Christian Dietrich Grabbe: Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. Ein Lustspiel in drei Aufzügen Lesefreundlicher Grossdruck in 16-pt-Schrift Der Teufel kommt auf die Erde weil die Hölle geputzt wird, er kauft junge Frauen, stiftet junge Männer zum Mord an und fällt auf eine mit Kondomen als Köder gefüllte Falle rein. Grabbes von ihm selbst als Gegenstück zu seinem nihilistischen Herzog von Gothland empfundenes Lustspiel widersetzt sich jeder konventionellen Schemeneinteilung. Es ist rüpelhafte Groteske, drastische Satire und komischer Scherz gleichermassen. Grossformat, 210 x 297 mm Berliner Ausgabe, 2019 Durchgesehener Neusatz mit einer Biographie des Autors bearbeitet und eingerichtet von Theodor Borken Entstanden 1822. Erstdruck in: Dramatische Dichtungen, Frankfurt/M. (Kettembeil) 1827. Uraufführung am 7.12.1876 in Wien. Textgrundlage ist die Ausgabe: Christian Dietrich Grabbe: Werke und Briefe. Historisch-kritische Gesamtausgabe in sechs Bänden. Herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, bearb. von Alfred Bergmann, Emsdetten (Westf.): Lechte, 1960¿1970. Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Bildes: Zeichnung von Joseph Wilhelm Pero, um 1836. Gesetzt aus der Minion Pro, 16 pt. Henricus Edition Deutsche Klassik UG (haftungsbeschränkt) Über den Autor: 1801 als einziges Kind eines Zuchthausaufsehers in Detmold geboren, bietet Christian Dietrich Grabbe sechzehnjährig dem Leipziger Verleger Göschen vergeblich sein Drama »Theodora« an, das nicht erhalten ist. Er studiert Jura in Leipzig und Berlin. Seine Versuche, sich als Autor, Schauspieler oder Dramaturg am Theater zu etablieren, scheitern und er wird 1826 Militärgerichtsbeamter beim lippischen Heer. Der Achtungserfolg seiner 1827 erscheinenden Jugendstücke »Dramatische Dichtungen nebst einer Abhandlung über die Shakespearo-Manie« ermutigt ihn zu weiteren literarischen Arbeiten. 1829 wird seine Tragödie »Don Juan und Faust« als einziges Stück zu Lebzeiten des Autors aufgeführt. Die weitgehende Ablehnung der Bühnen, seine als quälend empfundenen Amtsgeschäfte und die unglücklich verlaufende Ehe mit der zehn Jahre älteren Louise Christiane Clostermeier verfestigen sich zu einer Lebenskrise. Grabbe vernachlässigt die Amtsgeschäfte und verfällt zunehmend dem Alkohol. 1834 quittiert er den Staatsdienst, verlässt seine Frau und überwirft sich mit seinem Verleger. 1836 stirbt Christian Dietrich Grabbe im Alter von 34 Jahren vereinsamt in Detmold. Er gilt heute neben Georg Büchner als wichtigster Wegbereiter des modernen Dramas.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Richard Josef Schindler
5/5
03.04.2024
Buch (Taschenbuch)
Christian Dietrich Grabbe ein Genie des Sprachspiels
Christian Dietrich Grabbe fand nach einer Sinnkrise den Weg wie man mit den Unsinn der Welt umzugehen hat nur eine positive Lebenseinstellung hilft. Jetzt kann man Definitionen aus der Literaturgeschichte heranziehen und sich als Selbstdarsteller ausweisen wie viel man weiß. Aber das Bestätigt nur Ludwig Wittgenstein Standpunkt. Christian Dietrich Grabbe hat die griechische Komödie oder gleichwertig den Carneval verstanden und dies in seiner Komödie dargestellt. Deshalb werden ja auch die Begriffe Scherz Satire und Ironie nicht nach ihrer tieferen Bedeutung verwendet sondern legen offen das Welt- und Menschenbildes des Verwenders.
Bewertung
aus Zürich
5/5
14.08.2019
Buch (Taschenbuch)
ein Schenkelklopfer
durchgehend witzig und dabei niemals flach, stichelt gegen die Weimarer Klassik und sonstige deutsche Literatur, ist aber ebenso selbstironisch
Bewertung
5/5
22.12.2010
Buch (Taschenbuch)
Für Lacherer besonders geeignet
Im zarten Alter von 20 Jahren schrieb Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) bereits sein zweites großes Stück. Sein Erstling, "Herzog Theodor von Gothland", war ein fast unaufführbarer Monolith nach Art von Shakespeares "Titus Andronicus" oder "Hamlet" gewesen, in dem am laufenden Band gemordet wurde. Blut, Haß und Hölle waren sowas wie die Leitmotive.
Die Reaktion darauf - es ist die Zeit des Biedermeier und der Romantik! - war vorprogrammiert: Obwohl man Grabbes Talent anerkannte, zeigte man sich verstört und riet von einer Veröffentlichung ab.
Gekränkt nahm sich Grabbe vor, mit einem Lustspiel einen schnellen Publikumserfolg zu erringen. Zu diesem Zweck schickte er seinen Erstling samt Blut, Haß und Hölle auf's Clown-College, und schwuppdiwupp war "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" geboren.
Darin, so könnte man den Inhalt zusammenfassen, schickt er den Teufel aus, um in der Provinz unter allen Ständen und Umständen Unheil zu stiften. Aber wie es sich für eine anständige Posse gehört, ist die Handlungsführung schablonenhaft und vernachlässigt. Hauptsache ist, dass die Pointen sitzen. Und für Spaß ist denn auch tatsächlich reichlich gesorgt! Ich beschränke mich auf zwei Beispiele:
Da ist zum einen der Freiherr von Mordax. Der verliebt sich 'unsterblich' in Liddy:
"Die Liddy ist ein prächtiges Tier und behagt mir superbe! [...] Ich will sie heiraten oder totstechen!"
Der Teufel nun verspricht, diesem die Angebetete zuzuspielen, wenn er, um sich ihrer als 'würdig' zu erweisen, zwölf Schneidergesellen um die Ecke bringt. - Liebe vermag alles, denkt sich Mordax und legt los!
An anderer Stelle werden zeitgenössische Autoren seichter Unterhaltungsliteratur genüßlich durchgehechelt. Grabbe nimmt sich dafür so viel Zeit, dass man fast meinen möchte, er glaube, sich schriftstellerisch ausgerechnet ihnen gegenüber behaupten zu müssen. Später aber heißt es plötzlich:
"Das ist der vermaledeite Grabbe, oder wie man ihn eigentlich nennen sollte, die zwergige Krabbe, der Verfasser dieses Stücks! Er ist so dumm wie'n Kuhfuß, schimpft auf alle Schriftsteller und taugt selber nichts, hat verrenkte Beine, schielende Augen und ein fades Affengesicht!"
So geht es hier zu. Selten musste ich beim Lesen eines Lustspiels so oft wirklich auflachen wie hier! Dass so mancher Witz allzu platt ist, sieht man Grabbe da gerne nach.
Den erhofften Durchbruch konnte Grabbe übrigens auch mit dieser Komödie nicht feiern und wurde in der Folge mehr und mehr zum Säufer. Lediglich Heinrich Heine war von Grabbe derart angetan, dass er sein Talent Shakespeare nahe rückte.
Aber selbstverständlich hinkt der Vergleich: - - - So turbulent komisch war Shakespeare nie!