Eine Frau und M., ihr Geliebter, verbringen das Wochenende in einem einsamen Chalet. Doch mit einem Mal ist M. tot. Außer sich vor Schmerz bleibt die Erzählerin mit seinem Körper zurück. In den Tagen, die folgen, weicht sie ihm nicht von der Seite. Schläft bei ihm, spricht mit ihm, fährt mit ihm auf dem Rücksitz durch die Berge. Dabei blickt sie zurück auf ihre ersten Beziehungen, auf Männer, die sie kleinhielten, verletzten oder missbrauchten, auf ihre eigene Schwäche. Und auf ihre Liebesgeschichte mit M., die frei und großzügig war. All das erzählt sie in Briefen an seine Frau – bis sie bereit ist, Abschied zu nehmen. Adeline Dieudonné kehrt zurück: abgründig, zärtlich und humorvoll, ein Roman von emotionaler Wucht.
Ungekürzte Lesung mit Jördis Triebel 1 mp3-CD | ca. 4 h 44 min
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Giselas Lesehimmel
aus Landshut
5/5
12.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Au revoir, mon amour
Meine Meinung:
Au revoir, mon amour
Ich habe noch nie so ein intensives Buch zu dem Thema Trauer gelesen. Adeline Dieudonnè hat diese Geschichte mit sehr viel Empathie geschrieben. Eine Frau in den 40ern, möchte ihren toten Geliebten nicht verlassen. Will nicht, dass seinen toten Körper fremde Händen berühren. In einem Chalet, in den französischen Alpen, wollte sie mit ihm unbeschwerte Stunden verleben. Gestohlene Stunden, da er verheiratet mit einer anderen Frau ist. Sie verfasst Briefe an seine Frau. Erzählt uns von ihrem Leben und ihrer Beziehung zu M.
Zugegeben, manche Szenen empfand ich als ziemlich ekelig. Wir haben es aber hier mit einer Frau zu tun, die wahnsinnig unter dem Verlust ihres Geliebten leidet. Nicht alles kommt realistisch rüber. M.s Frau bleibt blass. Der Fokus beruht überwiegend auf das Leben der Frau, in der Vergangenheit, sowie in der Gegenwart.
Ihre Erzählungen aus der Vergangenheit haben mich dieser Frau ein bisschen näher gebracht. Sie hatte stets Probleme damit, ihre Wünsche zu äußern. Wollte sich immer anpassen und so sein, wie es Männer von einer Frau erwarten.
Ich glaube nicht, dass man mir beigebracht hat, den Mund zu halten. Man hat mir einfach nicht beigebracht, ihn aufzumachen. Seite 87.
Ich konnte ihr Tun und Handeln oftmals nicht nachvollziehen. Habe ihren Hunger nach den Worten gespürt, dass alles gut wäre. Ihren Roadtrip, mit einer Leiche auf den Rücksitzen, hat meine Vorstellungskraft gesprengt. Ihre Fantasien eilen ihr stets voraus. Nicht selten gleichen sie einem Horrorfilm. Die Art, mit ihrer Trauer umzugehen, mutet psychotisch an. Dennoch sehe ich hier einen sehr intensiven Abschied, von einem geliebten Menschen.
Fazit:
Auf dieses Buch sollte man sich einlassen mögen. Es handelt sich um eine Liebesgeschichte, wie ich sie noch nie im Leben gelesen habe. Jeder Trauernde nimmt anders von einem geliebten Menschen Abschied. Dieser Abschied ist sehr intensiv und absolut außergewöhnlich. Ich habe die Briefe an M.s Frau sehr gerne gelesen.
Danke Adeline Dieudonnè
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
5/5
01.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Skurril und ungewöhnlich, aber toll!
BLEIB
Adeline Dieudonné
Gerade bekam ich einen Brief von ihr. Sie erzählte mir, dass sie die Geliebte meines Mannes, M., sei - ihn liebt - eigentlich liebte, denn er ist tot.
Sie waren übers Wochenende gemeinsam im Chalet in den französischen Alpen, hatten sich den Abend zuvor geliebt und Wein getrunken - ohne zu wissen, dass es ihr letztes Mal war.
Sie sagte, M. hätte immer gut von mir gesprochen, liebevoll, aber irgendwann hätte sich unsere Beziehung verändert.
Jetzt war sie seit acht Jahren an seiner Seite, hatten sich hinter meinem Rücken getroffen, wann immer es passte. Meistens am Nachmittag, selten verbrachten sie eine gemeinsame Nacht.
Heute Morgen machte sie ihm Frühstück, spülte die Weingläser von gestern Abend ab, während er im See schwamm und sie nicht wusste, dass sie die letzten Spuren seiner Lippen an dem Weinglas entfernte.
Erst dann guckte sie aus dem Fenster und sah seinen leblosen Körper im See treiben, mit dem Gesicht nach unten.
Die Geliebte, unsere Protagonistin, kann sich nicht von ihm trennen, wäscht ihn, zieht ihn an und fährt mit ihm ohne ein Ziel vor Augen los - schläft neben ihm, streichelt und liebkost ihn.
In Rückblicken erfahren wir, wie sie ihn kennenlernte und wie ihr Leben zuvor verlief. Nebenbei schreibt sie zwei Briefe an seine Frau.
Was für eine eigenwillige Liebesgeschichte. Auch wenn alles ein wenig skurril war, konnte mich die Geschichte voll in seinen Bann ziehen.
Es war mein erstes Buch der Autorin - angezogen von diesem wunderschönen Cover bin ich ganz unbedarft zu diesem Buch gekommen und wurde nicht enttäuscht.
