London, 1951. Für Nanette ist es eine Zufallsbegegnung, für John ist es Liebe auf den ersten Blick. Doch John steht kurz vor seiner Auswanderung nach Brasilien. Ginge es nach ihm, würde er seinen Plan ändern, aber Nanette, die mit Anne Frank befreundet war und als Einzige ihrer Familie Bergen-Belsen überlebt hat, fürchtet sich vor dem Glück. Als sie einander Brief um Brief schreiben, gesteht sie sich langsam ein, dass sie mit ihm zurück ins Leben finden kann. Ein Buch über die rettende Kraft der Liebe.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Bewertung
5/5
02.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr gut recherchierte Lebensgeschichte
Ich habe das Buch während einer Lesung der Autorin gekauft. Sie hat mit viel Leidenschaft über ihre jahrelange Recherche gesprochen und mich neugierig auf die Geschichte gemacht. Das Buch ist sehr schön geschrieben, der Briefwechsel über 2 Jahre und die Rückblicke in die Vergangenheit wechseln sich ab, und hat mich sehr berührt.
Schoko_und_Buch
aus Friedberg
5/5
18.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zarte Liebe, starke Gefühle
1951 – nur wenige Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges trifft Nanne in London auf John. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und können schon am ersten Abend stundenlang reden. Doch John steht kurz vor seiner Ausreise nach Brasilien und Nanne möchte dem nicht im Weg stehen. Also beginnen die beiden zu schreiben. Nanne, die nachdem sie ein Konzentrationslager überlebt hat, eine Scheu hat, ihr Glück zuzulassen, wird schnell liebevoll „the practical woman“ genannt. Doch bei ihr gewinnen die Gefühle nach zahlreichen Briefen irgendwann die Oberhand.
Am Anfang ist es ein Flattern, ein gutes Gefühl, ein Verliebtsein. Tiefe Liebe ist ein anderes Gefühl und entwickelt sich mit der Zeit. Durch die gefühlvollen Briefe können wir beim Lesen mitverfolgen, wie sich die Gefühle zwischen Nanne und John entwickelt haben. Lange Briefe, in denen die beiden über ihren Alltag schreiben, über Ängste, über Gefühle und nicht zuletzt auch die ein oder andere witzige Anekdote. Solche Briefe sind ein Vermächtnis und gerade in unseren Zeiten, in denen wir zwar ständig schriftlich kommunizieren, diese Nachrichten aber selten länger als verbale Schlagabtäusche sind, ist es einfach herrlich, diese Schriftstücke zu lesen. Zwischen den Briefen liegen teils Wochen und doch haben die beiden es geschafft über die Entfernung mehrerer tausend Kilometer sich zu verlieben und für ihre Liebe zu kämpfen. Zwischendurch erfahren wir beim Lesen zudem auch noch mehr über die Geschichte der beiden Familien von John und Nanne, die natürlich jede für sich noch vor dem Krieg begann. Ein wundervolles Werk, welches sofort tief berührt.
Bewertung
aus München
4/5
23.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
nachvollziehbar
Das Besondere an diesem Buch war für mich, dass es zwar um die Schrecken des Holocaust geht, aber die Verarbeitung und das "Wie kann ich danach damit leben" im Vordergrund steht. Das hat mich sehr angesprochen, denn ich habe schon so viele Bücher über die Schrecken des zweiten Weltkrieges gelesen und es beschäftigte mich immer sehr, wie Menschen nach dem Krieg mit dem Erlebten umgehen. Damals war das ja noch fürchterlich schwer. Psychotherapie war kein Thema. HIer sind es die Briefe eines jungen Mannes, die einer jungen Frau helfen zu heilen. Schön geschrieben und sehr nachvollziehbare Erschütterungen, die die Menschen erlebt haben.
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
4/5
26.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schönes Lebensporträt
MIT DIR STEHT DIE WELT NICHT STILL
Melissa Müller
ET: 23.04.2025
London, Juli 1951:
Auf einer Party begegnet John König der jungen jüdischen Frau Nanette Blitz. Sofort fühlen sie sich zueinander hingezogen, doch John plant, England zu verlassen und zu seinen Verwandten nach Brasilien auszuwandern. Die gemeinsame Zeit ist daher knapp und vergeht wie im Flug. Gerade als John merkt, wie sehr er sich in Nanette verliebt hat, ist der Tag der Abreise gekommen – der Abschied fällt ihm schwer.
