Dora Maar bleibt in Erinnerung als eine Geliebte und Muse von Picasso. Doch Maar war eine Künstlerin, die ausschweifend mit Fotografie und Malerei arbeitete.
Das Buch handelt davon, wie die Autorin eine Agenda auf Ebay ersteigert und darin eine Telefonnummernliste findet, auf die alle wichtigen Surrealisten in Paris aus dem frühen 20. Jahrhundert aufzeigt. Benkemoun geht die Namen durch und erzählt in kurzen Kapiteln die Biographien hinter den Namen und ihre Verbindungen zu Maar. Benkemoun schafft es aus Maar einen Menschen zu machen, aber jedoch bleibt sie zu seicht mit ihrer Analyse, denn Maar war eine offene Antisemitin, massiv homophob und rassistisch und ein Fan von Hitler. Benkemoun findet immer absurdere Ausreden, wieso Maar gar nicht antisemitisch ist, sondern es nur irrtümlich so aussieht, bis ihr auf der letzten Seite nichts anderes übrig bleibt, als zuzugeben, dass Maar antisemitisch war.
Obschon Benkemoun es schafft Maar ihre Menschlichkeit zurückzugeben und sie als mehr als nur Picassos Geliebte zu zeigen, bleibt das Buch sehr unkritisch in manchen Aspekten. Zum Teil liest es sich eher wie ein etwas weniger reisserisch geschriebenes Lästerblatt. Maar bewegte sich auch in einem Zirkel, wo man sich gegenseitig aus Spass fertig machte und erniedrigte und Frauenfeindlichkeit war in diesen Kreisen an der Tagesordnung. Allen voran Picasso, der ein offenkundiges A****loch war und Frauen wie Dreck behandelte, auch Maar. Maar litt auch stark unter psychischen Problemen, einige davon verursacht durch Picassos Misshandlungen.
Aber am Ende ist es eine lauwarme Lektüre mit wenig Biss oder Kritik, dafür aber viel High Society Gossip.
Wie ich das sehe, hat Benkemoun jedoch sauber recherchiert und sehr viele Quellen genutzt - von Katalogen und Büchern bis hin zu Archivmaterial - aber es ist schade, dass sie damit nicht etwas Gewichtigeres schaffen konnte.