Tessa Ensler ist die auffälligste unter den jungen Strafverteidiger:innen Londons. Sie entstammt nicht einer jener angesehenen Familien mit old money. Sie hat sich aus einem Klima häuslicher Gewalt befreit und aus der Arbeiter:innenklasse hochgearbeitet. Heute verteidigt sie unter anderem Männer, die wegen sexueller Übergriffe angeklagt sind. Ihre Art, Zeuginnen – die mutmaßlichen Opfer – ins Kreuzverhör zu nehmen, ist legendär und wird zu ihrer Eintrittskarte in den inner circle der Anwaltskammern. Es scheint, als hätte sie es geschafft. Doch dann passiert etwas, das ihren Glauben an das Gesetz tief erschüttert, und sie entscheidet sich, selbst in den Zeug:innenstand zu treten.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
27 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Wenn Recht nicht gerecht ist
Lana aus Wien am 13.02.2026
Bewertungsnummer: 3044636
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Prima Facie hat mich auf eine sehr unangenehm ehrliche Art getroffen.
Die Prämisse ist außergewöhnlich und gleichzeitig erschreckend realistisch: Eine Strafverteidigerin, die jahrelang Täter in Sexualstrafverfahren verteidigt und Aussagen von Opfern hinterfragt hat, wird selbst Opfer einer Vergewaltigung – durch einen Arbeitskollegen. Genau das macht dieses Buch so stark. Es zeigt, dass sexualisierte Gewalt meist nicht durch Fremde passiert, sondern im eigenen Umfeld: durch Kollegen, Partner, Freunde oder Dates.
Besonders eindrücklich fand ich nicht nur die Tat selbst, sondern das Danach. Diese Szenen, in denen Tessa nach Hause kommt und sich nicht einmal mehr in den eigenen vier Wänden sicher fühlt, haben mich wirklich getroffen. Wütend gemacht hat mich vor allem die Konfrontation mit dem Täter, in der plötzlich sie zur Gefahr gemacht wird – weil sie seine Karriere ruinieren könnte. Diese Täter:-Opfer-Umkehr ist so bitter und leider so real.
Tessa ist als Figur sehr ambivalent. Am Anfang wirkte sie auf mich kalt und fast unsympathisch, aber je mehr man über ihre Vergangenheit erfährt – Arbeiterfamilie, Gewalt in der Kindheit, der Wunsch nach Kontrolle – desto nachvollziehbarer wird ihr Verhalten. Umso spannender ist ihr Wandel. Nach der Tat verändert sie sich, wird offener, verletzlicher, menschlicher. Besonders berührend fand ich, wie sehr sie durch die Geburt ihrer Nichte motiviert wird, ein anderes Vorbild zu sein.
Der Schreibstil ist eher nüchtern und fast dokumentarisch, manchmal wie ein Gesetzestext. Aber genau das passt, weil es die Distanz und Kälte des Rechtssystems widerspiegelt.
Dieses Buch ist weniger Thriller als Gesellschaftskritik. Es zeigt sehr deutlich, wie sehr das Rechtssystem bei sexualisierter Gewalt oft versagt und wie schwer es ist, als Opfer überhaupt ernst genommen zu werden. Besonders frustrierend ist auch, wie sehr Geld und Privilegien eine Rolle spielen können.
Ich würde Prima Facie allen empfehlen, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen wollen oder ungewöhnliche Perspektiven mögen – auch besonders Menschen, die Jura studieren. Gleichzeitig ist es nichts für Leser:innen, die selbst traumatische Erfahrungen noch nicht aufgearbeitet haben, weil es sehr triggernd sein kann und auch ein Gefühl von Ohnmacht auslösen kann.
Für mich ist Prima Facie ein wichtiges, einzigartiges und leider zeitloses Buch.
Kraftvolle, feministische Streitschrift
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 10.12.2025
Bewertungsnummer: 2674401
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Endlich habe ich es auch gelesen!
Ich bin eigentlich oft skeptisch, wenn um ein Buch ein Hype entsteht, aber hier ist es berechtigt!
Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen, die Geschichte baut sich gut auf und auch die zeitlichen Rückblenden sind gut gemacht. Besonders zum Ende hin entwickelt sich eine regelrechte Sogwirkung und ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
Meiner Meinung nach ist das Buch ein absoultes Must-read, ein (leider immer noch!) sehr aktuelles und wichtiges Thema - UNBEDINGT LESEN!!
"Jede Dritte - das sind eine ganze Menge Frauen, die etwas zu sagen haben.
Zu viele, um sie zu ignorieren."
Meinung aus der Buchhandlung
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
Das war heftig! Ich kann kaum in Worte fassen, was dieses Buch mit mir gemacht hat. Es regt nicht nur zum Denken an, es hinterfragt das System, die Leute, die dieses System geschaffen haben, die, die sich tagtäglich darauf stützen und verlassen. Prima Facie ist ein Aufruf an die Justiz, die Gesellschaft, an alle Menschen da draussen, sich nicht in alteingesessenen Regeln und Angewohnheiten zu verlieren, Täter zu verurteilen statt Opfer weiter zu demütigen. Es ist ein Appell an alle Frauen, für sich und ihre Wahrheit einzustehen, auch wenn die Chance, gehört zu werden, noch so klein zu sein scheint.
„Jede Dritte - das sind eine ganze Menge Frauen, die etwas zu sagen haben.
Zu viele, um sie zu ignorieren.“
Ein Buch, das wütend macht, ein Roman der nachhallt. Ein absolutes Must-Read und eine grosse Leseempfehlung!
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
Ohalätz. Das hat mich mitgenommen und wieder mal sehr hässig gemacht (auf die beste Art und Weise). LESEN!! UNBEDINGT LESEN!! Vorallem die Männer unter euch, merci.
“Warum gehen wir überhaupt automatisch von der Zustimmung einer Frau aus, die sich nicht ausdrücklich verweigert? Halten wir Frauen wirklich für reine Objekte? Und wenn eine Frau ihre Zustimmung dann verweigert, glauben wir ihr einfach nicht? Was sie auch tut und sagt? Könnten wir nicht anfangen, den Beschuldigten zu fragen, was er getan hat, um sicherzugehen, dass es wirklich ein Einvernehmen gab?”
CW: Sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung. Passt beim Lesen auf euch auf! <3