Über die Zwänge der Moral und die rettende Kraft der Worte
Philippe ist 17 Jahre alt und ein Aussenseiter. Als hochbegabter Sohn des Schuldirektors, der wenig Kontakt zu den Mitschülern hat, lebt er in einem französischen Provinznest. Er fühlt sich von seinem Klassenkameraden Thomas, einem geheimnisvollen und charismatischen Winzersohn, angezogen und ist ganz verblüfft, als dieser sein Interesse erwidert. Thomas wird seine erste und grosse Liebe. Eine Liebe, die nur im Verborgenen gelebt werden darf und die für Thomas tragisch endet, weil er, geprägt durch die ländlichen Konventionen, seine sexuelle Identität sein Leben lang verleugnen wird. Ein authentischer und tief berührender Roman über Liebe und Identitätsfindung.
»Besson gelingt es, sehr genau, empathisch und ohne jede Peinlichkeit die Gefühle zweier fast Erwachsener zu beschreiben. Der Roman ist eine Hommage an das Schreiben und das Erzählen, die im besten Falle Leben retten können.« Dina Netz, Deutschlandfunk»
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Domenik
aus Basel
5/5
31.08.2024
Buch (Taschenbuch)
Ein tragisches und fesselndes Buch
Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt, so dass ich es nicht mehr weglegen konnte, bis ich am Ende angelangt war. Es erzählt die Geschichte von Philippe und dessen erster grosser Liebe Thomas, und was passiert, wenn einer der beiden aufgrund gesellschaftlicher Normen nicht zu dieser Liebe stehen kann. Es passiert mir nicht oft, dass ich am Ende Tränen in den Augen habe, aber dieses Buch hat es geschafft. Unbedingt lesenswert!
PurpleHero
aus Bayern
4/5
24.02.2024
Buch (Taschenbuch)
Zwischen Liebe und Verleugnung
"Hör auf zu lügen" von Philippe Besson, zuletzt erschienen im Penguin Verlag, ist eine ergreifende Geschichte über Liebe, Identität und die Herausforderungen des Lebens. Der Roman ist in drei lange Kapitel unterteilt, was anfangs eine Umstellung erfordert, aber letztendlich dazu beiträgt, die Handlung intensiver zu erleben.
Die Geschichte folgt Philippe, einem hochbegabten Außenseiter in einem französischen Provinznest, der aufgrund seiner Homosexualität täglich mit Beleidigungen und Vorurteilen konfrontiert wird. Als der geheimnisvolle Thomas sein Interesse erwidert, beginnt eine geheime Liebe, die sechs Monate lang anhält.
Die Authentizität der Beziehung zwischen Philippe und Thomas wird durch Bessons einfühlsamen Schreibstil hervorgehoben. Die tragische Entwicklung von Thomas, der seine sexuelle Identität aufgrund gesellschaftlicher Konventionen verleugnet, wirft einen Schatten auf die Liebe der beiden.
Doch das Buch geht über die Anfänge der Liebe hinaus und beleuchtet die weiteren Lebenswege von Philippe und Thomas. Die Lesenden begleiten sie durch ihre individuellen Entwicklungen und gipfelt schließlich mit der Begegnung von Philippe und Thomas' Sohn.
"Hör auf zu lügen" ist ein bewegendes Werk, das nicht nur die Schwierigkeiten der ersten Liebe, sondern auch die langfristigen Auswirkungen gesellschaftlicher Erwartungen thematisiert. Philippe Besson schafft es, die Lesenden mit seiner tiefgründigen Erzählung zu berühren und zum Nachdenken anzuregen.
Bewertung
5/5
03.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ergreifend
War ich zu Beginn des Buches nur nachdenklich, so war ich am Ende erschüttert. So wie in dieser Autographie geschildert, darf unsere Gesellschaft nicht mit den Gefühlen anderer Menschen umgehen, schon gar nicht den junger Leute. So überaus lesenswert dieses auch Buch ist, so könnte ich es kein zweites Mal lesen. Als Lektüre empfehlen kann ich als aber sehr.
