Gunnar Bäumer hat vor sieben Jahren mit Ende Zwanzig die Provinz verlassen, um nach Berlin zu ziehen. Jetzt kehrt er für eine Woche in sein Elternhaus zurück, um »das Haus zu hüten«. In diesen Tagen findet auch das alljährliche Schützenfest statt, dem er sich eigentlich verweigern wollte, um zur Ruhe zu kommen. Doch dem Fest entkommt er nicht und muss sich innerhalb der nächsten Tage dem Dorfleben, seinen Lebenskonzepten und seiner Vergangenheit stellen, vor allem auch seiner Jugendliebe Franziska mit deren Ehemann.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
aus Meppen
5/5
05.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Du kriegst den Jungen aus der Kleinstadt, aber die Kleinstadt nicht aus dem Jungen
Eine Tour de Force des Ich-Erzählers durch Kleinstadtmief, Neurosen und Traumata im konzentrierten Nonplusultra des Provinzlebens: Dem Schützenfest!
Dabei bietet der Roman mehr als eine stumpfe Aneinanderreihung witziger Saufanekdoten, sondern stellt stark die Selbstreflexion des Ich-Erzählers in den Fokus. Eine Geschichte auf die ein Satz zutrifft, wie: „Du kriegst den Jungen aus der Kleinstadt, aber die Kleinstadt nicht aus dem Jungen!“
Das Buch ist insofern eine Art Coming Of Age Roman für Leute die nie erwachsen geworden und vielleicht auch nie irgendwo richtig angekommen sind. Bei Bernemanns erfrischend knurrig pissigem Sprach- und Erzählstil bleibt einem das Lachen in vielen vordergründig lustigen Szenen manchmal im Halse stecken.
Das Buch kann ich jedem*r wärmstens empfehlen, der/die sich bereits in den vorangegangenen Zeilen wegen ähnlicher Erlebnisse und/oder Biographie wiederfindet. Und dem Rest auch, denn ein kleiner Gunnar Bäumer steckt vermutlich in jedem/jeder von uns...
Bewertung
aus Alzenau
5/5
04.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unterhaltsam und tiefsinnig mit überraschendem Ende
Mich hat Dirk Bernemanns "Schützenfest" von Anfang an mitgenommen auf eine Reise auch in die eigene Vergangenheit und bestens unterhalten. Der Protagonist Gunnar Bäumer lebt schon viele Jahre in Berlin und kommt eigentlich nur widerwillig für ein paar Tage zurück die Kleinstadt, in der er aufgewachsen ist, um auf das Haus seiner Eltern aufzupassen und wird unter anderem durch das zeitgleich stattfindende namensgebende Schützenfest mit Personen und Ereignissen aus seiner Kindheit und Jugend konfrontiert. Auch wenn ich im Gegensatz zu Gunnar bisher nie länger fern meiner Heimat gelebt habe, habe ich in den Rückblenden einige Parallelen zu meiner eigenen Jugendzeit entdeckt und mich nicht zuletzt dank Bernemanns flottem und humorvollen Schreibstil sehr amüsiert. Gleichzeitig besitzt der Roman aber auch eine durchaus wohltuende Melancholie und einen gewissen Tiefgang, der nach und nach und besonders im durchaus überraschenden Ende zum Vorschein kommt.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der gerne biografisch angehauchte Romane über vermeintlich normale Menschen mit ihren Irrungen, Verwirrungen und Narben liest und insbesondere Menschen im Alter von 35 bis 50, die sich vielleicht wie ich ein Stück weit darin wieder erkennen.
US
aus Berlin
5/5
04.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
zurück in die Heimat Die…
zurück in die Heimat Die Buchbeschreibung hat mich neugierig gemacht, aber dieses Buch war dann doch ganz anders als erwartet. Der Autor hat mich total überrascht mit seiner Art diese Geschichte zu erzählen. Ohne Schnörkel, sehr direkt. Ein Buch voller Lebenserfahrung, in dem sich sicher so mancher Leser wiederfindet und an längst vergangene Ereignisse erinnert wird. wobei das Erinnern nicht immer positiv ist, manchmal schmerzhaft, manchmal erdrückend. So geht es auch Gunnar, vom Landei zum Großstädter mutiert, findet er sich plötzlich auf dem Dorf wieder. Die Gegensätze könnten nicht deutlicher sein. Die Geister seiner Vergangenheit treten zutage und er muss sich ihnen stellen. Von diesem Autor muss ich unbedingt mehr lesen!
