Produktbild: Tage in der Geschichte der Stille

Tage in der Geschichte der Stille Roman. Ausgezeichnet mit dem Kritikerprisen 2011 und dem Literaturpreis des Nordischen Rates 2012

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inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

04.10.2019

Herausgeber

Elke Ranzinger

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

221

Maße (L/B/H)

20.6/12.3/2.8 cm

Gewicht

326 g

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

Dager i stillhetens historie

Übersetzt von

Elke Ranzinger

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-95757-779-5

Beschreibung

Rezension

»Dieser Roman ist das beeindruckende Porträt einer alternden Frau, in der sich Erinnerungen, Emotionen und Bedürfnisse auf komplexe Weise ineinander verhaken.« Jan Wilm Republik (CH) 20191016

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

04.10.2019

Herausgeber

Elke Ranzinger

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

221

Maße (L/B/H)

20.6/12.3/2.8 cm

Gewicht

326 g

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

Dager i stillhetens historie

Übersetzt von

Elke Ranzinger

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-95757-779-5

Herstelleradresse

MSB Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbH
Großbeerenstr. 57A
10965 Berlin
Deutschland
Email: info@matthes-seitz-berlin.de
Url: www.matthes-seitz-berlin.de
Telephone: +49 30 77059860

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Die Worte werden schleichend weniger

Bewertung am 28.03.2020

Bewertungsnummer: 328776

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Dieser vielschichtige Eheroman beeindruckt mit seiner schlichten, schönen Sprache und handelt doch vom Schweigen. Die Stille hat auch das Leben in Gemeinsamkeit schon immer bestimmt; nun nimmt sie schleichend immer mehr überhand. Linstrøm erzählt mit einer fast unterkühlten Lakonie von der Stille zwischen Menschen, die eine Vielzahl von Formen annehmen kann. Es ist eine Geschichte des Ungesagten, Ausgelassenen. Eine Geschichte von Verdrängtem und Unverarbeitetem. Es ist auch eine Geschichte des langsamen Zurücksinkens in die Sprachlosigkeit der Demenz, in der die Erinnerungen - und damit die individuelle wie die gemeinsame Geschichte - unwiderbringlich verloren gehen. Mit ihnen verschwindet die Möglichkeit zur Heilung der Wunden derjenigen, die “zurückgelassen” werden. Das jahrelang praktizierte Schweigen ist plötzlich gerechtfertigt und kann nicht mehr zum Vorwurf gemacht werden. Obwohl Eva während der Ehe schon einsam war, kann sie es kaum ertragen, auf diese Weise alleingelassen zu werden. “Am liebsten hätte ich zu ihm gesagt, reiß dich zusammen, sag etwas. Das bist nicht du. Sei wer du bist, sei der, den ich kenne, mir reicht es jetzt.” Doch kann man überhaupt jemals von “kennen” sprechen, selbst nach jahrzehntelanger Ehe? Sogar vor seinen Töchtern hat Simon seine Vergangenheit geheimgehalten. Seine jüdische Familie musste in einem Versteck ausharren: “Sie konnten einander nicht mehr nah sein, die physische Nähe, die ihnen der Krieg aufgezwungen hatte, ließ sie die Nähe des anderen nicht mehr ertragen.” Dieses Dilemma hat in diesen Tagen für viele eine unerwartete Brisanz bekommen. Nicht zuletzt ist es das Schweigen, das die Familie zwar rettet, aber auch endgültig voneinander entfremdet: “Als könnten sie nicht aufgeben, was sie gerettet hatte…” Das Schreckliche wird fast zart erzählt und geht umso mehr unter die Haut. Selektive Erinnerung wird zum Selbstschutz: “Jederzeit jeden Geruch zu riechen, jeden Ton zu hören, jeden Gedanken zu denken wäre unmöglich; ohne diese Arbeit des Gehirns würden wir nicht überleben. Wir können uns jeweils nur auf einen kleinen Teil konzentrieren. Funktioniert das Gewissen ebenso?” Älterwerden heißt, nicht mehr “ein Teil von etwas zu sein”, es heißt, plötzlich “draußen zu stehen”: “Und wenn ich aufwache, ist mein Leben, oder dieser Teil davon, die Jugend, wie ein Traum, den ich ein paar Minuten vor dem Aufwachen geträumt habe. Wie schnell er vorbeigegangen ist.” Auf Erinnerungen ist dabei kein Verlass. Dann wiederum beschreibt die Protagonistin eine vielleicht eher nebensächliche Erinnerung mit solch bestechender Akkuratesse, die eigene Erinnerungen von Zugreisen in den 80er Jahren exakt widergibt: “Die deutschen Wagons verströmten einen eigenartigen Geruch, den wir beide beim Einsteigen sofort registrierten. Ledrig oder wie geschmolzener Gummi, gemischt mit dem widerlich süßen Gestank…” “Nein, ich gehöre nicht zu diesen Menschen, ich bin ganz allein, und es ist eine Mauer zwischen uns, über die hinweg wir uns manchmal miteinander unterhalten”, soll Fanny Gräfin von Reventlow gesagt haben.