Über eineinhalb Jahre hinweg schreiben sich die beiden intensive Briefe. So lernen sie sich immer besser kennen und schätzen. John erfährt von Nanettes Vergangenheit: ihrem Leben in Amsterdam, ihrer Freundschaft mit Anne Frank, der ständigen Angst vor der Deportation im Zweiten Weltkrieg. Sie überlebte als Einzige ihrer Familie das Konzentrationslager Bergen-Belsen und durfte erst Jahre später, aufgrund der schweren gesundheitlichen Folgen ihrer Haft, nach London zu ihren Tanten reisen.
John hingegen floh mit seinen Eltern rechtzeitig aus Budapest nach England. Nach deren Tod sucht er nun einen Neuanfang in Südamerika.
Melissa Müller hat hier ein berührendes Liebes- und Lebensporträt eines besonderen und beeindruckenden Paares gezeichnet. Sie durfte die beiden noch persönlich kennenlernen und steht bis heute in Kontakt mit deren Kindern und Enkeln.
Besonders eindrucksvoll ist der Briefwechsel: Nanette war ihrer Zeit weit voraus – ihr feiner Humor und ihr Lebensmut, trotz Krankheit und schwerer Vergangenheit, verzauberten nicht nur John, sondern berühren auch die Leser. Sehr gelungen fand ich zudem die zahlreichen Fotos des Paares, die das Buch noch authentischer und greifbarer machen.
Ein wichtiges Stück Zeitgeschichte, das nicht in Vergessenheit geraten darf.
4/5
Silvi
aus Wismar
4/5
24.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
4-Sterne-Rezension
ℝ
Als ich das Buch aufschlug, wusste ich, dass es keine leichte Geschichte werden würde – aber ich hätte nicht gedacht, dass sie mir so unter die Haut geht. Mit dir steht die Welt nicht still ist keine klassische Liebesgeschichte, sondern vielmehr ein leises, tief empfundenes Echo aus einer Zeit, in der Hoffnung ein mutiger Akt war.
Nanette und John begegnen sich zufällig – zumindest aus ihrer Sicht. Für ihn ist es sofort klar: Diese Frau ist etwas Besonderes. Was sich daraus entwickelt, ist eine zarte, verletzliche Annäherung zwischen zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch eine Sprache finden – die der Briefe. Und genau diese Briefe sind es, die das Buch für mich so besonders machen. Die Worte, die sie wählen, die Unsicherheiten, das vorsichtige Tasten in einer Welt nach dem Grauen – das wirkt alles unglaublich authentisch.
Was mich besonders bewegt hat, war Nanettes Hintergrund. Ihre Freundschaft zu Anne Frank, ihre Zeit in Bergen-Belsen, das Überleben, das eigentlich keines ist, sondern ein mühsames Weiterleben mit Erinnerungen, die kaum zu ertragen sind. Melissa Müller gelingt es, all das ohne Pathos, aber mit großer Empathie zu erzählen. Ich hatte oft das Gefühl, dass ich direkt neben Nanette sitze, wenn sie ihre inneren Kämpfe ausfocht.
Warum also keine fünf Sterne? Vielleicht, weil mir stellenweise der literarische Feinschliff gefehlt hat. Manche Passagen hätten etwas kompakter sein dürfen, einige emotionale Momente wirken leicht wiederholt – als wolle die Autorin sicherstellen, dass man das Gewicht der Geschichte auch wirklich spürt. Das tut man aber ohnehin. Und zwar lange über das letzte Kapitel hinaus.
Am Ende ist es ein stilles Buch mit großer Wirkung. Es zeigt, dass Liebe kein Allheilmittel ist – aber sie kann ein Anfang sein. Und manchmal reicht das, um weiterzumachen.
Fazit: Bewegend, nachdenklich, hoffnungsvoll – ein Buch, das keine falschen Versprechungen macht, aber echte Nähe schafft.