Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021
Wenn das eigene Zuhause zu einem Ort der Angst und der Unmenschlichkeit wird, ist es kein Zuhause mehr. Josef ist elf, als er 1939 mit seiner Familie aus Deutschland vor den Nazis fliehen muss. Isabel lebt im Jahr 1994 in Kuba und leidet Hunger – auch sie begibt sich auf eine gefährliche Reise in die verheissungsvollen USA. Und der zwölfjährige Mahmoud verlässt im Jahr 2015 seine zerstörte Heimatstadt Aleppo, um in Deutschland neu anzufangen. Alan Gratz verwebt geschickt und ungemein spannend die Geschichten und Schicksale dreier Kinder aus unterschiedlichen Zeiten. Er erzählt unsentimental und gerade dadurch ergreifend. Ein zeitloses Buch über Vertreibung und Hoffnung, über die Sehnsucht nach Heimat und Ankommen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
30.07.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Muss man aushalten können...
Ich habe das Buch "Vor uns das Meer" in der Jugendbuchabteilung gefunden und es gleich mitgenommen. Beruflich habe ich lange Zeit mit geflüchteten Jugendlichen und Familien gearbeitet und dachte, dass mich Fluchtgeschichten nicht mehr so schnell umhauen könnten. Die Geschichten der drei Protagonisten und deren Familien wurden sehr detailliert, schockierend und realitätsnah beschrieben und haben mich emotional ergriffen. Ich möchte das Buch empfehlen- allerdings nicht für Jugendliche ab 12 Jahren.
Bewertung
5/5
11.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mein neuer Buchtipp für Sie!
Josef muss mit seiner Familie aus dem nationalsozialistischen Deutschland fliehen. Isabela und ihre Eltern erhofft sich ein besseres Leben in den USA, abseits des Hungers und der politischen Verfolgung in Kuba. Und Mahmouds Familie wird von dem Bürgerkrieg in Syrien aus ihrem eigenen Land vertrieben. Überaus packend erzählt Alan Gratz von den Schicksalen dieser drei Jugendlichen. Dabei lässt er uns immer bangen und hoffen, ob sie es wohl in ihre neue Heimat schaffen. Wer sich für Geschichte, Politik oder einfach nur für realistische Jugendbücher interessiert, wird an diesem Titel nicht vorbeikommen.
Bewertung
5/5
26.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch mit Gänsehautfaktor!
Alan Gratz erzählt die Geschichte von drei Jugendlichen zu unterschiedlichen Zeiten, aber mit ähnlichem Ziel: Flucht aus ihrem Land. 1933 fliegt Josef mit seinen Eltern vor den Nazis; Isabel flieht knapp 60 Jahre später mit ihrer Famile vor Fidel Castro; bei einem Bombenschlag wird das Wohnhaus von Mahmoud und seiner Familie zerstört, weshalb sie sich auf den Weg aus Syrien raus machen.
Auch wenn es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt, ging mir das Buch durch Mark und Bein. Auf anschauliche Art und Weise beschreibt der Autor die emotionalen und körperlichen Strapazen, die die Familien mit ihrer Flucht aus dich nehmen. Die Thematik des Buches ist erschreckend und eindrucksvoll zugleich. Der Autor hat es geschafft historische und zeitaktuelle Ereignissen mit fiktionalen Charakteren zu beschreiben, die aber dennoch wie aus dem Leben gegriffen wirken.
Bewertung
aus Kamen
5/5
12.05.2021
eBook (ePUB)
Spannend und bewegend
Eine Thematik, die jederzeit aktuell ist, wird auf spannende Weise vermittelt. Alle drei Protagonisten haben ihre eigene Geschichte über ihr Flucht aus der Heimat, die auf berührende Art und mit viel Spannung vermittelt wird. Man ist gebannt, wie die individuelle Geschichte der jungen Figuren weitergeht. Am Ende werden die Schicksale der Akteure gekonnt verwoben, obwohl sie in völlig unterschiedlichen Zeiten spielen. Der Roman öffnet die Augen für Mitgefühl und Toleranz in unserer Gesellschaft und weckt Sensibilität für die Flüchtlings-Thematik. Mir hat das Buch gut gefallen; es eignet sich auch prima als Lektüre in der Schule.