Die Worte werden schleichend weniger

Bewertung am 28.03.2020
Bewertungsnummer: 328776
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Dieser vielschichtige Eheroman beeindruckt mit seiner schlichten, schönen Sprache und handelt doch vom Schweigen. Die Stille hat auch das Leben in Gemeinsamkeit schon immer bestimmt; nun nimmt sie schleichend immer mehr überhand. Linstrøm erzählt mit einer fast unterkühlten Lakonie von der Stille zwischen Menschen, die eine Vielzahl von Formen annehmen kann. Es ist eine Geschichte des Ungesagten, Ausgelassenen. Eine Geschichte von Verdrängtem und Unverarbeitetem. Es ist auch eine Geschichte des langsamen Zurücksinkens in die Sprachlosigkeit der Demenz, in der die Erinnerungen - und damit die individuelle wie die gemeinsame Geschichte - unwiderbringlich verloren gehen. Mit ihnen verschwindet die Möglichkeit zur Heilung der Wunden derjenigen, die “zurückgelassen” werden. Das jahrelang praktizierte Schweigen ist plötzlich gerechtfertigt und kann nicht mehr zum Vorwurf gemacht werden. Obwohl Eva während der Ehe schon einsam war, kann sie es kaum ertragen, auf diese Weise alleingelassen zu werden. “Am liebsten hätte ich zu ihm gesagt, reiß dich zusammen, sag etwas. Das bist nicht du. Sei wer du bist, sei der, den ich kenne, mir reicht es jetzt.” Doch kann man überhaupt jemals von “kennen” sprechen, selbst nach jahrzehntelanger Ehe? Sogar vor seinen Töchtern hat Simon seine Vergangenheit geheimgehalten. Seine jüdische Familie musste in einem Versteck ausharren: “Sie konnten einander nicht mehr nah sein, die physische Nähe, die ihnen der Krieg aufgezwungen hatte, ließ sie die Nähe des anderen nicht mehr ertragen.” Dieses Dilemma hat in diesen Tagen für viele eine unerwartete Brisanz bekommen. Nicht zuletzt ist es das Schweigen, das die Familie zwar rettet, aber auch endgültig voneinander entfremdet: “Als könnten sie nicht aufgeben, was sie gerettet hatte…” Das Schreckliche wird fast zart erzählt und geht umso mehr unter die Haut. Selektive Erinnerung wird zum Selbstschutz: “Jederzeit jeden Geruch zu riechen, jeden Ton zu hören, jeden Gedanken zu denken wäre unmöglich; ohne diese Arbeit des Gehirns würden wir nicht überleben. Wir können uns jeweils nur auf einen kleinen Teil konzentrieren. Funktioniert das Gewissen ebenso?” Älterwerden heißt, nicht mehr “ein Teil von etwas zu sein”, es heißt, plötzlich “draußen zu stehen”: “Und wenn ich aufwache, ist mein Leben, oder dieser Teil davon, die Jugend, wie ein Traum, den ich ein paar Minuten vor dem Aufwachen geträumt habe. Wie schnell er vorbeigegangen ist.” Auf Erinnerungen ist dabei kein Verlass. Dann wiederum beschreibt die Protagonistin eine vielleicht eher nebensächliche Erinnerung mit solch bestechender Akkuratesse, die eigene Erinnerungen von Zugreisen in den 80er Jahren exakt widergibt: “Die deutschen Wagons verströmten einen eigenartigen Geruch, den wir beide beim Einsteigen sofort registrierten. Ledrig oder wie geschmolzener Gummi, gemischt mit dem widerlich süßen Gestank…” “Nein, ich gehöre nicht zu diesen Menschen, ich bin ganz allein, und es ist eine Mauer zwischen uns, über die hinweg wir uns manchmal miteinander unterhalten”, soll Fanny Gräfin von Reventlow gesagt haben.

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Tage in der Geschichte der Stille

von Merethe Lindstrøm

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