Bewertung
5/5
29.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
“Ich bin fucking Gunnar Bäumer, ihr Honks, und besuche meinen ehemaligen Heimatplaneten, ..."
Mit Ende zwanzig hieß es für Gunnar “Raus aus dem Dorf und rein in die Großstadt!” und es ging für ihn vom Heimatdorf Dörrfeld ab nach Berlin. Doch so richtig weit hat er es dort auch nicht gebracht. Nun kehrt er für kurze Zeit zurück ins Dorf, um das Haus seiner Eltern zu hüten, die für eine Woche verreist sind. Ausgerechnet in dieser Zeit findet das Dörrfelder Schützenfest statt und Gunnar kann sich dem Dorfdruck nicht entziehen. Er landet trotz aller Abneigung auf dieser Festivität und findet sich inmitten von Autoscooter, Bierzelt und Marschmusik wieder. Hier wird er nicht nur mit seine Jugendliebe Franziska und ihrem Ehemann konfrontiert, sondern noch mit ganz anderen Geschichten aus seiner Vergangenheit...
Wer bereits etwas von Dirk Bernemann gelesen hat, der weiß was auf ihn zukommt. Wer es bisher versäumt hat, diesen genialen Autoren zu lesen, dem sei nur kurz gesagt: Bernemann legt den Finger sehr gerne in jegliche Wunde, die auch nur annähernd existiert! In diesem Fall heißt das, ob Dorf oder Großstadt, am Ende bleiben kaum gute Haare an irgendetwas über. Bernemann seziert alles und jeden und lässt dabei nichts außer Acht. Das Schlimme an der Sache ist, dass man sich als ehemaliger Dorfjunge oft an Dinge erinnert fühlt. Mal tut man es als spaßige Erinnerung ab, aber ab und zu erwischt einen Bernemann auch kalt und man findet sich selbst mehr in diesen Worten wieder, als man sich wünscht.
Nicht umsonst hat hier wieder der Heyne Hardcore Verlag seine Finger mit im Spiel, denn der Autor hat nicht nur einen (wie ich finde) unheimlich großartigen Schreibstil, er scheut sich auch nicht, eine “etwas” derbere Wortwahl an den Tag zu legen. Und so folgt man dem Protagonisten Gunnar für eine Zeit lang, arbeitet sich mit ihm durch literweise Bier und Kümmerling, durch alte Erinnerungen, Freundschaften und Jugendlieben, füttert ab und zu mal die Fische und gießt die Rosen und bekommt dabei Geschichten aus dem Leben serviert, die selten positiv sind. Ein literarischer Schlag in die Fresse, der auf den letzten Seiten noch einmal so richtig ausholt, um einen nachdenklich und auch leicht wimmernd zurück zu lassen. Absolut genial!
Bewertung
aus Egelsbach
5/5
24.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Geschichte zum Nachdenken
Jetzt habe ich das Buch beendet und mein erster Gedanke war, was war das jetzt für eine Geschichte. Ein junger Mann der von Berlin in sein Heimatdorf fährt, um sich um das Haus der Eltern zu kümmern. Genau zu der Zeit, wo das Schützenfest im Ort stattfindet. Gunnar lässt sich auf das Schützenfest ein und wird wieder in die Vergangenheit katapultiert.
Ein Buch, dass zum nachdenken anregt. Auf der einen Seite die Grossstadt, in der er lebt und auf der anderen Seite das Dorf, in dem er aufgewachsen ist. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das Leben wird in den beiden Situationen unterschiedlich wahrgenommen. Gunnars Gedanken und Gefühle werden gut beschrieben. Geschenisse der Vergangenheit holen ihn wieder ein und er muss dabei auch sein aktuelles Leben in Frage stellen.
Am Ende der Geschichte versteht Gunnar aber, dass er was tun muss, um wieder glücklich zu werden.
Das Buch enthält interessante Sichtweisen des Autors und man merkt seine Denkweise, die gut beschrieben wird.