Der Schattenkönig

Roman, Shortlist Booker Prize 2020

Maaza Mengiste

(4)
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Beschreibung


»Mit Mengiste beginnt in der Literatur eine neue Zeitrechnung.« Zoë Beck

Als Mussolini 1935 in Äthiopien einfällt, trifft er auf einen unerwarteten Widerstand: Krankenpflegerinnen, Köchinnen, Dienstmägde. Bereit, sich mit ihren Brüdern und Vätern gegen die Faschisten zu behaupten. Die junge Hirut, eine Waise in den Diensten eines Offiziers von Kaiser Selassie, ist eine von ihnen. Als Selassie sich ins englische Exil flüchtet, droht Äthiopien mit seinem Anführer auch die Hoffnung zu verlieren. Und ausgerechnet Hirut findet einen Weg, das Land zu inspirieren. An der Seite des Schattenkönigs, einem armen Musikanten, der dem Kaiser zum Verwechseln ähnlich sieht, rettet sie ihre Heimat vor der Selbstaufgabe und wird kurz zur Herrin ihres Schicksals.

Produktdetails

Verkaufsrang 879
Einband gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum 17.09.2021
Verlag dtv
Seitenzahl 576
Maße 21.6/14.3/3.9 cm
Gewicht 668 g
Originaltitel The Shadow King
Übersetzer Brigitte Jakobeit, Patricia Klobusiczky
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-423-28292-5

Kundenbewertungen

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Übersicht
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Äthiopiens Soldatinnen
von einer Kundin/einem Kunden am 03.10.2021
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Maaza Mengiste beschreibt ein Thema, dass den meisten deutschen Lesern vermutlich weitgehend nicht so bekannt ist. Die Rolle der Frauen im Abessinienkrieg 1935-1936 gegen die italienischen Soldaten. Im Vordergrund stehen Frauen, die auch in die Kriegsgeschehen einwirkten. Da ist Hirut, die als Dienstmädchen bei Kidane und ... Maaza Mengiste beschreibt ein Thema, dass den meisten deutschen Lesern vermutlich weitgehend nicht so bekannt ist. Die Rolle der Frauen im Abessinienkrieg 1935-1936 gegen die italienischen Soldaten. Im Vordergrund stehen Frauen, die auch in die Kriegsgeschehen einwirkten. Da ist Hirut, die als Dienstmädchen bei Kidane und dessen Frau Aster lebt. Es ist ein anspruchsvolles Buch. Stilistisch ist der Roman ungewöhnlich, er hat einen an Klassikern orientierten hohen Erzählton und gelegentlich wird sogar ein Chor eingesetzt. Auch offenbar dokumentarisches Material findet seinen Weg in das Buch. Es gelingt Maaza Mengiste mit ihren sprachlichen Mitteln eindrucksvolle Bilder der Geschehnisse zu vermitteln und die Leser in die Vergangenheit und die Schrecken des Krieges eintauchen zu lassen.

Vergessene Frauen in einem vergessenen Krieg
von einer Kundin/einem Kunden am 19.09.2021

Welche Dinge wissen wir überhaupt so über Äthiopien? Relativ große christliche Bevölkerungsteile, uralte Zivilsation. Gerade wieder Bürgerkrieg in Tigray. Vermutlich geht es vielen so: den Abessinienkrieg hat man vielleicht mal vom Namen her gehört, aber wann und was das war, wissen die meisten von uns nicht. Dabei handelt es ... Welche Dinge wissen wir überhaupt so über Äthiopien? Relativ große christliche Bevölkerungsteile, uralte Zivilsation. Gerade wieder Bürgerkrieg in Tigray. Vermutlich geht es vielen so: den Abessinienkrieg hat man vielleicht mal vom Namen her gehört, aber wann und was das war, wissen die meisten von uns nicht. Dabei handelt es sich um den kolonialistischen und völkerrechtswidrigen Angriff des faschistischen Italiens auf Äthiopien von 1935-1936. Keiner der Täter musste dafür je geradestehen. Genau dieser Krieg ist Thema in Maaza Mengistes beeindruckendem "Schattenkönig". Darin wird der äthiopische Widerstand gegen den Angriff literarisch verarbeitet. Aus verschiedenen Perspektiven erhalten wir Einblicke in den Mut vieler Frauen, die gegen Italien an der Seite der Männer gekämpft haben, aber oft nur historische Randbemerkungen geblieben sind. Auch das Innenleben der italienischen Soldaten und der Ascari (übrigens auch ein interessantes Thema, bei diesen handelt es sich um Truppen von Soldaten aus kolonisierten Gebieten, die auf Seiten der Kolonialmächte kämpften und bequemes Kanonenfutter waren) wird geschildert. Dabei erschafft Mengiste plastische Figuren, vermeidet Klischees und Pauschalisierungen und ermöglicht stattdessen sehr differenzierte Einblicke in die sozialen Dynamiken: Interne Streitigkeiten zwischen der Frau eines äthiopischen Anführers und der Frau, die er zu seinem Eigentum machen will, die komplexen Widersprüche der Ascari, die zwischen Gehorsam gegenüber den Italienern und Spannungen mit der äthiopischen Bevölkerung oszillieren, der Kaiser Haile Selassie, der sich teilweise während des Vernichtungskriegs in Großbritannien befand. Auch formal ist das Buch interessant: Einer der Protagonisten ist beispielsweise ein italienischer Fotograf, der die Entwürdigungen festhält und den Krieg porträtiert. Einzelne Fotomotive werden als gesonderte kurze Kapitel beschrieben und sorgen für noch mehr Bildhaftigkeit. Insgesamt ist der Roman dicht gewebt, ich denke, dass es hilft, wenn man etwas Hintergrundwissen zu Äthiopien mitbringt oder vorher kurz dazu recherchiert. Gerade die Perspektive auf die Frauen fand ich sehr spannend, die Charaktere sind allesamt interessant, selbst die faschistischen Offiziere werden als grausam, brutal - aber auch menschlich - dargestellt. Das verleiht dem Roman Tiefe und zeigt die Komplexität des Krieges, die Verwobenheit von Kolonialismus, Rassismus, Geschlechtervorstellungen und dem Aufbrechen ebendieser durch Frauen, die eben keinesfalls nur passives Beiwerk waren. Ein sehr beeindruckendes und lesenswertes Buch.

