgt deren Spuren. Vor dem Hintergrund des Widerstands der UigurInnen gegen die chinesische Regierung in Xinjiang, der spätestens seit 2009 auch im deutschsprachigen Raum Schlagzeilen macht, verstrickt sich das Schicksal der zwei eigenwilligen Frauen. Erstmals wird aus europäischer Perspektive von der Geschichte und Gegenwart einer wenig beachteten Region erzählt. Feinfühlig und kenntnisreich zeichnet die Autorin ein Panorama der Schicksale von Menschen, die in China an den Rand gedrängt werden.
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Berührende Schicksale
Bewertung aus Zürich am 22.10.2018
Bewertungsnummer: 1141459
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
In den 1990er Jahren sucht die Studentin Roxana nach unbekannten buddhistischen Höhlenmalereien im Nordwesten Chinas. Jahrelang ist sie in der Provinz Xinjiang unterwegs, schliesslich verliert sich ihre Spur in der Wüste Taklamakan. Zwanzig Jahre später stösst Linda, die in Xinjiang ein Entwicklungsprojekt auf die Beine zu stellen versucht, auf Roxanas Aufzeichnungen. Das Schicksal der Studentin lässt Linda nicht mehr los.
«Die Wüstengängerin» ist mehr als die berührende Geschichte zweier starker Frauen. Der Roman ist eine Reise in eine Region, die für mich bis anhin ein weisser Fleck auf der Landkarte war. Der Widerstand der Uiguren gegen die chinesische Regierung ist zwar immer wieder Thema in den Medien, dennoch entstanden erst beim Eintauchen in diesen Roman Bilder in meinem Kopf. Die Autorin schafft es, die Protagonistinnen und die Schauplätze so lebendig werden zu lassen, dass ich die Hitze, die Trockenheit, die gleissende Sonne selbst spüre und beim Lesen wiederholt nach einem Glas Wasser greife. Ihre Figuren sind vielschichtig, deren Motive manchmal undurchsichtig. Sie bilden die komplexen Verhältnisse in der Region ab, ohne dass der Roman moralisierend wirkt. Genau so spannend sind die persönlichen Geschichten von Roxana und Linda, die von der Autorin langsam aufgerollt werden. Roxana sucht nicht nur nach Höhlenmalereien, sondern auch nach Boden unter den Füssen. Oder gerade nicht? Dass sie sich sozusagen auflöst, eins wird mit der Wüste, lässt die Grenze zwischen den Welten verschwinden. Ein Buch, das ich nicht mehr aus den Händen legen konnte.
Guter Einblick in die Realität von Westchina
Bewertung aus Zürich am 30.07.2019
Bewertungsnummer: 1233379
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die von der Autorin beschriebene Reise von zwei Frauen ins gleiche Gebiet im südlichen Xinjiang vor und nach der Jahrtausendwende dokumentiert die Verschlechterung der Lebensbedingungen der dortigen lokalen Bevölkerung. Der Vorteil der Romanform für dieses Buch ist die bessere Lesbarkeit im Vergleich zu einer historischen Dokumentation. Daher richtet sich dieses Buch eher an das allgemeine Publikum und nicht wie eine Studie nur an Fachleute.
Das Buch von Ella Maillart: „Verbotene Reise – Von Peking nach Kaschmir“ beschreibt auch die gleichen Orte wie Khotan und Kashgar und eigent sich als Vergleich für wie Xinjiang vor der Gründung der Volksrepublik China ausgesehen hat.
Da es auf Deutsch geschrieben ist, eigent es sich auch als Reiselektüre und dies selbst in China, wo sich die Beamten nicht für einen Deutschen Text interessieren.