Wie weit gehen Menschen, um in der heutigen Zeit “berühmt” zu werden. Hector Fober ist ein sog. “Opfer seiner Zeit”, aber zweifellos auch ein psychisch labiler Narzisst, der seine eigenen Probleme nicht lösen kann und sich darum entscheidet, sämtliche Moral über Bord zu werfen. Er entscheidet sich, Mörder zu werden: Blogger. Mord-Blogger. Er tötet Leute und filmt seine Taten, um sie ins Internet zu stellen.STROM will nicht die fiktive, gewaltverherrlichende Odysse eines Psychopathen aufzeigen, sondern eher eine Dystopie dessen, worin wir uns tatsächlich befinden: eine Zeit in der Likes und Klicks nahezu mehr Bedeutung haben als eine Umarmung. STROM ist damit viel mehr als ein reisserischer Thriller auf den Spuren eines mordenden Soziopathen, nämlich ein Roman, der mit sehr kritischen Augen unsere moderne Gesellschaft betrachtet. Dabei geht es um Abgebrühtheit, unerfüllte Liebe und soziale Unsichtbarkeit, die nicht ausgehalten werden kann. Darum, dass ein Mensch sprichwörtlich über Leichen geht, um seinem eigenen Leben einen “Sinn” zu geben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
13.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Morden dazu führt, endlich jemand Besonderes zu sein
Hector ist 28 Jahre alt und hat in seinem Leben bisher nichts erlebt, was erwähnenswert wäre. Genau deshalb wird er, davon ist er überzeugt, von seiner Umwelt irgendwie so gar nicht wahrgenommen. Und das muss sich ändern. In der heutigen Zeit ist es das Internet, das Berühmtheit schafft und so beschließt er, Influencer zu werden. Und was er verkauft, muss sich abheben von all den Anderen, die ihr Glück so versuchen. Sein Beruf in einem Elektrogeschäft macht es nicht her, aber trotzdem setzt ihn die Idee, deren Umsetzung ihn zu etwas Einzigartigem machen soll, unter STROM. Er wird Menschen töten, dieses filmen und es dann auf seinem neugegründeten Blog online stellen. Wenn da die Follower nicht anbeissen, wenn da nicht die Klicks durch die Decke gehen, dann stimmt etwas nicht mit der erlebnisgeilen Gesellschaft, deren Grenzen sich durch die mögliche Anonymität in der digitalen Welt immer weiter verflüchtigen. Hector setzt sein Vorhaben in die Realität um, akribisch in der Planung und der Ausführung. Und das Ergebnis, der Mord-Blogger wird zum neuen Hit. Doch um die morbide Gesellschaft bei der Stange zu halten, gilt, mehr, immer mehr, immer brutaler und blutrünnstiger.Denn sonst verliert doch, ganz klar, die kranke Community das Interesse und wendet sich Neuem zu. Denn es gibt viele Hectors, viele Nichtgesehene, die sich von ihrem Leben angeödet fühlen und nach Auswegen suchen.
Ein tolles Buch, spannend, prickelnd in jeder Minute und so real und aktuell, wie ich schon lange nichts mehr gelesen habe. Genauso habe ich diese Geschichte wahrgenommen und doch. Noch während man diese positiven Worte formuliert, ist da ein Beigeschmack, der in in einem die Frage aufwirft, wie nah ist man dran, mit seinem Leserermpfinden an der Community, die Hector hier über einen so langen Zeitraum erst möglich macht.
Aber auch dann. Es ist immer noch ein tolles Buch, Leseunterhaltung, die richtig gut funkioniert. Und die eigene Selbstreflexion ist selbstverständlich mit im Paket.
rewareni
aus wien
5/5
08.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unsichtbar
Mit seinen 28 Jahren fühlt sich Hector Fober nicht wirklich glücklich, weder privat, noch in seinem Job in einem Elektrogeschäft. Er fühlt, dass er nicht die Aufmerksamkeit in seinem Leben erhält, die er sich eigentlich wünscht. Deshalb muss er etwas tun, was bisher noch keiner getan hat. Die Idee eines Mord -Blogger ist schnell geboren und plötzlich ist Hector in seinem Element, wenn er Menschen tötet, seine Taten dabei filmt um sie anschließend ins Internet zu stellen. Nun ist er ,,Jemand“ und sein Wunsch nach Aufmerksamkeit wird dabei immer größer.
