Der siebzehnjährige Aleksy verabscheut seine Mutter, denn sie ist hässlich und hat als Mutter versagt. Als sie ihn aus dem Erziehungsheim abholt, will er nichts von ihr wissen. Trotzdem lässt er sich zu einem gemeinsamen Urlaub in Frankreich überreden, Bestechungssumme: ihr Auto. Kaum angekommen in dem kleinen Dorf, in dem er sich fremd fühlt und nur mühsam mit den kauzigen Bewohnern zurechtkommt, erfährt er, wie es in Wahrheit um seine Mutter steht. Ihn verfolgen fortwährend schmerzliche Erinnerungen aus der Kindheit, und die ungewohnte Sorge um die Mutter überschattet sein erstes unbeholfenes Liebesglück. Nach diesem Sommer ist in seinem Leben nichts mehr, wie es einmal war.Tatiana Tîbuleacs preisgekrönter Roman erzählt mit unsentimentalem Witz die berührende Geschichte eines Jungen, der um seine Kindheit betrogen wurde und als Heranwachsender plötzlich Verantwortung übernehmen muss.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
5/5
01.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Sommer als Mutter grüne Augen hatte
Der psychisch kranke 17jährige Aleksy, der seine hässliche Mutter verabscheut, sie beleidigt und eigentlich nichts mit ihr zu tun haben möchte, lässt eine geplante Amsterdam-Reise, die er mit seinen Freunden geplant hatte, fallen. Er lässt sich von der Mutter zu einer gemeinsamen Urlaubsreise nach Frankreich überreden. Dies allerdings nur, weil sie ihm als Bestechungssumme ihr Auto dafür versprach. Er hasst sie, seine Mutter, und wünscht, sie wäre tot. Mutter und Sohn lernen sich kennen und nähern sich an. Aleksy erfährt, dass sie schwer krank ist und bald sterben wird. Erstaunt, aufgewühlt und liebevoll begleitet er sie auf ihrem letzten Weg. Nach diesem ungewöhnlichen Sommer ist in Aleksys Leben nichts mehr wie vorher. «Mutters Augen weinten nach innen» Derb, zärtlich, gefühlvoll erzählt Tatiana Tîbuleac die Geschichte dieser gemeinsamen Ferienreise. Unbedingt lesen.
Bookflower173
5/5
16.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein letzter gemeinsamer Sommer
Inhalt:
Aleksy hasst seine Mutter und will nichts mit ihr zu tun haben. Ihre Mutter verlangt nur noch einen letzten gemeinsamen Sommer in Frankreich. Danach darf er ihr Auto bekommen. Doch im Urlaub erfährt Aleksy, dass seine Mutter schwer krank ist und bald sterben wird. Die beiden nähern sich an und Aleksy denkt immer positiver von seiner Mutter. Dieser Sommer verändert alles.
Meinung:
Das Buch übte eine starke Sogwirkung auf mich. Aleksy hat heftige und gewalttätige Gedanken, wünscht sich unter anderem, dass seine Mutter tot ist. Es ist keine leichte Kost und für mich war es auch nicht immer angenehm, das Buch zu lesen. Aber das gestörte Mutter-Sohn-Verhältnis wird eindrücklich auseinandergelegt und man erfährt nach und nach, warum das Verhältnis so gestört ist. Aleksy ist zudem psychisch krank. Aus seiner Sicht wird alles erzählt, wobei er nun als Erwachsener noch einmal über den letzten Sommer mit seiner Mutter nachdenkt. Wie er sich nun retrospektiv an diesen Sommer erinnert, fand ich sehr interessant. Man erfährt auch, was in Aleksys Kopf aufgrund seiner Krankheit passiert.
Der Schreibstil ist sehr literarisch und bildhaft, was mir sehr gut gefallen hat, auch wenn er nicht ganz zu Aleksys Charakter gepasst hat. Dennoch hat er zu einer bedrückenden, aber besonderen Atmosphäre beigetragen.
