Aufstieg in den Abgrund Carola Neher - Bühnenstar zwischen Berliner Boheme und Stalins Kerkern
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Produktdetails
Format
ePUB 3
Kopierschutz
Nein
Family Sharing
Ja
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
26.09.2023
Verlag
Osburg VerlagSeitenzahl
411 (Printausgabe)
Dateigröße
2892 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783955103026
Sie galt einmal als die schönste Frau Deutschlands. Die Zeitungen der Weimarer Republik waren voller Fotos von ihr: Am Lenker eines schweren Motorrads, mit ihrem Mann Klabund auf dem Rücksitz, beim Klettern auf dem Stahlgerüst des Berliner Funkturms, als glamouröse Begleiterin des Ex-Kronprinzen Wilhelm von Preussen. Ebenbürtig teilte sie sich die Bühne mit den berühmtesten Mimen ihrer Zeit, mit Heinrich George, Adele Sandrock, Heinz Rühmann, Käthe Dorsch, Hans Moser, Alexander Moissi. Das Theaterpublikum liebte sie, die Kritikerpäpste des Feuilletons lagen ihr zu Füssen, Brecht wollte sie unbedingt für die Rolle der Polly bei der Weltpremiere seiner Dreigroschenoper. Die kaum Dreissigjährige galt im Berlin der Goldenen Zwanziger als Prototyp der neuen Frau: unabhängig, selbstbewusst, nur sich selbst etwas schuldig.
Aber die Goldenen Zwanziger liegen lange zurück, als Carola Neher Ende 1939 in einer Verhörzelle des sowjetischen Geheimdienstes auf Leutnant Grigori Kusnezow trifft. Nachdem sie dreieinhalb Jahre wegen angeblicher Vorbereitung eines Attentats auf Stalin in NKWD-Zuchthäusern eingesessen hat, lässt der sie plötzlich hoffen, den kommunistischen Lagern doch noch zu entkommen. Denn Stalin und Hitler haben gerade einen Freundschaftspakt geschlossen - und vereinbart, sich ihre Feinde auszuliefern. Angeblich, um zu entscheiden, ob die vor den Nazis ins Moskauer Exil Geflüchtete zurück an die Deutschen übergeben wird, lässt sich der NKWD-Mann von der Schauspielerin ihr Leben erzählen. Insgeheim jedoch verfolgt er ein ganz anderes Ziel.
Aber die Goldenen Zwanziger liegen lange zurück, als Carola Neher Ende 1939 in einer Verhörzelle des sowjetischen Geheimdienstes auf Leutnant Grigori Kusnezow trifft. Nachdem sie dreieinhalb Jahre wegen angeblicher Vorbereitung eines Attentats auf Stalin in NKWD-Zuchthäusern eingesessen hat, lässt der sie plötzlich hoffen, den kommunistischen Lagern doch noch zu entkommen. Denn Stalin und Hitler haben gerade einen Freundschaftspakt geschlossen - und vereinbart, sich ihre Feinde auszuliefern. Angeblich, um zu entscheiden, ob die vor den Nazis ins Moskauer Exil Geflüchtete zurück an die Deutschen übergeben wird, lässt sich der NKWD-Mann von der Schauspielerin ihr Leben erzählen. Insgeheim jedoch verfolgt er ein ganz anderes Ziel.
Kundinnen und Kunden meinen
Ein spannendes, hervorragend recherchiertes Buch
Bewertung aus Hohenfels am 26.09.2022
Bewertungsnummer: 1794263
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Holger Haase ist es gelungen, auf knapp über 400 Seiten ein ganzes Leben zusammenzufassen. Ein Leben, wie es ungewöhnlicher nicht sein kann.
Und er greift zu dem berühmten Kniff, dieses Leben in Rückblenden darzustellen, so dass man immer von der Gegenwart zur Vergangenheit zurückspringt, denn die Schauspielerin erzählt alles der Reihe nach einem russischen Leutnant in wochenlangen Verhören.
Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, ich war gefesselt von dieser Frau, von ihrer Geschichte, es tauchen berühmte Namen auf, wie Bertold Brecht, Klabund, Heinz Rühmann, Hans Moser und viele andere.
Die Erzählweise ist nüchtern distanziert, man erhält keine Einsicht in Carolas Gefühle, der Autor beschreibt neutral und überlässt es den Leser*innen, sich selbst ein Bild zu machen. Das irritierte mich am Anfang, aber man wird zum Zuschauer in einem Theaterstück, man sieht die Schauspieler agieren, sieht sie handeln und zieht seine eigenen Schlüsse. Und da es sich bei Carola Neher um eine großartige Schauspielerin handelte, können sich diese Schlüsse situationsbedingt immer wieder als Irrtum erweisen.
Das macht einen Großteil des Reizes dieses Buches aus.
Und nicht zuletzt ziehe ich meinen Hut vor der gründlichen Recherche, immer wieder tauchen Originalzitate und Hinweise auf. Dass der Autor sich auf seine künstlerische Freiheit berief und Figuren erfand, die Lücken füllten, merkte man dem Buch nicht an, alles ist in sich geschlossen und stringent.
So bleibt mir nur voller Hochachtung zu sagen: Herzlichen Glückwunsch zu diesem Debut!
Holger Haase muss man sich merken.