Elf Geschichten über Menschen, die dem Unfassbaren begegnen.
Der Museumsbesucher, der brav seinem Audioguide folgt - und in eine Falle tappt.
Das Mädchen, dessen neues Spielzeug ihr die Zukunft voraussagt.
Der neue Mitarbeiter eines Startups, der im Keller der Firma seltsame Botschaften empfängt.
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Dem Rätselhaften auf der Spur
Ben @Buchkomet am 21.07.2024
Bewertungsnummer: 2249119
Bewertet: eBook (ePUB)
„Die Empfänger“ von Michael Leuchtenberger bietet dem Leser eine spannende Sammlung von elf Kurzgeschichten, die tief in das Unfassbare eintauchen. Jede Geschichte in diesem Buch präsentiert Charaktere, die mit mysteriösen und manchmal beunruhigenden Ereignissen konfrontiert werden, was dem Buch eine durchgehend spannende Atmosphäre verleiht. Der Museumsbesucher, der seinem Audioguide folgt und dabei in eine unerwartete Falle tappt, das Mädchen, dessen neues Spielzeug ihr die Zukunft vorhersagt, und der neue Mitarbeiter eines Start-ups, der seltsame Botschaften im Firmenkeller empfängt – all diese Protagonisten begegnen dem Ungewöhnlichen auf eindringliche Weise. Diese Geschichten schaffen es, den Leser von Anfang an zu fesseln und lassen ihn über die möglichen Reaktionen in ähnlichen Situationen nachdenken. Meine Highlights waren dabei: „Cosima“, „Der Denunziant“, „Kohlmanns Spielwaren“ und „Die Kapsel“. Letztere, weil sie so unglaublich normal und erfrischend ist.
Die Charaktere, obwohl sie nur in Kurzgeschichten präsentiert werden, sind bemerkenswert lebendig und nachvollziehbar. Leuchtenberger gelingt es mit beeindruckender Leichtigkeit, kurze, tiefere Einblicke in die Persönlichkeiten und Motive seiner Figuren zu geben. Ob es sich um den mürrischen Museumsbesucher oder das nachdenkliche Mädchen handelt, das die Konsequenzen ihres Handelns versteht, die Figuren sind trotz ihrer kurzen Präsenz im Buch nicht uninteressant. Das ist eine bemerkenswerte Leistung, die viele Autor:innen selbst in längeren Romanen oft nicht erreichen.
Außerdem hervorzuheben sind die kleinen Passagen am Ende jeder Kurzgeschichte, in denen der Autor die Entstehung und Inspiration der jeweiligen Geschichte erläutert. Diese Einblicke geben dem Leser nicht nur einen zusätzlichen Kontext, sondern spiegeln auch gut die Gedankengänge des Autors wider. Der Schreibstil von Leuchtenberger ist flüssig und angenehm zu lesen, was das Buch zu einer kurzweiligen Lektüre macht. Trotz der manchmal düsteren und rätselhaften Themen schafft der Autor es, eine angenehme Balance zu halten, sodass einige Geschichten nachhaltig im Gedächtnis bleiben, ohne den Leser zu überfordern.
Insgesamt ist „Die Empfänger“ ein herausragendes Buch, das ich jedem wärmstens empfehlen kann, der Freude an gut erzählten Kurzgeschichten mit einem Hauch des Unheimlichen hat. Leuchtenberger hat hier ein Buch geschrieben, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Ein echtes Highlight für Liebhaber des Genres.
Klare Empehlung
Bewertung am 17.08.2025
Bewertungsnummer: 2569487
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Elf Geschichten sind in diesem schmalen Bändchen versammelt. Und ohne übertreiben zu wollen, kann ich sagen, dass ich jede Story für sich genommen ein Kleinod auf dem Gebiet der Phantastik ist. Michael Leuchtenberger versteht nicht nur sein Handwerk, er weiß seine Werkzeuge auch zu nutzen, um uns aus der Welt des Alltags in seine unwirklichen Sphären zu führen. Unwirklich – mit diesem Wort lässt sich die Atmosphäre der meisten Geschichten wohl am Besten beschreiben.
Gleich in der ersten, der preisgekrönten "Am Ypsilon links", begleiten wir einen Jungen aus der dörflichen Normalität in einen Wald, wo ihn ein geheimnisvolles Mädchen begegnet. In "Kohlmanns Spielwaren" entdecken einige Kinder einen Automaten mit kleinen Spielzeugen, wobei der ganzen Geschichte ein Hauch Nostalgie umweht. Meine Favoriten in dem Band sind "Wildwasser" und "Die Kapsel", die erste Geschichte lässt den Besuch in einem Freizeitpark zu einem wahren Horrortrip mutieren, die andere besticht durch eine leise Melancholie. Leuchtenberger genügen hierbei ein paar Pinselstriche, um Landschaften und Stimmungen zu erzeugen. Mit "Der Denunziant" bietet er uns eine moderne Variation poe-esken Grauens. Horror pur und wieder ausgehend von einer profanen Normalität – hier in den Räumen eines Startups.
Mir fiel auf, dass die Figuren im Kindesalter meist auf eine Reise mitgenommen werden – mal freiwillig, mal unwillentlich. Entgegen die Erwachsenen an einem Ort gefangen scheinen, von dem selten die Flucht gelingt. Bestenfalls kann man sich mit diesem Ort arrangieren. Vielleicht verleiht der Umstand den Kurzgeschichten diese Melancholie, die zugleich deren Charme ausmacht. Klare Empfehlung!