Eine schwere Lungenkrankheit reißt 1949 den jungen Thomas Bernhard aus seinen musikalischen Studien heraus – und wirft ihn hinein in eine sterile Krankenhauswelt. Mit gerade einmal 18 Jahren ist er dem Tod ganz nahe und entkommt dem Sterbezimmer nur durch einen bewusst veränderten Blick auf die ihn umgebende Welt. Und durch seine Entscheidung, weiter zu atmen, um weiter zu leben. Dreißig Jahre später verarbeitet Bernhard in »Der Atem« seine Erinnerungen in einer Erzählung. Der österreichische Schauspieler Wolfram Berger verleiht dieser eine authentische Stimme.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Majo C.
aus Wien
4/5
10.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Man kann den Schleim fast im eigenen Hals spüren
Die Emotionen kommen wirklich sehr gut rüber. Die Krankheit des Protagonisten wird, ohne auch nur einen Satz lang selbstmitleidig zu sein, grandios veranschaulicht und nachspürbar gemacht. Anfangs glaubt man, wenn man den Roman nicht kennt, man würde wissen, wie es ausgeht, was noch kommt, aber man irrt sich. Die Wendungen in "der Atem" kommen so schön fließend und am Ende klappt man die letzte Seite um und man wurde auf diese emotionale Reise mitgenommen, fühlt sich fast als Freund oder Familienmitglied des Erzählers und verliert dann durch das Buch-wieder-weglegen den Kontakt. Trotz der schweren Themen kommt dieses Graphic Novel gänzlich ohne Schockbilder aus. Was ich an den Illustrationen sehr schön und durchdacht finde,sind die eingebauten Szenen aus Vogelperspektive, die veranschaulichen, wie klein und unbedeutend sich der Erzähler fühlt. Aus dieser Perspektive spürt man, wie alltäglich und nicht weiter aufregend der Tod ist oder sein kann, wie es im Buch ja auch geschildert wird. Der thematisierte Tod im Buch (als Spoilerwarnung gehe ich da jetzt nicht näher drauf ein) wird uns Lesenden ebenfalls sehr unspektakulär serviert. Die einzige Nahaufnahme im ganzen Buch ist weise gewählt. Auch der Blick in die Weite nach dem Szeneriewechsel gibt den, auch in den Worten wiederfindbaren, Effekt der Veränderung im Daseinsgefühl. Die Perspektiven sind wirklich ausgezeichnet gewählt, ansonsten mangelt es mir persönlich an der Liebe in den Illustrationen. Es wirkt allermeistens so, als hätte sich der Illustrierende nicht viel Mühe gegeben, bis auf die Geraden in den Geraden und die inhaltlich korrekte Perspektive – deshalb ein Stern Abzug.