Nikola Tesla, Erfinder zwischen Genie und Wahnsinn, mit serbischen Wurzeln im heutigen Kroatien geboren, schillernde Figur im Gesellschaftsleben New Yorks um 1900, war schon zu Lebzeiten legendär. Einer seiner Bewunderer ist der junge Anton aus Zadar, der nach politischen Umtrieben gegen den österreichischen Kaiser von der Schule fliegt und mit zehn Dollar in der Tasche nach Amerika auswandert. Dort fasst er schnell Fuss, lernt Englisch, arbeitet als Dolmetscher im anatomischen Museum eines deutschen Arztes am Broadway und studiert schliesslich Medizin. Er trifft den alten, vereinsamten, wunderlich gewordenen Tesla, sein Idol, und wird ihm in langen Gesprächen über dessen Leben und Gott und die Welt zum Freund. Doch dann erreicht Anton eine Nachricht aus Europa: Er soll zurückkehren, um sich um seine alten Eltern zu kümmern. Also macht er sich wieder auf, mit Frau und Kindern, in die Armut verwahrloster Dörfer im Hinterland Dalmatiens kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Zum Abschied vertraut ihm Tesla die Pläne zu einer »Friedenswaffe« an, und er bittet ihn, nach einem verschollenen Porträt zu suchen, das erst 2006 wieder auftauchen wird.
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Wer kennt Nikola Tesla? In…
Kata_____Lović aus Bremen am 14.10.2023
Bewertungsnummer: 2828484
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer kennt Nikola Tesla? In den Ländern, die einmal Jugoslawien waren, jede:r. Tesla, ein umtriebiger Erfinder von Wechselstrom und Elektrotechnik. Was er genau erfunden hat, hab ich nie richtig verstanden, versucht es nicht, mir zu erklären, gefühlt den Kern von Allem. Tesla, ein eleganter Visionär, der serbische Wurzeln hatte, im heutigen Kroatien auf die Welt kam und um die Jahrhundertwende in New York eine schillernde Figur des öffentlichen Lebens war. Er lebte in Hotels, ließ sich sponsoren, blieb in den Erfindungen und Ideen umtriebig, als Person immer geheimnisvoll, eigen und zurückgezogen. Für die Südslawen war er ein Held, ein Symbol für die jugoslawische Intelligenz. In der neuen Welt zwischen bekannt und verkannt, in der Sowjetunion ein wenig bekannt und im alten Europa so gut wie unbekannt, eignete er sich nur zu gut als Identifikationsfigur für die im Stolz verletzten kleinen südslawischen Völker. Heute kommt Tesla unverhofft Ruhm zu, nein, damit meine ich nicht in Südosteuropa, denn das Auto, es ist fast ein exzentrisches Kuriosum, der Tesla hat seinen Namen von Nikola, und ist damit wieder in aller Munde. Die historische Person Tesla kommt in »Tesla oder die Vollendung der Kreise« nur flüchtig vor. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht einer anderen historisch belegbaren Person, des kroatischen Mediziners Ante Matijaca, der 1888 in Zadar, Dalmatien geboren wurde und als junger Mann mit Ausbruch des ersten Weltkriegs in New York landete. Jugoslawien ist noch eine fixe Idee, die der leicht fiktionalisierten Figur Anton ein Ausweg zu sein scheint aus Armut und Bedeutungslosigkeit. Anton schafft den amerikanischen Traum, er steigt auf und landet in der Medizin. Als er eine Audienz beim wunderlichen und glamourösen Tesla gewährt bekommt, ist er in seinem Bann. Später überlässt Tesla ihm geheimnisvolle Papiere. Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs folgt der Tesla sein Leben lang ergebene Arzt der Bitte seiner Eltern, in die alte Welt zurückzukehren, die Papiere hütet er wie einen Schatz, während die Zeitgeschichte Spuren hinterlässt. Alida Bremer hat mit »Tesla oder die Vollendung der Kreise« einen runden historischen Roman geschrieben, voller Hoffnung, Spannung und Enttäuschung. Es ist ein Psychogram der südslawischen Mentalität. Fast nebenbei vermittelt der Roman viel über die Geschichte der Medizin, die Auswanderung nach Amerika, den für Weiße Südosteuropäer:innen in der neuen Welten möglichen sozialen Aufstieg und über die Geschichte der kleinen südslawischen Völker. Der Zusammenschluss erscheint als ersehnte Lösung gegen das durch die Kolonialisierung der KuK Monarchie und das durch die Herablassung des westlichen Europas gespeiste Minderwertigkeitsgefühl. Durch den großen zeitlichen Bogen des Romans, wirkt Jugoslawien wie eine kleine Episode in der Region Südosteuropa. Sehr lesenswert.
