Words in Progress ist ein unfertiges Gedichtgedeck, das sich beim Lesen ständig neu zusammensetzt: Verse wandern, Kapitel verrutschen, Bedeutungen wachsen wie Pilze im Dunkeln. Künstliche Leser tauchen plötzlich auf, deuten, widersprechen oder verschwinden wieder. Düstere Ölmalereien beobachten das Ganze wie stumme Orakel. Ein Band, der sich selbst träumt. Zum Blättern, Schnuppern, Kauen oder Ausspucken
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5.0/5.0
Bewertung
5/5
10.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Einführung in die Welt der Lyrik
Ich gehöre zu den Menschen, die normalerweise einen großen Bogen um Gedichtbände machen. Lyrik war für mich immer etwas, das entweder hochkompliziert daherkam oder so abstrakt war, dass ich mich ausgeschlossen fühlte. Words in Progress hat dieses Bild komplett auf den Kopf gestellt. Dieser Band ist – im besten Sinne – ein Türöffner für Leute wie mich, die eigentlich glauben, mit Gedichten nichts anfangen zu können.
Was mich sofort abgeholt hat, ist die Leserfreundlichkeit, ohne dass das Buch auch nur einen Moment an Anspruch verliert. Die Gedichte sind vielfältig, überraschend, zugänglich – manchmal verspielt, manchmal tief berührend, oft mit einer unerwarteten Wendung, die einen schmunzeln oder nachdenken lässt. Es fühlt sich an, als würden die Texte sagen: „Setz dich, lies mit, wir kriegen das zusammen hin.“
Und genau dabei helfen die Kommentare und Erläuterungen, die im Laufe des Buches wie kleine Wegmarken auftauchen. Sie sind unaufdringlich, freundlich, leicht verständlich, und vor allem: Sie erklären nichts tot. Statt fertige Antworten zu geben, öffnen sie Räume, zeigen Fährten, geben Denkanstöße. Für jemanden wie mich, der bei Lyrik oft unsicher ist, waren diese Hinweise Gold wert. Sie haben mich nicht belehrt, sondern begleitet – und plötzlich machte das ganze Lesen Spaß, weil ich mich orientieren konnte.
Auch die Illustrationen tragen enorm dazu bei, dass man in diese Welt hineingezogen wird. Sie sind mal düster, mal humorvoll, mal völlig surreal, aber immer atmosphärisch. Mir haben sie oft geholfen, schon vor dem Lesen des Textes eine Stimmung zu spüren, und nach dem Lesen noch einmal in die Tiefe zu gehen. Es ist fast so, als hätte jedes Gedicht sein eigenes Echo auf der Seite daneben.
Was mich besonders überrascht hat: die emotionale Bandbreite. Der Autor schreibt über Körper und Herkunft, über Verlust, Alltag, Machtstrukturen, Absurditäten und kleine Lebenswahrheiten – aber ohne Schwermut oder Selbstverliebtheit. Stattdessen findet man eine Mischung aus Humor, Ernst und Menschlichkeit, die mich wirklich berührt hat. Plötzlich war ich mitten drin in Gedanken, mit denen ich mich sonst nie beschäftigt hätte, weil sie in Gedichtform oft unzugänglich wirkten.
Für jemanden wie mich ist dieses Buch ein echter Glücksfall. Es zeigt, dass Lyrik nicht elitär oder unverständlich sein muss, sondern ein lebendiger Dialog zwischen Leser und Text sein kann – vorausgesetzt, man wird eingeladen mitzulesen. Words in Progress tut genau das.
Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal sagen würde: Dieses Gedichtbuch hat mir die Angst vor Gedichten genommen.
Und mehr noch: Es hat mir Lust gemacht, weiterzulesen, Neues auszuprobieren und dem Genre eine echte Chance zu geben.
Ein wunderbares Buch für alle, die glauben, Gedichte seien „nichts für sie“.
Ich lag falsch – und freue mich darüber.
