Wie regiert die Berliner Ampel? Was haben Scholz, Habeck, Baerbock und Lindner aus dem Votum der Wähler gemacht? Was geschieht nach Bundestagswahlen mit unserer abgegebenen Stimme? Nach welchen Kriterien entscheiden die Deutschen überhaupt, wen sie wählen? Und wie stellen sich die politischen Akteure darauf ein? Karl-Rudolf Korte, einer der besten Kenner des politischen Betriebs der Bundesrepublik, geht diesen Fragen anhand der Metapher des Wochenmarktes auf den Grund. Denn Märkte sind Gespräche, sie sind der Grundstoff für die Beziehungen zwischen Wählern und Politikern.Die pragmatischen Deutschen sind – so Korte in diesem pointiert formulierten Essay – sicherheitsorientiert. Sie wählen mehrheitlich politisch moderat und mittig, sie sind eingebunden in den Westen und lassen sich eher von aufregungsresistenten Amtsinhabern als von Populisten regieren. Wenngleich Wähler extremer Parteien, Nicht-Wähler, Protestbewegungen und autoritäre Versuchungen durch manipulative Unwahrheiten auch in Deutschland zunehmen: Korte plädiert aus seiner langjährigen Wahlforschung heraus, künftigen Wahlen in Deutschland mit Gelassenheit und Zuversicht entgegenzusehen.
Kundinnen und Kunden meinen
2.0/5.0
LichtundSchatten
3/5
20.02.2024
Buch (Taschenbuch)
Als ersten Satz lese ich:…
Als ersten Satz lese ich: „Der Markt ist kein Modellgeber der Demokratie.“ Prof. Korte korrigiert von dieser Metaebene in die soziale Marktwirtschaft und am besten sei der Wochenmarkt als Vergleichsmaßstab zu betrachten. Weil dort Gespräche stattfinden würden. Er sei ein gelerntes Forum der Begegnung und des Austauschs, ein Modellgeber für Demokratie. Aktuell höre ich dort allerdings nur Hinweise auf zu hohe Preise und eine hohe Unzufriedenheit mit ideologisch motivierten Politikern. Auch sehe ich, dass immer weniger Menschen auf die romantischen Wochenmärkte in Innenstädten gehen, sondern beim Discounter einkaufen müssen. Im Buch erfahren wir Grundlegendes zur Wähler und Wahlforschung, Zielgruppen, Motivationen usw. - sehr gut und verständlich aufbereitet. Dem Deutschen ist alles Polarisierende fremd, er strebt zum mittigen Ausgleich, so könne man ganz allgemein sagen. Faktoren für die Wahlentscheidung sind u.a.: Parteipräferenzen Wirtschaftliche Faktoren Soziale und demographische Faktoren Medienpräsenz Aktuelle Ereignisse Regierungspolitik Mir fehlen hier kulturell-religiöse Aspekte, die m.E. heute ganz wesentlich zu Wahlentscheidungen beitragen. Fast die Hälfte aller Wähler hat 2021 per Briefwahl abgestimmt, ein Verhalten, das Korte eher kritisch sieht: „Die Urnenwahl sichert die Grundsätze der Allgemeinheit und des Geheimen.“ Um dies sicherzustellen, müsste der Zeitraum der Briefwahl deutlich verkürzt werden. Der deutsche Wähler ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern deutlich sicherheits- und stabilitätsorientierter, fasst Korte zusammen und skizziert die aktuelle Parteienentwicklung bis hin zum neuen BSW. Wir leben in einem Zeitalter des Gewissheitsschwunds und müssen auch in Deutschland mit geänderten Parteienlandschaften leben lernen. „Als Unmutsaufsauger profitiert die AfD von diffusen Ängsten der Entgrenzung und Entsicherung, wie sie mit der Modernisierung von Gesellschaften einhergehen. Das Unbehagen richtet sich gegen kulturelle Entfremdung.“ Ich würde hier allerdings nicht von diffusen Ängsten, sondern sehr konkreten Tatsachen reden, die man beobachten kann. Aber eben auch ausführlich studieren sollte, wie z.B. Frauen im Islam behandelt werden. Ilhan Arsel, ein türkischer Verfassungsrechtler, hat hier ein wichtiges Buch geschrieben: „Frauen sind Eure Äcker.“ Dass die AfD mit Fake-News vorgeht, wäre mir zudem neu. Sie sei ein populistischer Volksbelauscher, schreibt Korte. Ist das nicht jede Partei? Korte bleibt in diesem Bereich so vage wie alle Altparteien, nur keine Diskussion über kulturell-religiöse Unpässlichkeiten. Hier stochert dieses Buch im Nebel, schade, denn es war in weiten Teilen lesbar, hier wird es schwammig und ausgrenzend. Man lese zum Beispiel das laut: „Die Dynamik der AfD ist schwer einzuschätzen. Aber viele Wähler finden sich auch dort, weil dort offenbar alles ausgesprochen wird, was sie selbst bedrückt und weil sie gleichermaßen auch alles verstehen, was dort propagiert wird. Diese Erfolgsformel von Populisten muss man nicht imitieren, aber strukturell verstehen.“ Am Ende setzt Korte sogar diesen Satz: „Es gibt viele Auswege, um den Durchmarsch von Demokratieverächtern zu verhindern.“ Mein Gefühl ist, dass der Wochenmarkt keine gute Metapher für Demokratieausformung ist. Dort scheinen nur noch die oberen Gesellschaftsschichten mit hohem Einkommen zu verkehren, die weniger von der Inflation betroffen sind. Und die sich weitgehend einig sind in ihrem Demokratieverständnis bzw. der Ausgrenzung von Demokratieverächtern wie oben von Korte skizziert. Vielleicht sollte das nächste Buch nicht den Wochenmarkt-Diskussionskreis zum Vorbild nehmen, sondern Menschen, die beim Discounter einkaufen müssen.
Markus
aus Berlin
1/5
27.03.2024
Buch (Taschenbuch)
Die Metapher der Wochenmärkte…
Die Metapher der Wochenmärkte ist zu Beginn hilfreich, aber im weiteren Verlauf der Lektüre verwirrend. Die Thesen des Autors wurden leider nicht mit Daten untermauert. Oft werden Aussagen und Thesen nicht erklärt, stattdessen vermittelt die Markt- Metapher einen wissenschaftlichen Eindruck, der aber täuscht. Sehr viele allgemeine Aussagen zur deutschen Politik. Keine Leseempfehlung.