Drei Brüder bei einer Beerdigung, einer von ihnen liegt im Sarg, betrauert von seinen Geschwistern. Aber welcher? Und warum? Nur jeweils ein Jahr sind die Drumm-Brüder William, Brian und Luke auseinander und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. William hat als Filmproduzent Karriere gemacht und glaubt, ihm stehe einfach alles zu, Brian, der mittlere Bruder, Lehrer und Künstleragent betätigt sich als wenig selbstloser Friedensstifter, Luke, psychisch instabiles Nesthäkchen, ist ein international gefeierter, sehr einsamer Popstar. Aber keiner von ihnen ist der, der er zu sein scheint. Vom Tag ihrer Geburt an hat ihre narzisstische, ziemlich abgefeimte Mutter die Brüder darauf abgerichtet, um ihre Aufmerksamkeit zu buhlen. Sie spielen Spielchen, doch im Laufe der Jahre werden diese Spiele – die kleinen Grausamkeiten – immer unheimlicher, gnadenloser und gefährlicher. Toxisch geradezu, denn nur zwei der Brüder werden überleben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
5/5
11.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wahnsinnig tolle Sprache
Brüder Kleine Grausamkeiten. Große Grausamkeiten! Was für ein Buch von Liz Nugent. Wieder haut der Steidl-Verlag hier einen Knaller raus. Was für eine Familie. Was für Brüder. Was für Männer. Sehr komplexe Sprache, die typisch für die Schriftstellerin sind (habe bereits Sally Diamond gelesen). Absolut lesenswert!
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
5/5
13.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Highlight!
Ich habe mein erstes Highlight des Jahres gefunden:
KLEINE GRAUSAMKEITEN
Liz Nugent
… ist ein Porträt einer dysfunktionalen Familie.
Nachdem der gutmütige Vater früh verstorben ist, stehen die drei Söhne und die narzisstische Mutter im Fokus.
Im Verlauf des Buches erfahren wir viel über die Kindheit der Jungen, ihre Machtspiele untereinander und ihren Kampf um die Aufmerksamkeit und Anerkennung der Eltern zu erlangen. Sie wachsen in Dublin der 70er- und 80er-Jahre auf und sind dabei meist auf sich allein gestellt. Während die Mutter an ihrer Gesangs- und Schauspielkarriere arbeitet, kümmert sich maximal der Vater um die Jungen.
Als Erwachsene haben sich die Spannungen zwischen den Brüdern keineswegs gelegt, obwohl sie mittlerweile unterschiedliche Rollen innerhalb der Familie einnehmen. William ist der erfolgreiche Bruder mit aggressiven, misogynen und narzisstischen Zügen. Brian, der mittlere Bruder, ist Lehrer und versucht als Vermittler in der Familie zu agieren. Luke, der Jüngste, bleibt das exzentrische und labile „schwarze Schaf“ der Familie.
Im Verlauf der Geschichte spitzen sich die Beziehungen der Brüder so zu, dass sie schließlich alle drei einer Beerdigung beiwohnen - einer von ihnen im Sarg.
Liz Nugent erschafft in zahlreichen, in sich abgeschlossenen Kapiteln ein beeindruckendes Charakterporträt einer völlig toxischen Familienbeziehung. Besonders beeindruckend ist, wie jedem der Brüder im Verlauf des Buches ein eigener Abschnitt gewidmet wird, in dem er als Hauptfigur seine Perspektive auf die Ereignisse schildert. Dadurch verdichtet und erweitert sich die Erzählung von Bruder zu Bruder, bis schließlich ein großes, vollständiges Bild entsteht.
Für mich ist das Buch ein echtes Highlight. Von der ersten Seite an war ich gefangen und bis zum Ende wusste ich nicht, welcher Bruder gestorben war - äußerst spannend!
Nachdem ich ihr neuestes Werk, Seltsame Sally Diamond, gelesen hatte, wollte ich unbedingt diesen Vorgänger lesen – und ich wurde nicht enttäuscht. Kurz erwähnen möchte ich noch das wieder einmal wunderschöne Cover im Leinenbezug aus dem Verlagshaus Steidl – einfach großartig! ❤️
Großes Kino!
5/5
Kaffeeelse
Thalia Book Circle Community
5/5
03.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Brüder
Kleine Grausamkeiten. Große Grausamkeiten! Was für ein Buch von Liz Nugent. Wieder haut der Steidl-Verlag hier einen Knaller raus. Was für eine Familie. Was für Brüder. Was für Männer. Langsam und bedächtig beginnt dieses Buch. Man erfährt von einem Drama. Denkt sich nun gut, mal sehen. Warum und Wieso. Und dieses ganze Krimiratespiel beginnt. Doch diese Familienstruktur, die sich hier eröffnet, lässt einen sprachlos zurück. Diese Familie hier möchte man nicht geschenkt haben. Und nein. So eine Familie wünsche ich auch meinen Feinden nicht. Nochmal kurz darüber nachdenken. Nein, ich bleibe dabei. So eine Familie verdient niemand!