Bewertung
5/5
10.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Ein surreal-poetischer Fund –…
Ein surreal-poetischer Fund – entdeckt dank Instagram, behalten wegen Qualität ch bin auf Words in Progress. Illustere Ausgabe gestoßen, weil mir die surrealen Instagram-Videos des Autors immer wieder in den Feed gespült wurden: kurze Clips, in denen Froschmasken, verzogene Stimmen, kryptische Satzfragmente und bizarre Mini-Szenen sich zu etwas zusammenfügten, das gleichzeitig komisch, verstörend und eigenartig berührend war. Diese Mischung hat mich neugierig gemacht – und tatsächlich war das Buch eine kleine Offenbarung, die weit über das hinausgeht, was kurze Reels zeigen können. Ein Buch, das sich nicht wie ein übliches Gedichtbuch anfühlt Schon beim ersten Durchblättern wird klar: Hier hat jemand nicht einfach seine Gedichte aneinandergereiht, sondern ein organisiertes Ganzes geschaffen. Der Band ist in acht thematisch sortierte Kapitel gegliedert – von PRÄLUDIUM über ATEM, KÖRPER, SCHATTEN, WELT, MACHT & MYTHOS, HERKUNFT bis zum AUSGANG. Diese Struktur hilft dem Lesen ungemein: Man wandert durch Textwelten, die sich jeweils anders anfühlen, aber zusammen eine Art poetische Biografie ergeben. Das Buch beginnt mit Meta-Gedichten über das Schreiben selbst, über Leergut und Ausschussware, über das Ringen mit Sprache. Und schon da ist klar, dass der Ton zwischen Ironie und Ernst changiert, ohne jemals beliebig zu wirken. Die Sprache: verspielt, rhythmisch, präzise Die Gedichte sind häufig gereimt, aber nie gekünstelt. Der Autor nutzt Reim und Rhythmus wie Werkzeuge: um Bilder zu verschieben, Wahrnehmung zu irritieren, Melodie in ungewöhnliche Gedankenräume zu bringen. Viele Texte lesen sich fast wie Songs – was kein Zufall ist, denn im Buch sind auch einige als „(Lied)“ markiert. Ein Vers aus einem der Körpergedichte ist mir sofort im Gedächtnis geblieben: „Ich kenne Herz und Niere mit allen ihren Steinen“ So schlicht, so leichtfüßig formuliert – und gleichzeitig aufgeladen mit der ganzen Schwere, die ein Körper mit sich bringt. Diese Doppelbewegung ist typisch: Humor führt in die Tiefe, Surrealismus in eine überraschende Klarheit. Surrealer Blick auf Welt und Alltag Die Kapitel WELT und MACHT & MYTHOS waren für mich besonders reizvoll. Hier erscheinen Motten, Golems, sich verwandelnde Alltagsgegenstände, Tiere, die halb Sinnbild, halb Scherz sind. Die Texte erinnern manchmal an Traumprotokolle, manchmal an moderne Fabeln. Doch trotz der Absurdität bleibt immer der Mensch im Mittelpunkt: sein Staunen, sein Misslingen, sein Suchen nach Halt. Ein kleines Beispiel aus einem Gedicht über den Alltag: „Sperr den Kasten wieder zu / Was bleibt bleibt kleiner Druck im Schuh“ Ein harmloser Vers, der aber so schnell zur Lebensmetapher wird, dass man beinahe erschrickt. Genau das macht den Reiz aus: Die Gedichte öffnen Bedeutungsräume, ohne sie festzulegen. HERKUNFT – das emotionalste Kapitel Besonders hervorheben möchte ich das Kapitel HERKUNFT, das Texte über Familie, Kindheit und Vergänglichkeit versammelt. Es gibt darin Gedichte, die ich zweimal lesen musste, weil sie eine sanfte, aber hartnäckige Form von Traurigkeit tragen. Vor allem das Stück über die „Schleize 42“ – ein verlassenes Haus voller Erinnerungen – hat mich tief berührt. Es gelingt dem Autor, Nostalgie ohne Kitsch, Verlust ohne Sentimentalität zu formulieren. Dieses Kapitel ist das Herz des Buches: verwundbar, offen, ungeschönt. Illustrationen als zweiter Erzähler Die „illustere Ausgabe“ trägt ihren Namen zu Recht. Die Schwarz-Weiß-Illustrationen wirken nicht bloß dekorativ; sie scheinen die Gedichte zu kommentieren, weiterzudenken oder zu konterkarieren. Manche sehen aus wie anatomische Skizzen eines Albtraums, andere wie moderne Bosch-Varianten. Sie verleihen dem Buch eine zusätzliche ästhetische Ebene, die es von vielen Gedichtbänden unterscheidet. Ein Buch für Menschen, die mehr fühlen als analysieren wollen Man kann dieses Buch natürlich intellektuell lesen – es steckt genug sprachliche Präzision und formale Raffinesse darin. Doch seine wahre Kraft entfaltet es emotional: in den kleinen Widerhaken der Sprache, im Rhythmus, in Bildern, die nachhallen. Es ist ein Band, den man nicht einfach „durchliest“, sondern zu dem man zurückkehrt. Manche Texte will man laut lesen, manche still nachklingen lassen. Einige sind witzig, andere melancholisch, manche beides gleichzeitig. Fazit: Ein außergewöhnliches Debüt, das Instagram weit hinter sich lässt Ich habe das Buch gekauft, weil mich kurze Clips aus dem Internet fasziniert haben – und bekam ein Werk, das ungleich reicher, tiefer und literarisch anspruchsvoller ist. Words in Progress ist ein seltenes Beispiel dafür, wie Social-Media-Ästhetik und ernsthafte Literatur sich gegenseitig befruchten können. Wer Surrealismus mag, Humor mit Herz, poetische Verdichtung und eine gute Portion Menschlichkeit: Der wird dieses Buch lieben. Fünf Sterne – und die Empfehlung, sich Zeit zu nehmen. Dieses Buch funktioniert am besten, wenn man langsam liest.
Bewertung
5/5
10.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Words in Progress ist ein…
Words in Progress ist ein außergewöhnlich lebendiger Gedichtband, der mich von der ersten Seite an begeistert hat. Die Texte sind voller Energie, überraschender Wendungen und einer sprachlichen Musikalität, die sofort mitreißt. Manche Gedichte sind verspielt, andere tiefgründig, einige zart, andere herrlich unverschämt – aber jedes einzelne trägt eine unverwechselbare Handschrift. Besonders beeindruckt hat mich, wie mühelos der Autor zwischen Humor und Ernst wechselt. Ein leichter Reim öffnet plötzlich eine existenzielle Frage, ein absurdes Bild verwandelt sich in einen präzisen Gedanken. Dazu kommen die Illustrationen, die die Gedichte nicht nur begleiten, sondern erweitern – wie eigene kleine Deutungen in Schwarz-Weiß. Ein Buch, das man nicht einfach liest, sondern erlebt. Für mich ist es eines der inspirierendsten Lyrikwerke der letzten Jahre. Absolute Empfehlung.