Es läuft nicht gerade gut für den titelgebenden Künstler. Der Einzige, der ihm Aufmerksamkeit schenkt, ist sein Drogendealer. Bis er durch einen glücklichen Zufall ein Arbeitsstipendium an einem neurologischen Institut erhält, das alles verändert und ihm neuen Schwung verleiht. Die rettende Idee: eine von Neurowissenschaften inspirierte Ausstellung! Doch in dem verheissungsvollen Institut geht es abgedrehter zu als erwartet ... Mit beissendem Humor und Scharfsinn entlarvt Simon Bill in seiner (Modern-)Art-Farce die Korruption der Londoner Kunstszene in ihrer Besessenheit vom Aufspüren des neuesten Hypes. Nebenbei erfährt man kuriose Fakten über die Funktionsweise des Gehirns.
Kundinnen und Kunden meinen
3.6/5.0
11 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne
(0)
Empfehlung
MaliM aus Rastatt am 01.10.2023
Bewertungsnummer: 2034431
Bewertet: Hörbuch (CD)
Simon Bills erste Novelle handelt über einen namenlosen Anti-Helden. Es ist eine Satire, die spitz geschrieben ist. Es ist ein Porträt über einen Menschen, der versucht in einer Kunstszene, in der mehr Schein als Sein herrscht, Fuß zu fassen. Um den ersehnten Erfolg als Künstler einzuholen, geht er und seine Kunst durch eine wahre Metamorphose. Er erlebt exzessiven Alkohol (und Drogen-) Konsum, recherchiert obsessiv über Neurologie und dies findet am Ende doch auf eine Art und Weise zu einem Happy End.
Der Protagonist bekommt ein Stipendium an einem neurologischen Institut in London, um mit nervenkranken Patienten Kunst zu machen. Schon der Einstieg dazu war schwer, denn kaum jemand möchte dieses Residence Programm anfangen. Der Protagonist aber schon, denn er braucht Geld und Erfolg, damit ihn seine Galerie nicht rausschmeißt.
Während der Geschichte lernt man noch weitere Charaktere kennen, die das Ganze noch weiter unterhaltsam machen. Man lernt sehr viel über Neurokrankheiten und über Kunst namenhafter Künstler. Hier wird nichts ausgespart, bis ins letzte Detail beschreibt der Autor die Biologie des Gehirns und die wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, sowie die Experimente damit. Man muss selbst starke Nerven haben, denn es ist keine leichte Kost.
Die kleinen Nebengeschichten und Schilderungen über die Schicksale der Patienten gefallen mir sehr gut. Besonders das Schicksal einer Patientin wird sehr detailliert beschrieben, die mit einem Virus infiziert, nur noch ein Kurzzeitgedächtnis hat.
Auch die Patienten bekommen am Ende eine Plattform, denn auf der letzten Vernissage werden ihre Kunstwerke ausgestellt.
Uns selbst der Protagonist durchgeht einen Wandel, vom erfolglosen Künstler zu einem gefeierten, dessen Kunst verkauft wird. So scheint er letzten Endes mit seinem Projekt den richtigen Nerv getroffen zu haben. Der Weg und die Weiterentwicklung des Künstlers zu dem gewünschten Happy End war also das eigentliche Ziel.
Es ist ein unterhaltsames Buch und wirklich hervorragend vorgelesen. Das Buch ist aber auch sehr zynisch, gerade mit Blick auf die Kunstszene.
Kunst und Gehirn
Bewertung aus Magdeburg am 12.10.2023
Bewertungsnummer: 2042145
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mich für diesen Roman im Rahmen einer Leserunde beworben, weil ich den Klappentext überzeugend fand. Ich zitiere: „Mit beißendem Humor und Scharfsinn nimmt Simon Bill die Londoner Kunstbranche aufs Korn. Ganz nebenbei erfährt man kuriose Fakten über das Gehirn und über die Kunst.“ Das Zitat der ehemaligen Direktorin der Tate Gallery Britain „Spleenig, überraschend, immer fesselnd“ unterstreicht dies.
Hm, ganz so war es dann doch nicht. Der Künstler, namenlos und als Antiheld bezeichnet, ist etwa Mitte 30 und hat bisher nichts erreicht. Er nimmt Drogen, ich würde ihn als Alkoholiker bezeichnen, hat keine Freunde und besucht Vernissagen hauptsächlich, um an kostenlose Drinks zu kommen. Er bewirbt sich halbherzig um ein Arbeitsstipendium an einem neurologischen Institut, das er zu seiner Überraschung auch bekommt. Warum, stellt sich im Laufe des Romans heraus.
In dem Zeichenkurs, den der Künstler während des Stipendiums gibt, werden die Patienten des Instituts vorgestellt. Jeder von ihnen hat eine andere Gehirnschädigung, die gut und detailliert beschrieben wird. Hier tun sich interessante und nachdenkenswerte Fragestellungen auf, die auch unseren Künstler umtreiben. Dieser Part fand ich sehr interessant, er gibt auch den Ausschlag für meine Bewertung.
Ob dieser Roman nun einen Einblick in die Londoner Kunstszene gibt, kann ich natürlich nicht beurteilen. Es gibt den einen oder anderen Seitenhieb auf den Kunstbetrieb, hin und wieder kommt der trockene britische Humor durch, es gibt durchaus interessante Wendungen, alles in allem jedoch konnte der Roman meine geweckten Erwartungen nicht erfüllen.
Simon Bill, Jahrgang 1958, lebt und arbeitet als bildender Künstler in London. Er hatte Einzelausstellungen u.a. in Los Angeles, Köln und London. „Und Sie sind also der Künstler?“ ist sein erster Roman.
Friederike Moldenhauer hat diesen Roman übersetzt.
Fazit: Die zugrundeliegende Idee gefällt mir sehr gut, die Umsetzung hat Luft nach oben.