Was bedeutet es, eine Schwarze Frau in Amerika zu sein?
1954, Oklahoma: Bailey Dowery, eine Schwarze Schneiderin, fertigt für die Frauen der lokalen Ölbarone edle Abendgarderobe und Brautkleider an. Gleichzeitig ist sie jedoch mit der Gabe der „zweiten Sicht“ gesegnet: Sobald sie eine ihrer Kundinnen berührt, sieht sie deren Wünsche und Ängste, ihre Vergangenheit und Zukunft. Trotz der Warnungen ihrer Tante, sich aus den Angelegenheiten der Weissen herauszuhalten, hilft Bailey gelegentlich, wenn Bräute sie um ihre besondere Hilfe bitten. Als Elsa Grimes, Tochter eines der reichsten Ölbarone Oklahomas, um Baileys Dienste bittet, wird diese mit einer erschreckenden Wahrheit konfrontiert. Schon bald wird ein Mann ermordet aufgefunden und Elsa als Verdächtige inhaftiert. Bailey gerät in einen Strudel aus Lügen und Geheimnissen und ihr wird klar, dass ihr Talent genauso gefährlich wie es ein Geschenk sein kann …
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
MiLi
aus G
5/5
26.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Wenn sehen zum Fluch wird
In diesem Buch ist Schauplatz Oklahoma im Jahr 1954.
Elsa die schwarze Schneiderin ist nicht nur perfekt in ihren Näharbeiten , sondern sie besitzt die Gabe sehen zu können.
Sobald sie ihre Kundinnen ohne ihre Handschuhe berührt , sieht sie deren Ängste,Gefühle, Wünsche, Zukunft und Vergangenheit.
Ihre Tante warnt sie immer wieder ihre Gabe nicht preiszugeben , aber Bailey will ihren Kundinnen überwiegend Bräute nur helfen.
Eines Tages steht Elsa Grimes Tochter des reichsten Ölbarons bei ihr und fleht sie um Hilfe an.
Bailey ringt mit sich und und gerät schnell in einen Strudel.
Zu allem Unglück wird der Sohn einer sehr bekannten Familie Tod aufgefunden und Elsa wird als Verdächtige abgeführt.
In was ist da Bailey geraten?
Was weiß Baileys Tante über die reichen Familien?
Welche Rolle spielen Elsas Eltern?
Die Autorin hat fesselnd und spannend eine Geschichte geschrieben die nicht mehr los lässt.
Die Charaktere waren sehr gut beschrieben und auch nachvollziehbar.
Wenn man bedenkt das das Thema mit der RassenTrennung nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt ist , fordert es sogar noch zum Nachdenken auf.
Noch dazu wenn dann noch jemand doppelt anders ist wie in Baileys Fall.
Ich bin im Buch versunken und habe mitgelitten und mitgefiebert.Sehr schnell bin ich im geschehen angekommen.
Deshalb gibt es von mir eine Weiterempfehlung .
Bewertung
aus Attiswil
4/5
14.04.2026
Buch (Taschenbuch)
Eine Berührung und Baileys Leben gerät Durcheinander
Bailey ist eine starke junge Frau, die in einer von Rassentrennung geprägten Gesellschaft aufwächst. Ihr Leben wird dadurch herausfordernd und stellt sie immer wieder vor schwierigen Entscheidungen.
Als Schneiderin in einem Brautmodengeschäft begegnet sie unterschiedlichen Frauen, die nach kurzer Zeit nicht nur wegen der Anprobe zu ihr kommen, sondern sie möchten sich die Zukunft voraussagen zu lassen. Durch sanfte Berührungen kann Bailey die Ängste, Wünsche sowie Vergangenheit und Zukunft sehen. Eine Gabe, die gemäss ihrer Tante verborgen bleiben sollte.
Das Buch fängt schon sehr spannend an, ich habe mich nach den ersten Seiten mitten in der Geschichte gefunden, konnte das Buch kaum zur Seite legen. Die Autorin erschafft eine beeindruckende Kulisse, die ich mir bildhaft vorstellen konnte.
Die Begegnung mit Elsa, die Tochter einer sehr reichen weissen Familie, wird für Bailey eine Zerreissprobe: Einerseits verspürt sie den Wunsch, dazuzugehören, andererseits weiss sie das sie vorsichtig sein muss. Von Kapitel zu Kapitel gerät Bailey immer mehr in einen Sog aus Intrigen und Machenschaften der reichen Familien.
Ich kann mir natürlich überhaupt nicht vorstellen wie es gewesen ist, zur damaligen Zeit und werde darüber auch nicht urteilen. Es handelt sich hier um eine fiktive Geschichte, doch fliessen hier auch Ereignisse ein, die sich zu diesen Zeiten wirklich abgespielt haben.
