Keine neue Idee, doch originell lässt E. T. A. Hoffmann seinen Protagonisten, den Kater Murr, seine Biografie selbst der Nachwelt aufschreiben. Bedauerlicherweise verwendet der Kater dafür bereits beschriebenes Papier, das Manuskript der Lebensgeschichte seines Herrchens, der Kapellmeister Kreisler. Bei der Drucklegung ergibt es sich, dass sich die beiden Lebensgeschichten auf seltsamer Weise vermischen. So gelingt es dem Autor zwei voneinander weitgehend unabhängige Geschichten parallel zu erzählen, dennoch verwebt er die Handlungsstränge geschickt miteinander und arrangiert ein großartiges Ganzes. Wundervolle Satire, ein Augenschmaus und Lesefutter für höchste Ansprüche.
Bewertung
4/5
15.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Persiflage auf den Bildungsroman
Das Buch vereinigt zwei Erzählebenen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: Die tietelgebenden Lebensansichten des Katers und Auszüge aus der Biographie des fiktiven Kapellmeisters Kreisler. Erstere sind so pathetisch überhöht geschrieben, dass es ein Genuss ist, sie als Persiflage auf den klassischen Bildungsroman zu lesen.
Mit der Zeit werden auch die Verbindungen zwischen den Ebenen deutlich.
Motive und Themen aus den Memoiren des Katers tauchen auch in den Kreisler-Abschnitten auf, und umgekehrt, und ermöglichen dadurch neue Perspektiven.
Wer ausserdem sattelfest in der Literaturgeschichte ist, wird sich an den unzähligen Anspielungen erfreuen (und wer damit leben kann, nicht alles zu durchblicken, hat auch seinen Spass daran).