Liz Nugent erschafft hier Charaktere, die erst nach und nach im Text offenbart werden. Dies gelingt ihr grandios. Diese Figuren hat Liz Nugent geradezu perfekt ausgeleuchtet, lässt ihre Toxizität erst nach und nach erscheinen. Die Leserschaft sucht nach dem Schuldigen. Aber den gibt es so gar nicht. Denn schuldig sind sie alle in der Familie Drumm. Der Spannungspegel ist riesig, man mag dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen. Und man wünscht sich sehr, dass man solchen Menschen niemals begegnet. Aber man begegnet ihnen. Denn diese toxischen Charaktere gibt es.
5 Sterne für dieses grandiose Machwerk von Liz Nugent und ich wünsche diesem Buch eine riesige Leserschaft. Nur eins sei hier angemerkt. Zart besaitet sollte man nicht sein!
vöglein
aus B.-W.
5/5
22.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kleine schmutzige Geheimnisse…
Kleine schmutzige Geheimnisse und Grausamkeiten….. …und das trifft es tatsächlich, denn fast jedes Kapitel enthält kleinere und größere Geheimnisse und Grausamkeiten, wie eine Perlenkette aneinandergereiht. Es beginnt mit einer Beerdigung bei der man als Leser aber nicht erfährt, welcher der Brüder hier gestorben sein könnte. Denn es geht hier um drei Brüder, Will, Brian und Luke die unterschiedlicher nicht sein können. Altersmässig sind sie jeweils nur ein Jahr voneinander entfernt, aber irgendwie sind sie alle nicht so ganz „echt“. Das Buch gliedert sich in vier Teile, in den ersten drei Teilen erzählt jeweils einer der Brüder seine Geschichte(n) und im letzten Part kommt dann eigentlich jeder nochmal zu Wort. Interessant zu lesen, zeitliche Rückblicke und immer auch dem jeweiligen Alter der Brüder entsprechend artikuliert. Auch die durchaus dominante und narzisstischer Mutter der Jungs spielt eine große Rolle, spielt sie ihre Söhne doch auch noch gegeneinander aus. Das Buch strotzt geradezu vor Grausamkeiten und es ist eine Berg- und Talfahrt an Gefühlen, die diese Geschichten in einem auslösen. Na und das Ende……das überrascht dann doch total! Vielleicht nicht unbedingt ein Krimi, aber eine spannende Familienstory allemal.
mimitatis_buecherkiste
aus Krefeld
5/5
21.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Liebe mich oder nicht
William, Brian und Luke sind Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. William ist der Älteste, Brian ein Jahr jünger und Luke das Nesthäkchen, obwohl zwischen William und ihm nur zwei Jahre liegen. Bereits mit dem ersten Satz am Anfang des Buches ist klar, dass einer der Brüder tot ist. Welcher von den dreien es ist, was passierte und warum, das wird verschwiegen und bleibt bis kurz vor dem Ende offen. Wie es dazu kommen konnte, davon handelt dieses Buch.
„Wir wussten alle, dass dieses Erlebnis tiefe Narben bei ihm hinterlassen hatte, aber es war eine der kleinen Grausamkeiten unserer Familie, dass wir oft und gern darauf zurückkamen.“ Seite 270
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt und im ersten Teil kommen hintereinander die drei Brüder zu Wort. Dies geschieht nicht chronologisch, die Kapitel springen zwischen den Jahren und Episoden hin und her, aber nie habe ich das Gefühl, verwirrt zu sein. Genial ist hierbei, dass die Art der Erzählung vom jeweiligen Alter des Erzählers abhängt. Wenn also der neunjährige William etwas erzählt, tut er dies kindlicher, als wenn er in die 2000er Jahre springt, wo er bereits erwachsen ist. Die Sprache ist leicht an das Alter angepasst, die Handlungen sind es natürlich komplett. So konnte ich mir gut die jeweilige Gefühlslage vorstellen, was mich den Charakteren näher brachte.
Anfangs hat es gedauert, bis die Geschichte mich gefangen nahm, was damit zusammenhängt, dass die Bezeichnung Kriminalroman mich etwas anderes erwarten ließ. Ich würde hier eher von einem Familienroman sprechen, besser noch einer griechischen Tragödie, die unweigerlich mit dem Tod eines der Hauptakteure endet. Die Art und Weise der Erzählung sowie der Umstand, dass ich nicht wusste, wer gestorben ist, hat mich dazu animiert, immer wieder zu raten, was passiert sein könnte. Letztendlich lag ich falsch, obwohl ich meine Meinung immer wieder revidieren musste.
Beim lesen habe ich eine ganze Palette an Gefühlen durchlebt, die Brüder haben mich fasziniert, angeekelt, berührt und entsetzt. Zuletzt konnte ich das Buch nicht mehr als der Hand legen, fieberte dem Finale entgegen und war dennoch überrascht, wie heftig es mich traf, als und in welcher Form das Ende kam. Ein wunderbares, spannendes und überraschend emotionales Buch, das mich begeistert zurücklässt. Für mich persönlich bereits jetzt ein Jahreshighlight, für diesen Monat ganz sicher meine literarische Sensation. Von mir gibt es zehn Sterne von fünf. Grandios!