Bewertung
5/5
19.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Kinder über sich hinauswachsen müssen.
Menschen, die vor Gefahren flüchten, gab es schon immer. Kinder, die ihr Zuhause verlieren, auch. Es ist nichts Außergewöhnliches und für uns in unserem behüteten und sicheren Leben so unvorstellbar. Wir verschließen die Augen davor und geben uns betroffen, wenn wir es einmal doch nicht rechtzeitig schaffen, wegzugucken. Mir geht es auch so.
Wie es für die Kinder ist, die aus ihrer Heimat vertrieben, aus ihrem Alltag gerissen werden, alles aufzugeben für eine vage Hoffnung auf Freiheit, erzählt Alan Gratz sehr gut recherchiert in "Vor uns das Meer". Ich hatte zuerst etwas Schwierigkeiten, über die ersten Seiten hinwegzukommen, da die Geschichte ausgerechnet mit Isabel und ihrem Leben in Kuba startet, wozu ich persönlich die wenigsten Verbindungen habe, aber dann habe ich mich überwunden, weiterzulesen und das Buch innerhalb eines Tages beendet.
Wirklich Leute, es ist grandios.
Die Schicksale der drei Kinder und ihren Familien gehen zu Herzen, mir kamen oft die Tränen aufgrund der Ausweglosigkeit ihrer Situationen, in denen sie sich trotzdem immer noch einen Funken Hoffnung bewahrt haben. Es ist verblüffend, wie ähnlich sich die Kinder sind, obwohl sie aus ganz unterschiedlichen "Epochen" stammen - ihre Sorgen, Ängste und vor allem die persönliche (erzwungene) Reifung und das frühe Erwachsenwerden werden ebenso aufschlussreich dargestellt wie die Alternativlosigkeit der Flucht. Wer eine Perspektive haben, ja, überleben will, flieht.
Dass die Flucht sowohl Erwachsene als auch Kinder an ihre äußersten Grenzen treibt und nicht immer alles gut ausgeht, beschreibt Alan Gratz ungeschönt. Diese Ungeschöntheit ist zwar realistisch, lässt mich aber auch dazu neigen, dieses Buch eher älteren Kindern/Jugendlichen zu empfehlen.
Gerade die psychischen Auswirkungen des Fliehens und der Dinge, die die Familien vorher erlebt haben, halte ich nicht für geeignet für junge Kinder. Selbst mir fiel es schwer, die Erzählungen von Josefs Vater aus dem KZ Dachau und sein eigenes gebrochenes Verhalten zu ertragen. Vor allem aus der Sicht eines Kindes, welches dadurch in die Rolle des Mannes gezwungen wird.
Allerdings hatten wir auch in der Uni schon die Diskussion, wie belastbar junge LeserInnen sind und welche Art von Literatur geeignet ist. Andere Kommilitonen und meine Dozentin vertraten die Meinung, dass Kinder durchaus Bücher, in denen es um Krieg, Verfolgung usw. geht, lesen und ertragen können und auch wissen wollen, wie es z.B. damals im zweiten Weltkrieg war.
Ich verstehe diesen Standpunkt auch, aber durch meine eigene Sensibilität und schlechten Erfahrungen mit (für Kinder) brutalen Texten kann ich nicht selbst dahinter stehen.
Was mich an dem Buch schlussendlich jedoch absolut begeistert hat, war das ausführliche Nachwort des Autors, in welchem er die Realitätsbezüge und die eigene künstlerische Freiheit zu den einzelnen Schicksälen erklärt hat. "Vor uns das Meer" orientiert sich sehr stark an dem realen Verlauf der Krisen, einzelne Ereignisse werden aber zusammengefügt. Interessant fand ich auch, dass Alan Gratz sein eigenes Nachwort zwei Jahre später noch einmal reflektiert hat und mit den aktuellen politischen Vorgängen verglichen hat.
Das Nachwort ist auf jeden Fall ein Lese-Muss, aber aufgrund von Spoilern sollte es tatsächlich erst im Nachhinein gelesen werden.
Mich hat das Buch berührt, ich habe viel gelernt und lege euch ans Herz, es ebenfalls zu lesen.