Bosch hängt der Lincoln Lawyer Reihe wie ein Mühlstein um den Hals
Ich bin mega Fan der frühen Bosch-Romane und glühender Anhänger von Mickey Haller. Bedauerlicherweise haben die letzten Bosch-Romane an Qualität verloren – Connelly ist der zündende Funke bei Hieronymus verloren gegangen. Bosch wurde zur Cash-Cow, die trotz Krebserkrankung nicht abdanken darf. Wie „Resurrection Walk“ zeigt.
Bosch wird darin wie ein Zombie am Leben erhalten und infiziert einen Mickey-Haller-Gerichtskrimi mit mangelnder literarischer Existenzberechtigung. Schade! Denn bislang waren die Lincoln Lawyer Bücher toll – vor allem, weil Mickey als Ich-Erzähler enorme Präsenz hat. Man merkt der Figur den Enthusiasmus an, den Connelly für sie empfindet! Doch in „Resurrection Walk“ ist nun Bosch in Mickeys Geschichte hineingeflochten: ein Kapitel Harry Bosch/personales Erzählen, ein Kapitel Mickey Haller/Ich-Erzähler. Diese Brüche sind erzählerisch unschön und unterbrechen den Lesefluss - und lassen den direkten Vergleich zwischen den beiden Protagonisten/Erzählweisen zu, was keinem der beiden Protagonisten gut tut.
Die Handlung könnte spannend sein, aber wie sie erzählt wird, nimmt beiden Figuren (Bosch und Haller) das jeweils Besondere. Bosch übernimmt Ciscos Part (Ermittler) und langweilt über weite Strecken hinweg als Korinthenkacker. Haller darf sich als Figur überhaupt nicht entwickeln und wird kaum dreidimensional, weil er nur die Hälfte des Romans für sich hat und dort vor allem oberflächliche Handlung abarbeiten muss. Liebgewonnene Nebenfiguren (Lorna, Cisco, Jennifer) kommen nur am Rande vor und nehmen keine Dimension an. Maggie McFierce hat zwar einen spektakulären Kurzauftritt, aber das war´s auch schon.
Einfach nur schade. Bosch ist kein Gewinn für die Lincoln Lawyer Reihe, sondern erstickt ihr Potenzial. Kann der Autor Bosch nicht einfach würdig abtreten lassen? Und dafür Mickey Haller in früherem Glanz erstrahlen lassen?