Ein Buch, dass noch lange nachhallen wird. Bewegend und tiefgründig hat mich die Autorin hier absolut überzeugt. Eine klare Leseempfehlung von mir.
Fredhel
Thalia Book Circle Community
4/5
21.01.2026
Buch (Taschenbuch)
Leise erzähltes Schicksal
Das unglaubliche Talent der Bailey Dowery überrascht. Der Mordfall, der zunächst wie der zentrale Motor wirkt, rückt unerwartet in den Hintergrund und wird geschickt in das Gesamtgeschehen eingewoben. Genau das macht den Reiz aus: Es geht weniger um das „Wer war’s?“ als um Menschen, Machtverhältnisse und Abhängigkeiten.
Besonders stark ist die Atmosphäre. Der Roman vermittelt eindringlich ein Gefühl für das Leben im Amerika der Rassentrennung der 1950er Jahren. Ungerechtigkeit, soziale Enge und unterschwellige Gewalt sind allgegenwärtig, ohne je platt erklärt zu werden.
Die Figuren polarisieren deutlich: Ingrid ist unsympathisch, manipulativ und schwer zu ertragen. Bailey hingegen wirkt apart, eigenständig, fast entrückt. Charlene bringt mit ihrer Art einen Hauch von Vulgarität hinein, der auffällt, aber passt. Niemand ist glatt, niemand eindeutig sympathisch – das macht die Geschichte glaubwürdig.
Ein großes Plus: Das Cover trifft Baileys Charakter und Erscheinung erstaunlich genau. Der Schreibstil ist gut lesbar, flüssig, ohne Längen oder unnötige Abschweifungen.
Fazit: Kein klassischer Krimi, sondern ein starker Roman mit gesellschaftlichem Blick, prägnanten Figuren und stimmiger Atmosphäre.
marielu
aus Mainbernheim
4/5
16.01.2026
Buch (Taschenbuch)
Familienbande Zum Inhalt:…
Familienbande Zum Inhalt: Mendol, Oklahoma, 1954. Die junge Bailey arbeitet als Couturière in dem Mode- und Brautgeschäft von Miss Jackson. Gesegnet mit einer Gabe, kann sie in die Vergangenheit und die Gefühle der Menschen sehen, die sie berührt. Normalerweise verliert sie kein Wort über das, was sie bei den Frauen sieht, die wegen eines Brautkleides ins Geschäft kommen, bis sie eines Tages nicht an sich halten kann. Auch Elsa Grimes hört von Baileys Gabe und fleht sie an, ihr zu helfen. Was Bailey bei der Berührung sieht, verwirrt und schockiert sie. Doch wie kann sie Elsa helfen? Ahnungslos gerät sie in einen Strudel aus Geheimnissen, die in ihre Familie zurückreichen und nicht mit dem Tod eines Mannes enden. Meine Meinung: Ruhig und anschaulich beschreibt die Autorin Trisha Thomas eine interessante Geschichte. Dabei zeigt sie mit ihrem flüssigen Schreibstil ein realistisches Bild der damaligen Gesellschaft. Auf der einen Seite der Stadt, die mächtigen, weißen Familien, auf der anderen Seite die PoC, die als Untergebene arbeiten. Aus der Sichtweise von vier unterschiedlichen Frauen erlebe ich die eingefahrenen Strukturen und das gesellschaftliche Korsett sowie die Zwänge der einstigen Zeit. Die Hauptprotagonistin Bailey war mir von Anfang an sympathisch in ihrem steten Bemühen, zu helfen, während Elsa mir manches Mal mit ihrem eigensinnigen Verhalten etwas verwöhnt vorkam. Baileys Tante, Charlene, konnte mich mit ihrer sarkastischen Art gewinnen, während Elsas Mutter Ingrid mich in einen Zwiespalt stürzte. Alle vier Frauen haben ein bewegtes Leben und finden so langsam ihr Selbstbewusstsein. Leider bin ich keinem so richtig nahgekommen. Ernste Themen werden aufgegriffen und mit der Geschichte verwoben, jedoch nicht tiefergehend behandelt. Zum Ende hin wurde es noch etwas dramatisch und spannend. Letztendlich siegen Freundschaft und Familie über Gesellschaftsschichten und Rassismus. Fazit: Trotz der Ernsthaftigkeit der Themen ein unterhaltsamer Roman, der mit einem flüssigen Schreibstil für kurzweilige Lesestunden sorgt.
