Aus dem Tagebuch eines Blindgängers
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Erscheinungsdatum
11.08.2023
Verlag
Escales GmbHSeitenzahl
96
Maße (L/B/H)
18.1/11.4/0.8 cm
Gewicht
140 g
Farbe
Karamell / Schwarz
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-9819045-9-8
Es wäre aber eine Geschichte des Gelingens. Und damit stünde sie im Kontrast zu dem, was Menschen mit Behinderung ständig erleben: Barrieren, Begrenzungen, kleine und grosse Niederlagen an Alltäglichem, die oft beissende, als ungerecht empfundene Begrenzung, das Angewiesensein auf die Hilfe anderer. Wer solche Begebenheiten aus der Perspektive eines Betroffenen aufnimmt und mit feinem Humor nachzuzeichnen vermag, macht seiner Leserschaft gleich mehrere Geschenke.
Einmal wird erahnbar, welche Verluste und konkrete Schwierigkeiten eine Behinderung, speziell die Erblindung, mit sich bringt. Damit hebt sich der Schleier des dumpfen Entsetzens, senkt sich die verunsichernde Schwelle der Fremdheit, werden Begegnung und Annahme leichter. Allein dies macht »Aus dem Tagebuch eines Blindgängers« für jene empfehlenswert, die – privat oder beruflich – Umgang mit Blinden haben.
Dass die Annahme der Behinderung, dass das dennoch Machbare bei nicht betroffenen Mitmenschen stilles Staunen oder lauten Applaus auslöst, ist üblich. Was der Autor dieser autobiografischen Anekdoten seiner Einschränkung abtrotzt, ist aber auch nur dann besonders beachtenswert, wenn der ohnmächtige Rückzug in die Hilflosigkeit und privaten Wände oder gar in ein Heim als das Erwartbarste unterstellt wird. Dies wollen wir aber gerne einer kindlich naiven Sichtweise, überlassen, die die Schattenseiten unserer Existenz ausblendet. Teilhabe und die damit verbundenen Anstrengungen der Betroffenen sollten, ebenso wie deren Ermöglichung durch die Gesellschaft, selbstverständlich sein und folglich weder in besonderem Masse erwähnt noch gelobt werden.
Überhaupt nicht selbstverständlich ist hingegen die Fähigkeit des Autors, dem eigenen Schicksal in seinen häufigen und vielfältigen Ausläufern mit Humor zu begegnen. Hier im Buch finden sich keine grobschlächtigen Grotesken, die Anlass zum Schenkelklopfen bieten, wie sie unsere mediale Gegenwart ansonsten so nötig zu haben scheint. Wohl aber spinnt sich ein feiner Faden der Vergnüglichkeit über das eigene Malheur durch jede Kurzgeschichte. Der Autor behält so viel Abstand zu dem Unerbetenen, Unerwünschten, gar Unangenehmen, dass ihm selbst das Schmunzeln darüber gelingt. Damit schenkt Jürgen Fleger nicht nur Amüsement und kultivierte Kurzweil. Vielmehr öffnet der blinde Autor auch unser aller Augen und zeigt auf, wie der Umgang mit Begrenzungen und Niederlagen gelingen, zumindest etwas leichter ertragen werden kann. So ist die Lektüre Gewinn für uns alle.
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