Der Weltraummediziner und Physiologe Hanns-Christian Gunga beobachtet den menschlichen Körper unter physischen und psychischen Extrembelastungen – und erklärt, warum die Wissenschaft längst noch nicht alle Geheimnisse gelüftet hat:
Was machen die Arbeit unter Tage, monatelange Schwerelosigkeit oder Flüssigkeitsmangel mit uns? Und wie ist es möglich, dass Körpertemperatur, Blutdruck und Pulsfrequenz auch unter so extremen Bedingungen nur minimal variieren?
Eine Reise in unbekannte Tiefen, schwindelerregende Höhen und tief hinein ins menschliche Innenohr.
Mit einem Vorwort des Astronauten Alexander Gerst.
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S.A.W
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04.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fähigkeiten entstehen als Anpassung an extreme Herausforderungen
Der Autor ist Arzt, Physiologe und Geologe, eine seltene Kombination. Diese ermöglicht ihm aber die Erforschung der evolutionären Wurzeln unserer Fähigkeiten. Er vergleicht geologische Prozesse und evolutionäre Anpassungen und erklärt unsere Physiologie aus beidem. Dazu geht er die gesamte Evolution des Lebens im Schnelldurchgang durch, mit vielen interessanten Details
Es beginnt mit den ersten Probiota vor 3,7 Mrd Jahren. Diese entwickelten bald in Anpassung an Tag und Nacht die innere Uhr, um im Meer auf- oder abzutauchen, je nach Lichteinfall. Die Cyanobakterien setzen Sauerstoff frei, der allerdings schnell durch das Eisen im Meer gebunden wird. Als der Sauerstoff sich anreichert, entstehen Antioxydantien, damit die freien Radikale im Körper kein Unheil anrichten.
Die Schneeballerde vor 2,5 Mrd führt zu einem Rückfall. Nahrungsknappheit zwingt die Zellen zur symbiotischen Verschmelzung, woraus die heutigen komplexen Zellen entstehen. Sexuelle Fortpflanzung dient der Abwehr der vielen Viren. Auch Zellverbände erhöhen die Effizienz und sparen Energie in knappen Zeiten.
Die Dinosaurier entwickeln ihre enorme Körpergröße durch eine effiziente Atmung in mehreren Luftsäcken und durch hohle Knochen. Der Schluckauf ist ein Erbe der Amphibien, entstand beim Umschalten von Kiemen auf Lungenatmung. Die Primaten entstanden aus den Fluggleitern und erbten von diesen das scharfe Sehvermögen und den starken Gleichgewichtssinn. Die Urmenschen entstanden, als sich Ostafrika beiderseits des Grabenbruchs hob und trockener wurde. Die begünstigte die effiziente Ausdauer, die Menschen zum Marathonlaufen befähigt und zur Hetzjagd. Bereits Homo antecessor verwendete vor 2,3 Mill Jahren Steinsplitter als Werkzeuge. Homo erectus breitete sich über Eurasien aus, seine Nachfahren (Neandertaler, Denisova, sapiens) vermischten sich in immer neuen Wanderungen.
Der Klimawandel ist tatsächlich bedrohlich, denn starke Erwärmung dezimierte bereits von 55 Mill Jahren die Säugetiere. Zwar konnten sich Kamele an die Wüste anpassen, weil sie starke Schwankungen der Körpertemperatur tolerieren, die sich am Tag stark erwärmt, in der Nacht wird die Wärme abgegeben. Der Mensch kann dies nur durch Kleiderschichten erreichen. Auf extreme Bedingungen wie Hitze, Kälte, Hoheluft muss sich der Körper aber langsam anpassen, das übersehen Extremsportler leicht.
Das Buch ist ein kurzweiliger, aber hochstehender Ausflug durch die Welt der menschlichen Physiologie, gewürzt mit Anekdoten und Forschungsabenteuern des Autors.
Dr. Rüdiger Opelt, Autor von „10.000 BC. Die Menschheitsgeschichte: älter, länger, anders“