Bewertung
5/5
01.05.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich liebe dieses Buch!
Nicht jedem geht es so, aber ich liebe es, wenn Bücher mich so mitnehmen, dass ich weinen muss. Ein gutes Buch muss für mich Emotionen transportieren und das ist wenigen Romanen so gelungen wie diesem.
Ich will gar nicht zu viel sagen, lest selbst und lasst euch fallen in diese tragisch-schöne Geschichte.
Bewertung
aus Chemnitz
5/5
08.02.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Verarbeitung der Vergangenheit und ein Eingeständnis
Der junge Franzose Philippe ist Klassenbester in der Abschlussklasse des Gymnasiums in Barbezieux und ein Außenseiter. Er fühlt sich zu einem Jungen der Parallelklasse, Thomas, hingezogen, der, wider seines Erwartens, sein Interesse erwidert. Die nächsten sechs Monate führen die beiden eine geheime Beziehung, bis zu dem letzten Sommer, nach dem Abitur. In dem Sommer geht Thomas fort und lässt Philippe allein, der später diese Zeit in einem biografischen Roman verarbeitet.
Der Roman ist, wie oben schon genannt, ein biografischer Roman und in drei große Teile, drei Kapitel geteilt. Der Ich-Erzähler schildert direkt aus seinen Gedanken heraus seine eigene Vergangenheit so, wie er sie erlebt und empfunden hat.
Besonders dabei ist, dass er nie die direkte Rede verwendet, immer benutzt er den Konjunktiv und das mit einer beeindruckenden Konsequenz. Dabei schwenkt er teilweise hin und her zwischen dem Konjunktiv, durch die er seinen Gegenüber sprechen lässt, oder der Wiedergabe des Gesagten aus seiner Erinnerung, indem er in der dritten Person von den sprechenden Figuren und den Personen aus der Erzählung dieser spricht.
Zu Anfang dauert es ein paar Seiten, bis man als Leser in den richtigen Lesefluss kommt, da die Sätze teilweise lang und sprachlich ausgefeilt sind. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig, jedoch nicht im negativen Sinne, sind die Abschnitte, die in einem Fort den Leser mit den Gedanken von Philippe Besson „beschießen“, so, wie sie ihm wohl gerade durch den Kopf gehen. Manch einer mag kurz dabei stutzen, da diese Art und Weise für eine erzählte Handlung eines Romans eher unpassend wirkt. Führt man sich jedoch vor Augen, dass es sich um ein autobiografisches Werk handelt, in dem der Autor seine Eindrücke aus jener Zeit schildert, wirkt die Erzählung damit sehr authentisch und real.
Trotz anspruchsvoller literarischer Verarbeitung des eigenen Lebens liest sich das Werk, unterstützt durch die überschaubare Seitenanzahl von knapp über 150, sehr flüssig. In keinem Fall wirkt es langatmig oder langweilend.
Neben der angenehmen Kurzweiligkeit ist die Erfahrenheit des Autors durch verwendete Bilder und Metaphern für Gefühle zu erkennen. Er spricht von Sehnsucht, von Verlangen wie Feuer, das ihn verbrennt, von zersetzendem Warten, welches lähmt. Auch scheut er nicht vor direkten Ausdrücken, die die Intimität zwischen den beiden Liebenden verdeutlicht
Zwischen den drei Kapiteln des Buchs gibt es jeweils einen Zeitsprung, der zwischen erstem und zweitem Teil erheblicher ist als von zwei zu drei.
Kapitel eins erzählt von der Vergangenheit von Philippe Besson, seiner Jugend und Zeit mit seiner ersten Liebe Thomas. Trotz der Vergangenheit erzählt Besson hier im Präsens und ist sehr detailgetreu. Er holt den Leser ab und führt ihn durch die eigene Vergangenheit.
Das zweite Kapitel handelt von dem Treffen mit einem jungen Mann, als Besson selbst ein erwachsener Mann und erfolgreicher Autor ist. Es handelt sich um den Sohn seiner Liebe Thomas, den er sofort als solchen erkennt und mit ihm ein Gespräch über seinen Vater und dessen Lebensentwicklung nach der abrupten Trennung führt.
