»Ihr müsst miteinander reden«, fordert Christine, und Manz weiß: Seine Frau hat recht. Seit Julias Scheidung ist die Stimmung zwischen ihm und seiner jüngsten Tochter eisig. Dabei eifert Julia ihrem Vater beruflich nach: Als Anwältin ist auch sie täglich mit Verbrechen befasst. Um die Wogen zu glätten, erkundigt sich Manz nach Julias Arbeit und stellt fest: Mit ihrer aktuellen Klientin hatte er selbst schon zu tun, in den siebziger Jahren in Berlin. Damals hat diese Sabine Schöffling im Fall eines ermordeten Fünfzehnjährigen eine zweifelhafte Rolle gespielt. Soll Manz seine Tochter warnen? Doch Ratschläge will Julia sicher nicht von ihrem Vater - schon seine Kommentare zur Erziehung von Enkelin Emma sind ihr lästig. Bei Manz selbst setzt die ganze Sache Erinnerungen in Gang: an den Fall, der sich im Umfeld der reformpädagogischen Elisabeth-Rotten-Schule ereignete, an sein damaliges Leben, als Christine gerade mit Julia schwanger war, und an seine eigene Kindheit im Berlin der Nachkriegszeit.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Christian1977
aus Leipzig
5/5
06.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hurra, hurra, die Reformschule brennt
Als Kriminaldirektor a. D. Manz von seiner Tochter erfährt, dass sie als Anwältin gerade eine Mandantin wegen eines vermeintlichen Meineids vertritt, gehen bei ihm die Warnlichter an. Jene Sabine Schöffling erinnert ihn nämlich an einen alten Fall aus dem Jahre 1978, als sich die damals 16-jährige Schülerin als Zeugin in einem Mordfall nicht gerade kooperativ verhielt. Nach und nach kehren seine Gedanken zurück zu diesem Fall, als ein 15-jähriger Junge tot aufgefunden wurde, den niemand zu vermissen schien. Im Fokus seiner damaligen Ermittlungen: die Elisabeth-Rotten-Schule, eine Berliner Reformschule, und deren seltsame Lehrer- und Schülerschaft...
Etwa ein Jahr nach dem erfolgreichen Manz-Debüt "Vor Gericht" legt Matthias Wittekindt beim Kampa Verlag mit "Die Schülerin" nun den zweiten Band der neuen Reihe vor - und landet damit erneut einen Volltreffer. Gewohnt unaufgeregt und in ruhigem Erzähltempo begeistert das Buch nicht nur optisch mit dem knallroten Farbschnitt, sondern auch mit einem kauzig-liebenswerten Ermittler, authentischen Dialogen und spannenden ambivalenten Nebenfiguren.
Die Struktur des Romans gleicht dabei "Vor Gericht" nahezu exakt. Im ersten Teil des Buches, der mit mehr als 300 Seiten um ein Vielfaches länger ist, rekonstruiert Matz die Ermordung des 15-jährigen Riccy, wobei für kurze Momente auch immer wieder die gegenwärtigen Familienverhältnisse des Kriminaldirektors a. D. beleuchtet werden. Der zweite sehr kurze Teil befasst sich mit dem Prozess gegen Sabine Schöffling und lässt die Protagonist:innen nach 41 Jahren wieder aufeinander treffen.
Am gelungensten sind dabei vor allem die Verhöre von Manz und seinem Kollegen Borowski an der Elisabeth-Rotten-Schule. Die "zur Freiheit" erzogenen Schülerinnen und Schüler präsentieren sich zwar als künstlerische Freigeister, doch Manz bemerkt schnell, dass eine schöne Fassade allein "das Böse" nicht wegsperren kann. Durch seine unnachgiebigen Ermittlungen werden letztlich nicht nur verbale Brandsätze gelegt.
Während mich eine Dialoglastigkeit in Romanen sonst eher stört, habe ich die unverstellten und unterhaltsamen Gespräche in "Die Schülerin" sehr geschätzt. Zwischen den Zeilen blitzt immer wieder Manz' Schalk durch, der erheblich dazu beiträgt, dass man diesen Ermittler und die Buchreihe so schnell ins Herz geschlossen hat. Insgesamt strahlt "Die Schülerin" eine etwas hellere Stimmung als der Vorgänger "Vor Gericht" aus - und das, obwohl es sich bei der jugendlichen Leiche um ein wahrlich tragisches Opfer handelt. Zu Höchstform laufen die Ermittler gar auf, als es darum geht, in einem Striplokal eine Sing- und Tanzgruppe namens "Die Sirenen" zu befragen. Eine wirklich herrliche Szene, die mich sehr zum Lachen brachte und nicht nur wegen der Zeuginnen lange im Gedächtnis bleibt.