Der Roman ,,Strom“ zeigt ein erschütterndes Bild eines Menschen, der in seinem Leben etwas vermisst und dabei den falschen Weg einschlägt.
Die Autorin Laura Wohnlich beschreibt in ihrem Roman sehr intensiv wie verzweifelt Hector nach Anerkennung und Aufmerksamkeit durch andere sucht und dabei immer tiefer in seinen Wahn hinein gerät andere Menschen töten zu müssen um ,,gesehen“ zu werden.
Dabei werden oft recht anschaulich die Gewalttaten beschrieben, sodass auch eine Triggerwarnung zu Beginn des Romans zu finden ist.
Hector wird dabei gut dargestellt, der immer mehr den realen Bezug zum Leben verliert und ,,süchtig“ durch die Anteilnahme im Internet durch seine ,,Fans“ wird.
Die Geschichte ist berührend, tragisch und auch traurig, wenn man weiß, dass es leider in unserer Gesellschaft oft nur darum geht viele Likes im Internet zu bekommen, damit man ein besseres Selbstwertgefühl bekommt.
So wird auch Hector beschrieben, der sich nach Liebe und Freundschaft sehnt, aber nicht weiß, wie er diese bekommt. Fast hat man bei ihm das Gefühl, dass er es als richtig empfindet andere zu töten, damit er nicht mehr ,,unsichtbar“ sein muss. Seine verzweifelten Versuche anderen zu imponieren sind dabei tragisch.
Der Roman bleibt bis zum Schluss spannend und regt zum Nachdenken an welchen Schaden das Internet bei sensiblen und psychisch instabilen Menschen anrichten kann.
Fanny
5/5
30.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch mit Sogwirkung
Hector Fober ist 28 Jahre alt, arbeitet in einem Elektrogeschäft und ist alleinstehend. Er sagt selbst von sich, dass er ein Durschnittsmensch ist und nicht auffällt. Und das fängt ihn an gewaltig zu stören. Also beschließt er ein berühmter Influencer zu werden. Aber nicht irgendeiner: Hector will der gefährlichste Influencer werden. Er wird der Mord-Blogger.
"Strom" hat mich nicht losgelassen. Wenn ich das Buch nicht gelesen haben, dann schwirrten meine Gedanken dennoch um Hector. Ich habe selten so eine authentische und ergreifende Figur verfolgen dürfen. Er ging mir unter die Haut. Ich hatte Mitleid mit ihm und gleichzeitig fand ich ihn erschreckend. Die Reise, die die Leserschaft mit Hector unternimmt, ist grausam, gewalttätig, verstörend, dramatisch und traurig zugleich. Dabei bleibt Laura Wohnlich's Schreibstil immer ruhig. Sie schafft es Spannung ohne eine dramatische Erzählweise zu generieren. Das ist absolute Klasse! Daher ist ihr Buch auch mein Jahreshighlicht.
Hector Fober's Geschichte wird mich gedanklich noch eine Weile begleiten, denn seine Geschichte ist die von vielen nicht gesehenen Seelen.
Bewertung
4/5
31.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Erschreckend
Dieses Buch ist Recht außergewöhnlich was die Geschichte betrifft aber nicht unmöglich, leider.
Die Geschichte eines Menschen der sich nicht beachtet fühlt und gerne als etwas besonderes alles Übertreffen will. Nach reichlicher Überlegung kommt er auf die Idee zu Morden, die Tat zu filmen und sie dann ins Netz zu stellen um berühmt zu werden.
Das Buch ist Recht gut geschrieben, manchmal finde ich die Geschichte aber arg abgehoben und das Verhalten des Protagonisten völlig irrational.
Deshalb nur 4 Sterne ansonsten ist es gut zu lesen und Recht spannend. Ich hoffe nur das keiner auf die Idee kommt es nach zu machen!!!