Sauerkraut BoulevardEs beginnt mit einer Katastrophe: 1904 verbrannte auf dem East River der Ausflugsdampfer General Slocum, und mit ihm versank das alte »Little Germany«. Die Überlebenden zogen nach Norden, nach Yorkville. Dort, an der East 86th Street, schlug fortan das Herz der deutsch-amerikanischen Gemeinschaft. Die Einheimischen nannten die Strasse liebevoll »Sauerkraut Boulevard« – ein Viertel, in dem Deutsch auf der Strasse gesprochen wurde, wo zwischen Apfelstrudel und Heimatabenden sich etwas anderes formierte: der German-American Bund. Die Organisation versammelte Nazi-Sympathisanten, die in Uniformen durch Yorkville marschierten – amerikanische Flaggen neben Hakenkreuzen. An ihrer Spitze Fritz Kuhn, der sich »Amerikaführer« nannte und Tausende »Sieg Heil« rufen liess.Rengha Rodewill dokumentiert dieses vergessene Kapitel der New Yorker Stadtgeschichte: die Jahre, in denen der Nationalsozialismus mitten in Amerika Fuss zu fassen versuchte – und die Menschen, die sich ihm entgegenstellten. Unter ihnen der Gangster Meyer Lansky, der auf die Frage, ob Schädel einschlagen in Ordnung gehe, antwortete: »Das geht in Ordnung.« Und Nat Arno, ehemaliger Berufsboxer, der es tat.Dem historischen Teil folgen die Stimmen deutscher Exilautoren – Klaus Mann, Thomas Mann, Heinrich Mann, Stefan Zweig, Ernst Toller und Else Lasker-Schüler. Geflohen vor demselben Regime, das nun auch in den Strassen von New York Anhänger fand, führten sie ihren Widerstand mit Texten fort.Den Abschluss bildet Heinrich Manns Roman »Ein ernstes Leben« – eine späte Hommage an Nelly Kröger, der die Manns kein ernstes Leben zugebilligt haben.Ein Buch über Verführung, Widerstand und die Frage, wie nah das Unfassbare einst war – bekämpft mit Taten und mit Worten.
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