Bei Familie Manz gibt es Heiligabend weder Gans noch Karpfen, sondern Milchhähnchen. Und mit dem Duft des Weihnachtsessens kommen die Erinnerungen zurück - an den heissen Sommer 1961, den der sechzehnjährige Manz im mecklenburgischen Klein-Glevitz verbrachte, um bei der Freiwilligen Feuerwehr auszuhelfen. Alles ist wieder da: Onkel Jochen, der ihn auf der Fahrt von Berlin nach Klein-Glevitz in seinem nagelneuen Cabrio über Politik belehrte und mit Kondomen versorgte, die siebzehnjährige Maja auf ihrer roten Jawa, der Brand auf dem Pannwitz'schen Hof, bei dem ein Ehepaar ums Leben kam und der so etwas wie Manz' allererster Fall gewesen ist. Dass am Ende jenes Sommers die Berliner Mauer gebaut wurde, rückt nachträglich alles in ein anderes Licht. Auch jahrzehntelang verdrängte Familienkonflikte kommenin diesen Weihnachtstagen wieder an die Oberfläche, und Manz' Enkel Matti verlangt von seinem Grossvater Erklärungen.
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
J. Kaiser
4/5
08.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Rückblick in das Jahr 1961
An Heiligabend gibt es bei Familie Manz nicht Gans und keinen Karpfen, sondern Milchhähnchen. Dabei kommt die Erinnerung an das Jahr 1961 zurück. Der sechzehnjährige Manz verbrachte den heissen Sommer in Klein-Glevitz bei der Freiwilligen Feuerwehr. Sein Onkel belehrte ihn auf der Fahrt dorthin über die Politik und gab ihm Kondome mit. Der Brand auf dem Pannwitz'schen Hof bei dem ein Ehepaar ums Leben kam. In diesem Jahr wurde auch die Mauer gebaut und das Geschehen wird in ein anderes Licht gerückt. Ein lang unter Verschluss gehaltener Familienkonflikt entbrannt neu. Manz Enkel verlangt nun Erklärungen. Es geht in dieser Geschichte um den pensionierten Ermittler Manz. Er schaut auf ein Geschehen zurück, das ihn bewog zur Polizei zu gehen. Für ihn gab es damals einige Uneindeutigkeiten. Er weiss, dass er zwei Verdächtigen helfen muss, ihre Unschuld zu beweisen. Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen die Protagonisten und die Handlungen sind gut beschrieben. Empfehlenswertes Buch.
SimoneF
3/5
04.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mehr Stimmungsbild der DDR 1961 als Krimi
"Die rote Jawa" von Matthias Wittekind ist der dritte Fall von Kriminaldirektor a.D. Manz, blickt jedoch auf die Jugend von Manz im Jahr 1961 zurück und schildert gewissermaßen den Anfang seiner kriminalistischen Laufbahn. Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. Die Rahmenhandlung spielt an Heiligabend 2019, die zweite Ebene im Sommer 1961 in Mecklenburg. Manz, damals 16 Jahre alt, verbringt im Juli 1961 einige Wochen in einem Dorf bei Waren an der Müritz als Praktikant bei der Feuerwehr. Ein Einsatz mit zwei Toten lässt ihn nicht mehr los, die Ermittlungsmethoden des Inspektors befremden ihn und er stellt eigene Überlegungen an.
Wittekinds Buch ist kein klassischer Kriminalroman, bei dem die Lösung des Falles im Vordergrund steht, und wer einen spannenden Krimi sucht, wird hier nicht fündig werden. Viel eher erfasst Wittekind fein beobachtet und mit leisen Zwischentönen die Stimmung in der DDR im ländlichen Raum kurz vor dem Mauerbau, das Wesen der Bewohner und die Auswirkungen des sozialistischen Umbruchs durch Enteignungen und die Kollektivierung der Landwirtschaft. Auch die Schilderungen der Landschaft und Manz Gefühlslage nehmen viel Raum ein.
Für mich war es das erste Buch der Manz-Reihe, und es ist sehr gut ohne Vorkenntnisse lesbar. Der markante Schreibstil war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, und es dauerte etwas, bis ich mich eingelesen hatte und mit dem Protagonisten warm wurde. Insbesondere in der Rahmenhandlung hat die Geschichte auch ihre Längen. Insgesamt ein interessanter, ungewöhnlicher Kriminalroman, der mich aber nicht vollständig begeistern konnte.