Kemi, Brittany-Rae und Muna: drei Schwarze Frauen, drei Geschichten, drei unterschiedliche Lebensrealitäten. Ihre Ausgangssituationen können kaum unterschiedlicher sein. Trotzdem beginnen sich ihre Leben auf unerwartete Weise zu überschneiden – in Stockholm, einer als liberal geltenden Stadt. »In allen Spiegeln ist sie Schwarz« erzählt die grossen Themen Migration, Rassismus, Sexismus und Identität mit Leichtigkeit.Marketing- und Diversitätsexpertin Kemi wird von dem CEO der grössten Marketing-Firma des Landes aus den USA nach Schweden gelockt, um ein PR-Fiasko im Zusammenhang mit einer rassistischen Werbekampagne zu beheben. Doch kann sie wirklich etwas bewegen, oder ist sie nur das neue Aushängeschild?Ein zufälliges Treffen mit Jonny von Lundin in der Businessclass katapultiert die Flugbegleiterin Brittany-Rae Johnson in ein Leben voller Reichtum, Luxus und Privilegien – ein Leben, von dem sie nicht sicher ist, ob sie es will – ein Leben, als Objetkt seiner ungesunden Bessesenheit.Muna, eine Geflüchtete aus Somalia, will in Stockholm endlich Fuss fassen und sich zugehörig fühlen, doch das fällt ihr wegen der traumatischen Erlebnisse auf der Flucht und ihrer Zeit in einem Aufnahmezentrum für Geflüchtete in Schweden schwer. Ein Lichtblick sind ihre neuen Mitbewohnerinnen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Sabrina Tschorn - Aus Liebe zum Lesen Literaturblog
4/5
02.02.2025
Buch (Taschenbuch)
Interessante Perspektiven
Der wunderbare Orlanda-Verlag gibt immer wieder den unterschiedlichsten Frauen dieser Welt eine Stimme. So auch dem Allround-Talent Lolá Ákínmádé Åkerström. Die in Schweden lebende Autorin, Fotografin und Reisebloggerin wurde in Lagos geboren und wuchs in den USA auf.
Diese Erfahrungen lässt sie in ihrem neuen Roman „In allen Spiegeln ist sie schwarz“ einfließen, der sich um drei schwarze Frauen dreht. Muna versucht nach ihrer Flucht aus Somalia in Schweden Fuß zu fassen, Kemi ist preisgekrönte Marketingexpertin in den USA und erhält ein unschlagbares Angebot des schwedischen Unternehmers Jonny und ebendieser lernt auf seinem Flug das ehemalige Model und heutige Flugbegleiterin Brittany-Rae kennen und verliebt sich augenblicklich in diese.
So unterschiedlich die Leben der drei Frauen auch sind, kreuzen sich ihre Wege im Verlauf des Romans immer häufiger. Und auch die Probleme nehmen nicht ab. Jede einzelne kämpft ihren Kampf mit Selbstzweifeln, Patriarchat, Rassismus, Einsamkeit usw. Die Autorin hat einen eingängigen Schreibstil und auch die Übersetzung Yasemin Dinçer ist geglückt. Gepaart mit der vielschichtigen, unvorhersehbaren Story ergibt sich eine interessante Lektüre.
ins_lebenlesen
aus Schleswig-Holstein
4/5
29.09.2023
Buch (Taschenbuch)
„Tief in ihrem Herzen wusste…
„Tief in ihrem Herzen wusste Muna, dass Schweden ihr niemals vergeben würde, dass sie hergekommen war.“ (S.93) Kemi, Brittany und Muna sind drei Frauen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nach Stockholm kommen. Eine der Karriere, die andere der Liebe wegen und die Dritte als Flüchtende über die Mittelmeerroute aus Somalia. Alle Drei sind Schwarz und tragen tiefe Traumata in sich, sei es durch schreckliche Fluchterlebnisse, männliche sexualisierte Gewalt oder eine schwierige Jugend. Und doch könnten sie was Typ, Sprache, soziale Hintergründe, kulturelle Werte, Auftreten, Selbstbewusstsein und Lebensthemen angeht, unterschiedlicher nicht sein. Ihre Schicksale treffen sich in einem Berührungspunkt: Jonny – Weiß, Schwede, Unternehmer, reich, in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen. Auch er knüpft an das Anderssein an, denn er weist Merkmale einer autistischen Persönlichkeit auf. Eine spannende Konstellation, die sich aus den abwechselnden Perspektiven der drei Frauen fesselnd entwickelt. Die Geschichte spielt im liberalen Schweden, einer Gesellschaft, die bereits „auf Gleichgewicht und Gleichheit aus ist, in der niemand das Gefühl haben soll, anders zu sein“. (Nachwort) Der Roman macht klar, wieviel komplizierter die Realität ist. "Bei Diversität und Inklusion geht es auch darum Stereotype aufzubrechen. […] Und nicht nur darum, Schwarze und braune Gesichter in der Werbung zu zeigen.“ (S.228) Lọlá Ákínmádé Åkerström hat hier ein größtmögliches DIVERSES Universum geschaffen. Die drei Frauen lassen zwar sehr lebendig werden, was es heißt, gleichzeitig wegen der Hautfarbe, des Geschlechts möglicherweise als Trägerin eines Kopftuchs zusätzlich wegen der Religion diskriminiert zu werden. Doch in der Rahmenhandlung wird auch deutlich, was es grundsätzlich heißt, anders zu sein, mit Ausgrenzung oder Ignoranz wegen körperlicher, sozialer, gesundheitlicher, gesellschaftlicher oder beruflicher Merkmale leben zu müssen.