Psychogram der südslawischen Geschichte und Mentalität
Bewertung am 14.10.2023
Bewertungsnummer: 2043244
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer kennt Nikola Tesla? In den Ländern, die einmal Jugoslawien waren, jede:r. Tesla, ein umtriebiger Erfinder von Wechselstrom und Elektrotechnik. Was er genau erfunden hat, hab ich nie richtig verstanden, versucht es nicht, mir zu erklären, gefühlt den Kern von Allem. Tesla, ein eleganter Visionär, der serbische Wurzeln hatte, im heutigen Kroatien auf die Welt kam und um die Jahrhundertwende in New York eine schillernde Figur des öffentlichen Lebens war. Er lebte in Hotels, ließ sich sponsoren, blieb in den Erfindungen und Ideen umtriebig, als Person immer geheimnisvoll, eigen und zurückgezogen. Für die Südslawen war er ein Held, ein Symbol für die jugoslawische Intelligenz. In der neuen Welt zwischen bekannt und verkannt, in der Sowjetunion ein wenig bekannt und im alten Europa so gut wie unbekannt, eignete er sich nur zu gut als Identifikationsfigur für die im Stolz verletzten kleinen südslawischen Völker.
Heute kommt Tesla unverhofft Ruhm zu, nein, damit meine ich nicht in Südosteuropa, denn das Auto, es ist fast ein exzentrisches Kuriosum, der Tesla hat seinen Namen von Nikola, und ist damit wieder in aller Munde.
Die historische Person Tesla kommt in »Tesla oder die Vollendung der Kreise« nur flüchtig vor. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht einer anderen historisch belegbaren Person, des kroatischen Mediziners Ante Matijaca, der 1888 in Zadar, Dalmatien geboren wurde und als junger Mann mit Ausbruch des ersten Weltkriegs in New York landete. Jugoslawien ist noch eine fixe Idee, die der leicht fiktionalisierten Figur Anton ein Ausweg zu sein scheint aus Armut und Bedeutungslosigkeit. Anton schafft den amerikanischen Traum, er steigt auf und landet in der Medizin. Als er eine Audienz beim wunderlichen und glamourösen Tesla gewährt bekommt, ist er in seinem Bann. Später überlässt Tesla ihm geheimnisvolle Papiere. Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs folgt der Tesla sein Leben lang ergebene Arzt der Bitte seiner Eltern, in die alte Welt zurückzukehren, die Papiere hütet er wie einen Schatz, während die Zeitgeschichte Spuren hinterlässt.
Alida Bremer hat mit »Tesla oder die Vollendung der Kreise« einen runden historischen Roman geschrieben, voller Hoffnung, Spannung und Enttäuschung. Es ist ein Psychogram der südslawischen Mentalität. Fast nebenbei vermittelt der Roman viel über die Geschichte der Medizin, die Auswanderung nach Amerika, den für Weiße Südosteuropäer:innen in der neuen Welten möglichen sozialen Aufstieg und über die Geschichte der kleinen südslawischen Völker. Der Zusammenschluss erscheint als ersehnte Lösung gegen das durch die Kolonialisierung der KuK Monarchie und das durch die Herablassung des westlichen Europas gespeiste Minderwertigkeitsgefühl. Durch den großen zeitlichen Bogen des Romans, wirkt Jugoslawien wie eine kleine Episode in der Region Südosteuropa.
Sehr lesenswert.