Intensiv und packend
von Circlestones Books Blog am 19.09.2021

„Er ist ein stiller Mann, der einst eine Nation gegen ein stählernes Ungeheuer anführte, und sie war seine treueste Soldatin: die starke Wächterin des Schattenkönigs. Erzähle es ihnen, Hirut. Jetzt oder nie.“ (Zitat Pos. 85) Inhalt Geley und Fasil, die Eltern der jungen Hirut, sind tot. Kidane, ein hoher Offizier des Kaisers... „Er ist ein stiller Mann, der einst eine Nation gegen ein stählernes Ungeheuer anführte, und sie war seine treueste Soldatin: die starke Wächterin des Schattenkönigs. Erzähle es ihnen, Hirut. Jetzt oder nie.“ (Zitat Pos. 85) Inhalt Geley und Fasil, die Eltern der jungen Hirut, sind tot. Kidane, ein hoher Offizier des Kaisers Haile Selassie hat ihren Eltern versprochen, sich um ihre Tochter zu kümmern. Er nimmt Hirut als Dienstbotin für seine Frau Aster in sein Haus auf. Mussolinis Truppen sind unterwegs nach Äthiopien, um das Land zu kolonialisieren. Anfang Oktober 1935 rücken die Italiener mit einhunderttausend Mann und stark bewaffnet an. Der Kaiser flieht mit seiner Familie nach England, doch er befiehlt Kidane, trotz des übermächtigen Gegners weiterzukämpfen. Da schreitet Aster ein und ruft alle Frauen auf, ihre Männer als Soldatinnen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln im Kampf zu unterstützen. Auch die Köchin und Hirut erhalten wichtige Aufgaben bei der Versorgung der kämpfenden Männer und der Verwundeten. Als Hirut den Musiker Minim sieht, hat sie eine Idee, doch der Gegner ist einer der grausamsten, brutalsten Offiziere Italiens. Thema und Genre In diesem Roman geht es um den Abessinienkrieg Mussolinis von 1935 bis 1941, Rassismus, Völkermord, chemische Massenvernichtungswaffen. Vor allem jedoch geht es um die Solidarität mutiger Frauen aus allen Bevölkerungsschichten, die bereit waren, die Männer als Soldatinnen zu unterstützen. Wichtige Themen sind die Unterdrückung der Frauen durch die Männer, ihre Rechtlosigkeit, aber auch die Frage nach der Mitschuld am Beispiel eines Kriegsfotografen. Charaktere Aster, die als junges Mädchen zur Ehe mit dem älteren Kidane gezwungen worden war, ist herrisch und launenhaft, durch den frühen Tod ihres kleinen Sohnes aus der Bahn geworfen. Doch dieser Krieg verändert sie, sie wird zur Soldatin und ruft alle Frauen zum Widerstand gegen die übermächtigen Feinde auf, zeigt ihnen, wie man kämpft, selbst Patronen herstellt. Hirut ist eine Dienstmagd, der Herrschaft ausgeliefert. Doch mutig kämpft auch sie für die Freiheit Abessiniens. „Foto“ Ettore Navarro dokumentiert als Fotograf der italienischen Truppen alle Ereignisse, er sieht nicht die Menschen, sondern die künstlerische Ausdruckskraft seiner Fotografien. Handlung und Schreibstil Eingebettet in einen Prolog und Epilog 1974 werden die Ereignisse der Jahre 1935 bis 1941 chronologisch erzählt, ergänzt durch klassische Kommentarstimmen eines Chors im Hintergrund. Sprachlich ist die Geschichte eine Mischung aus Legenden, wie man sie den Nachkommen erzählt, und einem Heldinnenepos. Die Sprache bewegt sich zwischen blumig ausgeschmückt und kantig, knapp in den Schilderungen der brutalen Szenen, obwohl immer eine tiefe Empathie mitschwingt. Wem es möglich ist, sollte diesen Roman „The Shadow King“ in der englischen Originalsprache lesen. Es liegt nicht an der Übersetzung, aber die englische Sprache kann mit wenigen Worten unendlich viel aussagen und erklären, wo die deutsche Sprache mehrere Sätze braucht und das liest sich dann manchmal holprig. Dies umso mehr, da die Autorin für ihre Geschichte ungewohnte Erzählformen wählt. Fazit Eine extrem intensive Geschichte über den brutalen Angriff auf Abessinien durch das faschistische Italien, den mutigen Widerstand der generell unterdrückten Frauen, die hier nicht mehr Opfer sind, sondern zu Soldatinnen werden.


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