Kapitel drei beschreibt ein weiteres Treffen mit dem Sohn von Thomas, der ihn darum gebeten hatte um ihm vom Ende des Lebens von Thomas zu berichten. Bei diesem Treffen wird die Homosexualität direkt angesprochen und was diese anrichten kann mit dem Leben eines Mannes, der sich nicht dazu bekennen will.
Besson hält sich dabei nur an einen Handlungsfaden, an die Geschichte von ihm und Thomas. Alles andere wird ausgeblendet, wenn es nicht keine Verbindung zu dem gerade Geschehenen hat.
Ab und zu werden Rückblicke, Erinnerungen von Philippe eingeworfen. Diese erzeugen beim Leser ein noch stärkeres Gefühl von Authentie, da sich niemand gegen die eigenen Gedanke wehren kann und wir ständig mit Erinnerungen, die durch Situationen hervorgerufen werden, konfrontiert werden.
Besson beschränkt sich auf die Personen, die für die Geschichte um ihn und seiner Jugendliebe relevant sind. Wirklich handelnd sind dabei nur er und Thomas im ersten Kapitel, im zweiten noch eine Journalistin und der Sohn Thomas`, Lucas, und im dritten nur er und Lucas. Mehr Personen würden von dem eigentlichen Kern, der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, ablenken.
Das Werk ist in meinen Augen eine Art Verarbeitung der eigenen Vergangenheit. In dem letzten Gespräch mit Lucas zu erkennen hat Philippe Besson wohl nie wirklich mit dem Erlebnis in seiner Jugend abgeschlossen und es wirkt, als wäre vom ihm mit dem Schreiben dieses biografischen Werk eine Last abgefallen.
Der Titel macht zu Anfang möglicherweise etwas falsche Erwartungen beim Leser, da man, durch Klappentextes verstärkt, eine direkte Auseinandersetzung zwischen den beiden Liebenden erwartet, die darüber diskutieren, wie sie nun mit ihrer Beziehung und der Identifizierung damit umgehen sollten.
So ist man etwas stutzig, als Kapitel eins mit der plötzlichen Trennung der Jungen endet und Kapitel zwei von einem späteren Zeitpunkt im Leben Bessons erzählt.
Für mich entsteht der richtige Bezug zum Titel im Kapitel drei, in dem Thomas' Sohn Lucas Philippe Besson vor Augen führt, er gesteht sich nicht ein, dass seine Romane in irgendeiner Form von ihm, Thomas oder der vergangenen Beziehung der beiden handelt. Der Autor streitet dies zunächst ab, sagt aber dann selbst, dass leugnen nichts bringt (S. 148-151). Somit ist dieser Roman der erste ehrliche autobiografische Roman, in dem Besson zu seiner Vergangenheit steht und diese direkt verarbeitet.
„Hör auf zu lügen“ könnte die Aussage Bessons an sich selbst sein, der sich ermahnt, nun endlich ehrlich damit umzugehen.
Das Werk zeugt von einer Erfahrenheit des Autors. Es spricht von Identitätsfindung, von Gefühlen und von Ehrlichkeit, sich den eigenen zu stellen.
Das Buch ist auf jeden Fall lesenswert, aufgrund der überschaubaren Länge auch für Leser, die normalerweise andere Genres lesen.
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4/5
08.06.2023
eBook (ePUB)
Aufarbeitung der ersten Liebe
Philippe Besson erzählt die autobiografische Geschichte seiner Jugend. 1984 in der französischen Provinz Barbezieux treffen Philippe und Thomas aufeinander. Der Funken springt sofort über und die beiden beginnen eine geheime Beziehung auf Wunsch von Thomas. Schon von Anfang an wissen wir und die beiden jungen Erwachsenen, dass die Beziehung nicht von Dauer sein wird. "Hör auf zu lügen" ist sowohl eine Hommage an die erste Liebe als auch die Aufforderung sich seinem wahren Ich zu stellen.