Hulda Gold - nah am Leben, nah am Tod 1922. Hulda Gold ist Hebamme, clever, unerschrocken und im Viertel äußerst beliebt. Das Schicksal der Frauen liegt ihr besonders am Herzen. Zumal sie bei ihrer Arbeit nicht nur neuem Leben begegnet, sondern auch dem Tod. Im berüchtigten Bülowbogen, einem der vielen Elendsviertel der Stadt, kümmert sich Hulda um eine Schwangere. Die junge Frau ist erschüttert, weil man ihre Nachbarin tot im Landwehrkanal gefunden hat. Angeblich ein tragischer Unfall. Aber wieso interessiert sich der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North für den Fall? Und weshalb fühlt sich Hulda von ihm so angezogen? Sie stellt Nachforschungen an und gerät dabei immer tiefer in die Abgründe einer Stadt, in der Schatten und Licht dicht beieinander liegen.
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Mitreißend und ein echtes Hörerlebnis
LeseAn am 07.09.2020
Bewertungsnummer: 1374276
Bewertet: Hörbuch-Download
Annes Sterns Roman "Fräulein Gold. Schatten und Licht" besticht durch wunderbar ausgearbeitete Figuren, eine bis zum Ende spannenden Handlung und einen historischen Detailreichtum, der alles lebendig macht, ohne langatmig zu werden. Durch Sprecherin Anna Thalbach und ihre Berliner Schnauze wird das Hörbuch zu einem echten Erlebnis, das ich jedem Fan Berlins und historischer Romane nur wärmstens empfehlen kann.
Hulda Gold ist 26 Jahre alt und Hebamme am Berliner Winterfeldtplatz. Selbstbewusst und modern, geht sie allein ihren Weg, wenngleich die Schatten ihrer Vergangenheit sie stets begleiten und ihre Entscheidungen beeinflussen. Ihre größte Stärke und Schwäche zugleich ist es, regen Anteil am Schicksal ihres Umfelds zu nehmen. Als die Nachbarin einer Wöchnerin unter mysteriösen Umständen im Landwehrkanal ertrinkt, kann sie nicht anders, als auch deren Schicksal zu ergründen. Ihre Neugier und Fragen bringen sie mehrfach in arge Bedrängnis, und ebenso Kriminalkommissar Karl North, der in dem Fall ermittelt. Wer findet zuerst heraus, was der armen Frau aus dem Bülowbogen wirklich zustieß?
Der Titel „Schatten und Licht“ ist hervorragen gewählt und stringent umgesetzt. Einerseits im Berlin der 20er Jahre an sich, wo die junge Demokratie immer wieder von rechts wie von links angegriffen wird, wo Arm und Reich nur eine Straßenkreuzung voneinander entfernt leben, wo die Folgen des Krieges auf die goldenen 20er treffen. Geschickt lässt Anne Stern den Leser bzw. Hörer hinter diese Kulissen blicken und vermittelt ganz nebenbei historische Fakten.
„Schatten und Licht“ kennen andererseits auch all ihre Figuren, die plastisch, tiefgründig und vor allem glaubhaft beschrieben sind. Nirgends gibt es ein eindeutiges Schwarz oder Weiß, jeder hat gute und schlechte Seiten, wurde durch die Kriegszeit oder die Geburt in eine bestimmte Klasse geprägt, erträgt sein Schicksal, rebelliert oder versucht eben einfach, das Beste aus seiner Lage zu machen. Es macht unheimlich Spaß, diese Facetten zu entdecken und mit den einzelnen mitzufiebern. Durch Sprecherin Anna Thalbach erhält jeder eine ganz eigene Stimme, die erheblich zur Lebendigkeit der Geschichte beiträgt.
Dieses Buch besticht daneben durch einen Spannungsbogen, der das Ende nicht vorausahnen lässt. Manche mögen kritisieren, dass am Schluss nicht alle Fäden zusammengelaufen sind, bei mir hingegen wecken sie die Neugier auf den zweiten Teil „Scheunenkinder“. Ich hoffe, er wird ebenso ein Highlight des Lesejahrs 2020 wie dieser erste Teil. Sehr gerne wieder als Hörbuch mit Anna Thalbach!