Ich habe die Annäherung zwischen Aleksy und seiner Mutter mit großem Interesse mitverfolgt. Aleksys Hass auf seine Mutter wird im Verlauf des Urlaubs immer weniger, bis er letztlich ganz verschwindet. Mich konnte das Buch emotional sehr mitnehmen.
Auf unangenehme Weise wird deutlich, was mit einem Kind passiert, wenn es ein Trauma hat und nicht die notwendige Liebe von den Eltern erfährt, und wie schwierig es ist, dann wieder eine Nähe zum Kind aufzubauen.
Fazit:
Dieser Roman ist keine leichte Kost, aber man erlebt eine emotionale und tiefgründige Geschichte, die einen mitnimmt und nicht mehr loslässt. Die Autorin schafft mit der literarischen Sprache eine bedrückende, leicht surreale Atmosphäre, die man nicht so schnell vergisst.
Bewertung
aus Pinneberg
5/5
26.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kraftvoll, intensiv und poetisch - tolles Debüt!
Als der 17jährige Aleksy zum Schulschluss von seiner Mutter abgeholt wird, ist er voller Hass. Man hat einen hasserfüllten, unglücklichen, mit derben Ausdrücken um sich schlagenden Halbwüchsigen vor sich und weiß schnell: da läuft etwas ganz schlimm falsch. Völlig lieblos und gleichgültig wird in der Familie miteinander umgegangen. Als Aleksys Mutter ihn dann mehr oder weniger erpresst, dass er mit ihr den Sommer in Frankreich verbringt, wendet sich das Blatt zusehends. Wir erfahren mehr über den mittlerweile psychisch kranken Aleksy, über die kranke Mutter, die tote Mika... und wir erleben eine Veränderung im Mutter-Sohn-Verhältnis.
Was zu Beginn kraftvoll in derbem Ton, aber trotzdem eindringlich und bewegend den Leser fesselt, verändert sich zu einer mehr und mehr poetischen Reise nach Frankreich, durch den Sommer hindurch und zu sich selbst. Rückblickend erzählt Aleksy viele Jahre später von diesem bedeutsamen Sommer, in dem sich sein Leben grundlegend verändert hat. Ein Sommer, in dem die innere Wut und Verzweiflung langsam einer inneren Ruhe gewichen ist und zumindest teilweise zwischenmenschliche Beziehungen wieder möglich geworden sind. Ein Sommer, in dem auch die Mutter eine andere geworden ist und beide einander gebraucht haben. Wir erfahren einiges über die damaligen Hintergründe und gleichzeitig ein wenig über Aleksys Leben in der Gegenwart. Zuweilen sehr zärtlich schreibt die Autorin von der Mutter-Sohn-Beziehung, was zu Beginn des Romanes noch völlig undenkbar erschienen ist.
Dieser Roman lässt im Verlauf an Tempo nach und lässt mich als Leserin mehr und mehr versinken in die wunderbare, berührende Poesie. Manches Mal ist es mir schon ein bisschen zu verkopft, da verstehe ich nicht alles ;-) Auch frage ich mich, ob ein Mensch eine derart krasse Wendung in so kurzer Zeit vollziehen kann. Obwohl hier einige Faktoren zusammenkommen, ist es doch eine enorme Leistung. Aber das kann ich nicht wirklich beurteilen...
Insgesamt muss ich sagen, dass mich die Geschichte - insbesondere auch sprachlich - enorm beeindruckt hat. Kurz, kraftvoll, intensiv und poetisch schön. Für meinen Geschmack hätte es hier und da noch ein paar mehr Hintergründe geben können, dennoch: ein tolles Debüt, das m.M.n. zu Recht mehrfach preisgekrönt ist.
Miro
aus Wels
5/5
26.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Mutters Augen weinten nach innen."
Aleksy hat eben seinen letzten Schultag hinter sich gebracht und sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Er hat keine Perspektiven. Er weiß nur, dass er weg von Mutter will, die er hasst und verachtet.