Es ist die Geschichte einer Frau, die Angst vor dem Alleinsein hat und nur durch die Anwesenheit eines Mannes sich als Ganzes fühlt.
„Man vergisst immer, Danke zu sagen, man sagt „ich liebe dich“, und glaubt, das genügt.“ (S.244)
Von mir gibt es eine Leseempfehlung.
4½/ 5
Bewertung
5/5
08.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Besondere Geschichte
Irgendwie skurril und absurd, aber trotz allem eine tolle und interessante Geschichte. Nachdem ich es ausgelesen habe, merke ich, wie mich dieses Buch beschäftigt. Mal was ganz anderes.
Bewertung
5/5
16.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
eine eher eigenwillige Liebesgeschichte
Ich war mir nicht so sicher, was ich aufgrund der Buchbeschreibung zu erwarten hatte, die Story mutet ja doch recht schräg an auf den ersten Blick. Aber ich finde, die Geschichte ist es absolut wert, dass man sich auf die einlässt. Denn obwohl sie etwas eigenwillig ist, ist doch auch eine besondere Geschichte über Liebe und Verlust.
Zum Inhalt: Eine Frau verbringt das Wochenende mit ihren Geliebten in einem Chalet am See, einem Ort, der sie beide verbindet und der ihnen eine Zuflucht ist, wo sie sich nicht verstecken müssen. Doch dann stirbt der Geliebte beim Schwimmen. Und die namenlose Erzählerin bleibt mit seinem Körper zurück. Statt den Notruf zu wählen beschließt sie ihren Geliebten auf eine letzte Reise mitzunehmen um sich zu verabschieden und einen Brief an seine Frau zu schreiben, in dem sie ihr alles erklärt.
Das Seelenleben der Protagonistin breitet sich aus wie ein buntes Tuch, eine Landkarte ihrer Lebenserfahrungen, gescheiterter Beziehungen und familiärer Bindungen. Skurrilerweise hat sich dieses Buch wie eine ganz besonders intensive Liebesgeschichte angefühlt und war entgegen meiner Erwartung überhaupt nicht pietätlos. Unwillkürlich habe auch mich fragen müssen, wie man eigentlich mit einem derartigen Verlust umgehen und weiterleben soll. Dass sich unsere Protagonistin daher einen besonderen, individuellen Abschied wünscht, wie sie ihn auf offiziellen Wege vermutlich nie bekommen hätte, fand ich gar nicht so abwegig.
Eigentlich ist es absolut unverfroren sich als Geliebte bei der Ehefrau zu melden um bei dieser eine Art Trost zu suchen. Gleichzeitig ergibt es absolut Sinn und ist auf simple Art nachvollziehbar: es gibt keinen anderen Menschen, der diese Liebe und diesen Verlustschmerz nachempfinden kann. Die Protagonisten sucht keine Absolution, sie versucht nur zu verarbeiten. Und obwohl sie „die andere Frau“ ist, fühlte sich ihre Beziehung mit M. für mich sehr besonders an. Man erfährt nun fast nichts von seiner Ehe und seiner Frau, wodurch dieser Teil seines Lebens blass und dadurch weniger wichtig erscheint, während man mit der Geliebten, obwohl sie namenlos und dadurch ein Stück weit distanziert bleibt, gut mitfühlen kann. Denn in ihren Briefen, der der Leser sehr voyeuristisch liest, offenbart sie sich selbst, macht sich verletzlich und angreifbar.
Das Stilmittel der Briefe hat mir gut gefallen. Das Buch liest sich dadurch wie ein Monolog, der Selbstreflektion und Erinnerung ist, eine Aneinanderreihung von Anekdoten, Emotionen und subjektiven Schilderungen. Das funktioniert erstaunlich gut, der Leser wird dahingehend manipuliert seine Sichtweise nach der der Protagonistin auszurichten, bekommt Scheuklappen aufgesetzt, was M., sein Leben und einen Tod betrifft.
Ich fand das Buch absolut unterhaltsam und gleichzeitig auch ein bisschen poetisch was die Themen Liebe, Lebensentscheidungen, Verlust und Abschied angeht. Mich hat die Geschichte absolut mitgerissen auf dieser verrückten letzten gemeinsamen Reise mit M.
BücherändernLeben
aus Alt Ruppin
5/5
11.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das sehr skurrile Ende einer…
Das sehr skurrile Ende einer Liebesgeschichte Plötzlich liegt ihr Geliebter tot am See. Wie gewohnt wollte er eine Stunde in der Frühe schwimmen gehen. Jetzt liegt er tot am See und die Heldin dieser Story trägt ihn hinein in ihr Liebesnest. Auf keinen Fall will sie ihn seiner Frau und seinem Kind zurückgeben. Die Heldin ist hier zugleich auch Ich-Erzählerin. Sie blickt auf die Beziehung zum Toten der nun vor ihr liegt. Nur flüchtig denkt sie daran einen Arzt oder die Polizei zu benachrichtigen. Jeden Handgriff beschreibt sie, den sie am toten Geliebten verrichtet. Sie will, dass er bleibt, sie will ihn keinesfalls entschwinden sehen. Mich als Leser nimmt sie mit auf ihre Reise. Ich erfahre von den anderen Männern in ihrem Leben zuvor. Ich erfahre etwas von ihrer Schwester und ihrer Tochter. Ich erkenne ein wenig die Entwicklung die sie bis zu diesem Tag mitgemacht hat. Und dann legt sie ihren Geliebten auf die Rückbank des Autos und ihre mehrtägige Fahrt ins Ungewisse beginnt. Eine Trennung von ihrem Geliebten kann sie sich nicht vorstellen. Keine einfache, aber dennoch lesenswerte Lektüre !!!