Das Berlin der Zwanziger wird lebendig
Bewertung aus Issum am 29.08.2020
Bewertungsnummer: 1370224
Bewertet: Hörbuch-Download
Buchmeinung zu Anne Stern – Fräulein Gold: Schatten und Licht
„ Fräulein Gold: Schatten und Licht“ ist ein historischer Roman von Anne Stern, der 2020 im Rowohlt Verlag erschienen ist. Das ungekürzte Hörbuch wird von Anne Thalbach gelesen und ist 2020 im Argon Verlag erschienen.
Zum Autor:
Anne Stern wurde in Berlin geboren, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt. Nach dem Studium der Geschichte und Germanistik promovierte sie in deutscher Literaturwissenschaft und arbeitete als Lehrerin in der Lehrerbildung.
Sprecher:
Anna Thalbach stand bereits mit sieben Jahren das erste Mal für einen Kinofilm vor der Kamera. Seitdem arbeitet sie gleichermaßen erfolgreich für Theater, Film und Fernsehen. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme ist Anna Thalbach eine der gefragtesten Hörbuchsprecherinnen.
Klappentext:
1922: Hulda Gold ist gewitzt und unerschrocken und im Viertel äußerst beliebt. Durch ihre Hausbesuche begegnet die Hebamme den unterschiedlichsten Menschen, wobei ihr das Schicksal der Frauen besonders am Herzen liegt. Der Große Krieg hat tiefe Wunden hinterlassen, und die junge Republik ist zwar von Aufbruchsstimmung, aber auch von bitterer Armut geprägt. Hulda neigt durch ihre engagierte Art dazu, sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen. Zumal sie bei ihrer Arbeit nicht nur neuem Leben begegnet, sondern auch dem Tod. Im berüchtigten Bülowbogen, einem der vielen Elendsviertel der Stadt, kümmert sich Hulda um eine Schwangere. Die junge Frau ist erschüttert, weil man ihre Nachbarin tot im Landwehrkanal gefunden hat. Ein tragischer Unfall. Aber wieso interessiert sich der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North für den Fall? Hulda stellt Nachforschungen an und gerät dabei immer tiefer in die Abgründe einer Stadt, in der Schatten und Licht dicht beieinanderliegen.
Meine Meinung:
Dieses Buch vermittelt viel Atmosphäre und zusammen mit der Sprecherin werden die Figuren lebendig. Die Charaktere sind mit vielen Grautönen gezeichnet und bieten deshalb auch viele Überraschungen. Berufsbedingt ist Hulda recht selbstständig und kommt viel in ihrem Viertel herum. Sie hat ein Auge für ihre Umwelt und führt selbst auch kein sorgloses Leben, aber es reicht immer noch und das ist mehr als bei vielen anderen Berlinern. Privat läuft es gerade nicht so gut. Da lernt sie den Kommissar Karl North kennen. Beide ermitteln auf ihre eigene Weise und sind sich menschlich nicht unsympathisch. Im Alltagsleben tauchen erste Ressentiments gegenüber Juden auf und vielerorts herrscht ein Klassendenken. Hulda und Karl arbeiten beide in Berufen, in denen sie auf Menschen aus mehreren Schichten treffen. Der Leser erfährt von traurigen Einzelschicksalen, erlebt glückliche Momente mit und begleitet eine Hulda, zu deren Wortschatz das Wort Angst nicht gehört. Sie wirkt sehr sympathisch, weil sie den Dingen auf den Grund gehen will. Ähnlich ist es mit Karl North, der zunehmend auch Herz zeigt. Die Grundstimmung ist eher dunkel, aber humorvolle Zwischentöne lockern das triste Geschehen immer wieder auf. Das Berlin der frühen 20-er Jahre wird mit seinen Vor- und Nachteilen lebendig und alle Figuren versuchen so viel wie möglich davon abzubekommen. Der Kriminalfall spielt zu Beginn kaum eine Rolle, rückt aber zunehmend in den Fokus und sorgt für einige Spannungsmomente.
Fazit:
Das Berlin der 20-er Jahre wird in diesem Buch lebendig und ein Kriminalfall dient als Bindeglied. Spannende Figuren und eine interessante Handlung sorgen für einen Lese- und Hörgenuss. Die Vorleserin Anna Thalbach mach einen ausgezeichneten Job. Deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.