Wer sich also mit der etwas unglaubwürdigen Ausgangsprämisse abfindet, dass Manz wegen eines von Sabines Mutter vorbeigebrachten Zettels, auf dem "Du bist tot" steht, erstmals seine Ermittlungen an der Elisabeth-Rotten-Schule aufnimmt, wird in der Folge mit einem wunderbaren Kriminalfall belohnt, der ganz nebenbei auch einen Blick auf die Pädagogik der 70er-Jahre und das Berliner Stadtbild erhält. Matthias Wittekindt beweist jedenfalls erneut, dass er neben Friedrich Ani und Jan Costin Wagner zum Triumvirat der deutschen Kriminalliteratur gehört. Da freue ich mich jetzt schon, dass der Kampa Verlag bereits am 13. Oktober dieses Jahres mit "Die rote Jawa" den dritten Manz-Band veröffentlichen wird.
DickeTilla
4/5
26.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Die Schülerin“ ist der…
„Die Schülerin“ ist der zweite Kriminalfall von Matthias Wittekindt, in dem der pensionierte Kriminalkommissar Manz ermittelt. Wie auch in „Vor Gericht“ gibt es wechselnde Gegenwarts- und Vergangenheitsebenen. In Rückblenden taucht Manz in einen alten Fall ein, in dem es um den Mord an einem 15-jährigen Jungen im Zusammenhang mit einer reformpädagogischen Schule geht. Daneben hängt der Inspektor seinen Gedanken an die eigene Familiengeschichte nach. Die Erinnerungen an den zurückliegenden Fall werden im Gespräch mit seiner erwachsenen Tochter Julia ausgelöst. Sie ist mittlerweile Anwältin und ihre aktuelle Klientin Sabine Schöffling nahm bei den einstigen Ermittlungen als junge Schülerin eine fragwürdige Rolle ein. Klassische Krimielemente, wie die Suche nach den Tätern und dem Motiv, sind durchaus gegeben. Spannungstreibende Cliffhänger oder mysteriöse Wendungen der Handlung sucht man allerdings vergebens. Den eigentlichen Reiz des Romanes machte für mich die Darstellung des nahbaren, sympathischen und äußerst glaubwürdigen Protagonist aus, einem ehemaligen Kriminaler mit guter Beobachtungsgabe. Durch die vielen Dialoge zwischen Manz und seinen Mitspielern wird die Handlung überzeugend und authentisch vorangetrieben. Die Erzählhaltung ist insgesamt dicht, unaufgeregt und klar. Wer Krimis mag, in denen auch das Privatleben des Ermittelnden eine Rolle spielt und eine geradlinige, dialogreiche Handlung ganz ohne reißerische Action auskommt, wird viel Freude an diesem Roman finden.
Bewertung
aus Magdeburg
4/5
24.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen Erinnerung und Gegenwart
Manz hat Besuch von seiner jüngsten Tochter Julia und seiner Enkelin. Julia ist nach ihrer Scheidung wieder als Anwältin aktiv und einer ihrer ersten Fälle ist nun die Verteidigung einer Sabine Schöffling. Bei Manz weckt der Name Erinnerungen. Als er noch in Berlin als Kommissar gearbeitet hat, gab es da einen Fall an einer Berliner Schule. Ein Fall bei dem Sabine Schöffling eine Rolle gespielte. Was hatte es mit dem toten Jungen auf sich? Und hat Sabine damals die Wahrheit gesagt?
Das Buch hat einen sehr interessanten Stil, der mir persönlich gut gefallen. Manz Gedanken sind teilweise in einem Stakkato-Stil Satz für Satz dokumentiert. Dabei schwankt er zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Inhaltlich geht es zum Großteil um den alten Fall, der interessant ist, aber kaum Spannung erzeugt. Manz ist dabei ein sehr sympathischer Protagonist, ein durchschnittlicher Typ zwischen Familie und Job, der sich aber in seine Fälle verbeißt.
Auf Grund des Schreibstils hat mir das Buch ingesamt gut gefallen und ich kann es gut weiter empfehlen.
Mirja103
aus Hamburg
2/5
07.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zu wenig Spannung
Dies ist der 2. Band der Reihe um den Kriminaldirektor A.D. Manz. Ich kenne den ersten Band nicht, hatte aber auch nicht den Eindruck, dass es notwendig ist.
Manz ist ein sympathischer Charakter mit Humor. Die Geschichte konnte mich aber nicht fesseln. Die Einblicke in die Reformschule und Manz Gedanken dazu sind interessant, aber mir fehlte eindeutig Spannung. Zu Beginn musste ich mich auch an den Schreibstil gewöhnen. Es hat mich auch etwas irritiert, dass die Geschichte hauptsächlich in der Vergangenheit spielt. Nach dem Klappentext hatte ich erwartet, dass es mehr Verknüpfungen mit der Gegenwart gibt.
Mich konnte das Buch zwar nicht überzeugen, aber ich denke, dass es für viele andere Leser eine interessante Lektüre ist.