Sarah
aus Chemnitz
4/5
19.09.2023
Buch (Taschenbuch)
Auf in neue Leben?
Drei Schwarze Frauen unterschiedlicher Herkunft. Drei Lebensgeschichten, die sich in Schweden kreuzen. Drei Schicksale, die von Rassismus, Priviliegien und dem Leben als Frau erzählen.
Muna flüchtet aus Somalia und erhofft sich ein neues, sicheres Leben, muss aber schnell einsehen, dass es sehr viel schwerer ist in einem fremden Land Fuß zu fassen, als gedacht.
Brittany fühlt sich toll, als sie von Jonny angesprochen wird. Schnell will er, dass sie ihr Leben in den USA aufgibt und zu ihm nach Schweden zieht. Anfangs im siebten Himmel und mit dem Gefühl es endlich geschafft zu haben, fühlt sie sich mehr und mehr wie in einem goldenen Käfig und muss heraus finden, dass die Liebe ihres Mannes auf einem Fetisch beruht.
Kemi ist erfolgreich im Marketing, wird zwei mal hintereinander zur Marketingexpertin des Jahres gewählt und wird von Lundin Marketing abgeworben. Mit gemischten Gefühlen nimmt sie den Job an, hofft dort etwas zu bewegen, findet sich aber in der Position wieder, in der sie nur dafür da ist Diversität in der Firma zu repräsentieren und Fehler auszubügeln.
Sie alle sind nach Schweden gekommen, um ihrem alten Leben zu entfliehen, etwas zu erreichen, neu anzufangen und müssen doch am Ende feststellen, dass dies gar nicht so einfach ist.
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Die Autorin hat einen wunderbar fesselnden Schreibstil und erzählt die Geschichte jeweils abwechselnd aus den Perspektiven der Protagonistinnen.
Man bekommt einen sehr tiefen Einblick in ihre Leben, in ihr Denken und auch in die schwedische Gesellschaft. Letztere wird sehr zurückhaltend gegenüber Fremden und ein bisschen überheblich dargestellt. Ob dies wirklich so ist, kann ich schwer beurteilen, da ich das Land noch nicht bereist habe, gehe aber davon aus das Lolá Ákínmmádé Åkerström, die selbst in Schweden lebt, hier auch eigene Erfahrungen und Beobachtungen einfließen lässt und sich daher nah an der Realität bewegt.
Rassismus, Sexismus, Misogynie und Klassengesellschaft sind vordergründige Themen, aber auch die Flüchtlingspolitik wird kritisch betrachtet.
Am Beispiel der drei Frauen sieht man gut, wie unterschiedlich die Gesellschaft auf verschiedene angeborene oder erarbeitete Privilegien reagiert und sollte man es nicht ohnehin schon tun, wird man sich spätestens beim Lesen der Lektüre mit den eigenen auseinander setzen. Es wird mal wieder mehr als klar wie patriarchalisch unsere Welt noch immer ist, wie viel noch verändert werden muss, auch im Denken und Handeln der Frauen selbst.
Ein weiterer interessanter Aspekt war das Einflechten einer Autismus-Spektrum-Störung am Beispiel von Jonny. Durch die natürliche Erzählweise wird entabuisiert, allerdings fand ich, dass hier eine sehr starke Ausprägung ausdefiniert wurde, was mir persönlich nicht so gut gefallen hat, da es unter Umständen zu Vorurteilen führen könnte. Mitunter konnte es aber einfach auch daran liegen, dass Jonny‘s Familie dies nie erkannt hat oder erkennen wollte und ihm damit die Möglichkeit genommen hat, sich weiter zu entwickeln. Hier sollte sich gern jede*r selbst ein Bild machen.
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Ein wirklich toller Roman, mit sehr nahbaren Charakteren, der zum Nachdenken einlädt. Große Empfehlung meinerseits.