Der Sommer soll auf jeden Fall großartig werden. Mit seinen Freunden will er nach Amsterdam, Drogen konsumieren und seine Jungfräulichkeit verlieren.
Doch es kommt alles ganz anders. Seine Mutter überredet ihn, diesen einen Sommer mit ihr in Frankreich zu verbringen und was trist beginnt, wird für beide ein unvergesslicher Sommer.
Tatiana Tibuleac hat ein starkes Buch über ein schwer gestörtes Mutter-Sohn-Verhältnis geschrieben. Der Protagonist, Aleksy, war immer ein Außenseiter. Ungeliebt und ohne Perspektiven scheint er in seinem Sumpf gefangen. Seine Sprache ist derb und heftig; stellenweise schwer zu ertragen. Doch sie Autorin gibt ihn nicht auf. Er macht eine schöne, aber auch traurige Entwicklung durch.
Die Autorin hat ein Buch geschrieben, dass nicht gefallen will. Das Buch besticht mit schonungsloser Direktheit. Wie eine Faust ins Gesicht schreit und Aleksy seine Hilflosigkeit entgegen. Trotz dieser furchtbaren Kindheit lässt die Autorin eine relativ strahlende Zukunft aufblitzen.
Mich hat diese Geschichte sehr begeistert. Das Buch hätte gerne noch mal so viele Seiten haben können und ich hätte auch wahnsinnig gerne erfahren, wie alles so gekommen ist, wie es schließlich wurde. Doch damit lässt uns die Autorin allein. Und gerade diese Kürze verstärkt die Dringlichkeit dieses Romans.
Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung, für alle, die auch mal derbere Sprache ertragen und für alle, die es aushalten, wenn nicht alles auserzählt wird!
ElliP
aus Hessen
5/5
05.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Wir waren nicht normal“ Die…
„Wir waren nicht normal“ Die Chronologie des Sommers - Erinnerungsfetzen, Träume, Ängste, existenzielle Gefühle, Alles und Nichts … In dieser unerwünschten Aus-Zeit passiert das Unerwartete: Aleksy und seiner Mutter verbringen die Ferien miteinander in Frankreich und betreten unbekanntes Terrain. Die wenigen gemeinsamen Wochen verändern ihre gestörte Beziehung grundlegend, sie entdecken den anderen ohne Maske, aber können die mannigfachen Verletzungen geheilt werden? Die typischen Rollen müssen getauscht werden: Der Sohn übernimmt Verantwortung für die Verletzliche und konzentriert sich nicht mehr nur auf die eigene Erlebniswelt und die eigene Person. Die Vergangenheit wird neu gesichtet, neu bewertet, aber nicht alle Erlebnisse, Tod, Lüge, Schuld können ohne Schmerz einfach vergessen werden. Der Sommer des Abschieds ist auch ein Neubeginn und eine Metamorphose, rückblickend Ausgangspunkt einer Entwicklung, die das ganze Leben verändert. Nach und nach verschärft sich der Blick auf das Ganze; zuerst unverständlich werden die Splitter und Scherben zusammengesetzt und die Geschichte hinter den verschiedenen Momentaufnahmen tritt immer deutlicher hervor: eine Familie jenseits der Normalität, eine Familie ohne Liebe und Zuneigung, ohne Zukunft. Aleksy, ein unglaublicher Protagonist voller Wiedersprüche, Aggressionen, Sprachgewalt, Lebensgier, Fatalismus, Eigensinn und so vieles mehr. Die Sprache ist entsprechend ausdrucksstark - voller Magie, ungewöhnlicher Ausdrücke und Vergleiche – mal kraftstrotzend, brutal, offen und dann wieder ganz zärtlich und voller Poesie. Ein unglaublicher Roman, eine Geschichte, die berührt, die einen nicht loslässt, ein Sog, faszinierend, intensiv, verstörend.