Ereignissen, die als unmöglich oder unvorhersehbar gelten
Die Stadt der Blinden ist meiner Meinung nach ein zutiefst erschütterndes Werk, das uns daran erinnert, dass die Dinge, von denen wir sagen „so etwas wird niemals passieren“, in Wahrheit jederzeit direkt neben uns stehen können. Wie auch Nassim Nicholas Taleb ( Autor der Schwarze Schwan) ausdrückt, entstehen die grössten Katastrophen und tiefsten Brüche meist aus den Ereignissen, die als „unmöglich“ oder unvorhersehbar gelten; doch sobald sie eintreten, verändern sie das gesamte Leben.
Genau das tut dieses Buch: Es konfrontiert den Menschen mit seiner eigenen Blindheit.
Der Roman erzählt nämlich von etwas weit Tieferem als bloss biologischer Blindheit. Er zeigt uns, dass wir inmitten von Ehrgeiz, Wut, Egoismus und den Gewohnheiten des Alltags oft nicht mehr sehen, was eigentlich gesehen werden müsste. Er hält uns vor Augen, dass wir den Wert dessen, was wir besitzen – unserer Liebsten, eines Moments, eines Blickes, eines gemeinsamen Tisches oder sogar eines einzigen Atemzuges – nicht mehr wirklich spüren und würdigen.
Und vielleicht liegt genau darin die grösste Stärke dieses Buches: Es bringt den Menschen nicht nur zum Nachdenken, sondern überzeugt ihn zugleich. Es überzeugt uns davon, den heutigen Tag bewusst zu leben, den Moment zu fühlen, zu lieben, Mitgefühl zu zeigen und die unscheinbaren Wunder des Lebens wieder wahrzunehmen.