Rhythmus und Ausdruck sind zwei der zentralen Begriffe in der Philosophievon Ludwig Klages. Authentizität, die aus den beiden Kategorienbei Klages abgeleitet werden könnte, fungiert hingegen als Schlüsselbegriffgegenwärtiger Diskurse. Authentisch wirke eine Person,wenn sie mit sich selbst eins und identisch sei. Gefordert wird die Ideedes Authentischen bei Realpersonen oder fiktionalen Figuren. Dahinterverbirgt sich die aufklärerische Vorstellung des selbstbestimmtenLebens: eine Sehnsucht, auf die derzeit die letzten Sinnpotenziale unsererGesellschaften gerichtet sind. Das aber führt zu einer masslosenÜberhöhung des Einzelmenschen, die bereits der frühe Klages in allerSchärfe verurteilt hat. Klages galt späterhin als Begründer der wissenschaftlichenGrafologie und der Ausdruckslehre überhaupt, sowie alsein Denker der Natur-Rhythmen. Vordergründig könnte man die Unmittelbarkeitdes körperlichen, unbewussten Ausdrucks, wie er sichin der Mimik und Gestik, in der Körperhaltung, im Gang, im Bewegungsablauf,in Tanz und Rhythmus oder im Schreibprozess der Handmanifestiert, mit der Realisation des authentischen Selbst verwechseln.Und zahlreiche heutige Angebote zur Selbstoptimierung im Wellness-Sektor scheinen diese Vermutung zu unterstützen. Doch das Gegenteilist der Fall. Klages entwickelt diese Disziplinen als Phänomenologeund Ontologe, aus der Kritik des Subjekts und des ›Logozentrismus‹.Ausdruck und Authentizität streben in dieser Sichtweise also deutlichauseinander, insofern das Subjekt negiert, nicht bestätigt wird.
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