Über die Grenzen menschlicher Erkenntnis – ein irrwitziger Roman von Thomas LehrManfred ist ein höchst durchschnittliches Exemplar der Gattung Homo sapiens. Anfang 30, blass und schmerbäuchig lebt er einsam im Homeoffice. Und dennoch löst er intergalaktischen Alarm aus. Wieso sollte gerade er – wie vor ihm Descartes oder Einstein – die Fähigkeit haben, die Existenz der Ausserirdischen zu entlarven? Der Ausserirdische Zorrgh ergreift Besitz von Manfreds Bewusstsein, um den Grund herauszufinden. Er boostert Manfred und schon bald nimmt dieser Kontakt zu seiner – nicht ganz so harmlosen – Jugendliebe Sabine auf. Bis hin zu einem furiosen Finale ahnt Zorrgh nicht, wie nah ihn die beiden an seine eigenen Grenzen bringen werden. Der irrwitzigste Roman, den Thomas Lehr je geschrieben hat.
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
Bewertung
5/5
12.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Außerirdische reiten durch unseren Geist
Thomas Lehr gehört wohl zu den interessantesten und schwierigsten modernen Autor*Innen Deutschlands. In seinen bereits erschienen Werken, wie „Frühling“, „September“ oder „Schlafende Sonne“, manipuliert Lehr den Lesefluss gekonnt durch beispielsweise die Missachtung von Syntax und Morphologie oder auch einfach das Fehlen von Satzzeichen und Absätzen. In „Manfred – Bekenntnisse eines Ausserirdischen“ haben wir als Erzähler ein lyrisches-Wir, dieses spiegelt die Außerirdischen wider, die den Protagonisten des Werkes, den blassen und erfolglosen Manfred, nicht nur beobachten, sondern auch Besitz von seinem Bewusstsein ergreifen. Doch warum eigentlich? Manfred hat auf irrwitzige Art und Weise den intergalaktischen Alarm ausgelöst, dies passiert, wenn Menschen die Fähigkeit dazu haben, die Existenz der Außerirdischen aufzudecken, die die Erde beobachten. Menschen, die bereits vorher den Alarm ausgelöst haben, waren beispielsweise der Philosoph René Descartes oder der Maler Hieronymus Bosch. Um so absurder erscheint es, dass eine gescheiterte Persönlichkeit wie Manfred dazu in der Lage sein soll. Eine spannende und witzige Unterwanderung eines „höchst durchschnittlichen Exemplars der Gattung Homo Sapiens" (wie es der Paratext nennt) beginnt! „Manfred“ ist mit Sicherheit das witzigste Buch von Lehr bis jetzt, da alle anderen Bücher bisher auch sehr ernst waren. Er spart nicht damit, die Menschheit aus den Augen der Außerirdischen zu belächeln, so wird beispielsweise die Erfindung des Internets sehr gelobt, „auch wenn sie davon am liebsten unsinnigen, obszönen oder Grauen erregenden Gebrauch machen“. Alles in allem ist Lehr jedoch wieder ein sehr lesenswertes und vielschichtiges Buch gelungen, auch wenn sich sehr von seinen vorherigen Werken unterscheidet.
Bewertung
2/5
05.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Klappentext erzeugte Erwartungen, welche nicht erfüllt worden sind.
Dieses Buch ist ein Beispiel dafür, dass die Klappentexte ein grandioses Marketingwerkzeug sind, das den Leser nicht selten auf die falsche Fährte lockt. Hätte ich vor dem Kauf des Romans geahnt, was mich erwartet, hätte ich diesen im Laden liegen gelassen.
Thomas Lehr ist ein erfahrener Autor, der sein Handwerk eigentlich beherrscht. Nicht umsonst wurde er für seine Arbeiten bereits ausgezeichnet. Es gäbe Anlass genug, die sprachlichen Qualitäten des Autors über den grünen Klee zu loben, und ebenso taugt sein Schreibstil zum gnadenlosen Verriss. Dieser Zwiespalt spiegelt sich im Plot, den Charakteren und dem vermeintlichen Ansinnen des Autors wider. Kurz gesagt: Die Geschichte ist langatmig, die Protagonisten sind farblos bzw. unsympathisch, die Erzählweise gewöhnungsbedürftig und insgesamt weit weg von kurzweiliger und fesselnder Literatur.
Fazit: Zwar mag der Roman stilistisch anspruchsvoll sein, das allein macht ein gutes Buch allerdings nicht aus.