hasirasi2
aus Dresden
4/5
16.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Eine Couturière erster Klasse…
Eine Couturière erster Klasse „Es war eine Gabe, sehen zu können, was die meisten Menschen lieber nicht sehen wollten.“ (S. 13) Die Schwarze Schneiderin Bailey entdeckt bereits mit 12 Jahren, dass sie Visionen über die Menschen hat, die sie berührt. Sie sieht deren Leidenschaften und Leiden, Vergangenheit und Zukunft. Um sich vor der Überflutung fremder Gedanken und Gefühle zu schützen, trägt sie bei der Arbeit Handschuhe. Dennoch spricht sich ihre Gabe herum. Immer häufiger kommen Bräute nicht nur wegen der Kleider in das Geschäft, sondern auch, um zu erfahren, ob ihre Ehen glücklich werden. Bailey sträubt sich zunächst, aber sie kann das Geld, das man ihr für ihre Dienste bietet, gut gebrauchen. Als sie eines Tages Elsa, die Tochter eines Ölbarons, unabsichtlich berührt, entdeckt sie deren schreckliches Geheimnis und empfindet Mitleid. Kann sie Elsa helfen oder soll sie sich an das halten, was ihre Tante ihr stets einschärft? „Vergiss nicht, wo du hingehörst… Vergiss nicht eine Sekunde lang, wer du bist.“ (S. 271) Eins vorab: Der im Klappentext erwähnte Mord nimmt weniger Raum ein, als man erwarten könnte, da er erst im letzten Viertel der Handlung geschieht. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, warum Elsa überhaupt ein Motiv entwickeln könnte und wie sich die Situation immer mehr zuspitzt. Trisha R. Thomas erzählt diese mitreißende Geschichte aus der Perspektive von vier sehr unterschiedlichen Frauen, die eines gemeinsam haben: Sie stecken in den engen Korsetts ihrer Gesellschaftsschicht und Zeit fest, unfähig, ihre Rollen einfach abzulegen. Baileys Alltag ist von Angst geprägt. Um bloß nicht aufzufallen, hält sie sich penibel an alle Regeln, schaut Weißen nie zu lange in die Augen und begegnet ihnen stets unterwürfig. Aber sie hat eine Schwäche: Sie möchte helfen – besonders den Frauen, die zu ihr kommen und deren scheinbar perfekten Beziehungen bei genauerem Hinsehen tiefe Risse zeigen. Ihre Tante Charlene hatte die Stadt eins verlassen und wollte nie zurückkehren. Doch nach dem Tod von Baileys Mutter zog sie zu ihrer Nichte. Die beiden verbindet weniger familiäre Nähe als eine Zweckgemeinschaft. Charlene schreckt vor körperlicher Nähe zurück und verstärkt Baileys Angst vor Fehlern und deren möglichen Konsequenzen – nicht zuletzt, weil auch sie ein dunkles Geheimnis hütet. Elsa fühlt sich den Erwartungen ihrer Mutter nie gewachsen. Sie trägt lieber Karohemden und Latzhosen als elegante Kleider, und auch die Benimmschule hat nicht den erwarteten Erfolg gebracht. Der mühsam erarbeitete Reichtum ihrer Eltern bedeutet ihr wenig, und heiraten will sie auf keine Fall. Doch ihre Einwände werden einfach überhört. „Das hier ist Mendol. Da heiratet man nicht aus Liebe. Wir heiraten, um unsere Familie zu ehren, zugunsten unseres Ansehens in den Augen Gottes.“ (S. 16) Elsas Mutter Ingrid hat das Unternehmen ihres Mannes maßgeblich im Hintergrund mit aufgebaut. In der geplanten Hochzeit sieht sie den Höhepunkt dessen, was die Familie erreicht hat – ein Ereignis, das sie den Gästen stolz präsentieren will. Hinter den Kulissen ist diese Ehe jedoch ihre einzige Chance, das Unternehmen zu retten und Elsas Zukunft abzusichern, denn die Ölpreise fallen stetig. Ingrid klammert sich an den hart erkämpften Status und fürchtet nichts mehr, als den Rückfall in die Armut. Doch obwohl die Frauen zunächst gefangen scheinen in ihren vorgezeichneten Bahnen, beginnt sich im Laufe der Geschichte etwas zu verändern. Sie finden ihre Stimmen, ihren Mut und ihr Selbstbewusstsein. Sie stellen sich ihren Ängste, überwinden Grenzen und wagen es, ihre Leben neu zu denken, hin zu ihren Leidenschaften und wahren Lieben. Die Autorin verdeutlicht dabei eindrucksvoll Rassenunterschiede und Vorurteile der 1950er Jahre. Sie zeigt, wie PoC weiterhin als Menschen zweiter Klasse behandelt wurden, ebenso wie die wirtschaftlichen Umbrüche der Zeit: Die Ölindustrie steckt in einer Krise, das Überangebot lässt die Preise fallen, Unternehmen gehen bankrott. Insgesamt ist es ein starkes, wichtiges Buch, das aufrüttelt und Themen beleuchtet, über die ich so zuvor noch nie gelesen habe. Lediglich der Täter war für mich etwas zu vorhersehbar und das Ende wirkte stellenweise überfrachtet – was den positiven Gesamteindruck jedoch kaum schmälert.