Ayla wollte allen beweisen, dass das geht – Kinder, Karriere, das perfekte Leben. Doch was passiert, wenn die eine Freundschaft, die alles zusammenhielt, sich als Abgrund entpuppt?Fatma Mittler-Solak erzählt von Herkunft, Mutterschaft und Obsession – packend, zärtlich und aufwühlend.
So unterschiedlich die Freundinnen sind, so unzertrennlich sind sie auch: Victoria ist für Ayla die Sonne, blond, leicht, strahlend. Aber auch Ayla möchte glänzen – mit dem Einser-Abitur, einem Jura-Studium. Doch mit 42 und der Geburt ihres vierten Kindes befindet sich Ayla nicht nur in einer beruflichen, sondern in einer existenziellen Krise. Ihre ersten drei Kinder sind blond wie ihr Mann, das Neugeborene dunkel wie sie selbst. Und Ayla empfindet es nicht als ihr eigenes, glaubt an eine Verwechslung. Ausgerechnet jetzt, wo sie ihre beste Freundin braucht wie noch nie, entgleitet ihr Victoria. Je mehr sie nach den Ursachen forscht für die zunehmende Entfremdung zwischen ihnen, umso klarer wird ihr: Sie wird hintergangen. Ayla stellt alle Gewissheiten infrage – und droht alles zu verlieren.
Eindringlich und fesselnd schreibt Fatma Mittler-Solak in ihrem Debütroman über eine Frau, die es allen beweisen will: ihren türkischen Eltern, ihren Kollegen, ihrem Mann, ihren Kindern, ihrer besten Freundin – und die sich inmitten der Rollen, die sie überzuerfüllen versucht, selbst verliert. In dem Moment, als ihr Selbstbild endgültig ins Wanken gerät, droht sie in einen Abgrund zu stürzen. War Victorias Freundschaft eine Täuschung? Oder übersieht Ayla das Entscheidende?
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
28.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn plötzlich alles fremd erscheint
Wow, das war ein richtig starkes Debüt!
Mit „Mondblau“ ist Fatma Mittler-Solak ein unglaublich berührender Roman gelungen, der sich wahnsinnig gut liest. Sie erzählt von Herkunft, Mutterschaft und Freundschaft und von dem Druck, allen Erwartungen gerecht werden zu wollen.
Die Geschichte handelt von Ayla. Ihre beste Freundin Victoria spielt eine große Rolle in ihrem Leben, doch die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Ayla wächst in einem strengen türkischen Elternhaus auf und möchte mit einem Einser-Abitur und einem Jurastudium glänzen. Sie will allen beweisen, dass Kinder, Karriere und ein perfektes Leben zusammenpassen.
Ayla bekommt mit 42 ihr viertes Kind und rutscht danach in eine postpartale Depression. Die drei Großen kommen ganz nach dem Papa, nur das Baby sieht aus wie sie. Ayla kann keine Bindung zu ihm aufbauen und ist sich sicher, dass es gar nicht ihr Kind ist.
Genau in dieser schweren Zeit merkt sie, wie weit sie und Victoria sich voneinander entfernt haben. Sie weiß kaum noch, was im Leben ihrer Freundin los ist, und wird das Gefühl nicht los, dass Victoria ihr etwas verheimlicht.
Ayla hat mich beim Lesen sehr beschäftigt. Schon als Kind fühlt sie sich neben Victoria minderwertig und dieses Gefühl begleitet sie ihr ganzes Leben. Aus Bewunderung wird mit der Zeit Neid. Victorias Leben verfolgt sie fast nur noch über Instagram und was sie dort sieht, macht sie eifersüchtig. Immer mehr steigert sie sich in ihre Gedanken und Fantasien hinein.
Der Druck, unter dem Ayla steht, hat auch viel mit ihrer Herkunft zu tun. Ihre Eltern sind mit vielen Träumen und Wünschen für ein besseres Leben nach Deutschland gekommen und Ayla will ihnen beweisen, dass sich das gelohnt hat. Doch beruflich verläuft ihr Leben ganz anders, als sie es sich einmal vorgestellt hat.
Ganz viele Frauen erleben nach der Geburt einen Babyblues, doch bei manchen wird daraus mehr. Die Autorin beschreibt sehr eindringlich, wie die postpartale Depression Ayla immer mehr im Griff hat. Sie schafft es kaum noch aus dem Bett und kann sich weder um die größeren Kinder noch um das Baby kümmern.
Mit der Zeit gerät sie in eine richtige Ausnahmesituation, die sich für mich immer mehr in Richtung einer postpartalen Psychose entwickelt hat. Das war wirklich gut beschrieben und hat mich sehr bewegt.
Auch die Beziehung zu ihrem Mann ist nicht einfach. Er übernimmt die Basics, kümmert sich um die Kinder und das Baby und bringt sie zu seiner Mutter. Gleichzeitig macht er Ayla ständig ein schlechtes Gewissen, weil sie nicht funktioniert, und zeigt kaum Verständnis für ihre Situation. Liebevoll wirkt die Ehe auf mich nicht und die große Liebe scheint es für beide nicht zu sein.
Er wollte kein viertes Kind, Ayla aber schon. Gerade diese Situation hat mir sehr zu denken gegeben. Ich finde, wenn er kein Kind mehr möchte, muss er auch selbst Verantwortung dafür übernehmen, dass er keines mehr bekommt. Schließlich hat er diese Entscheidung für sich und sein Leben getroffen. Das kann man natürlich auch anders sehen, aber ich bin für mich zu diesem Schluss gekommen.
„Mondblau“ zeigt, wie man sich selbst verlieren kann, wenn man versucht, es allen recht zu machen. Oft ist es gar nicht nur der Druck von außen, sondern vor allem der, den man sich selbst macht. Ayla jagt einem perfekten, idealisierten Bild von sich hinterher, das sie nie erreichen kann.
Eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die sich gerne mit Themen wie Mutterschaft, Herkunft, Freundschaft und postpartaler Depression auseinandersetzen.
Ein herzliches Dankeschön an die Frankfurter Verlagsanstalt für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt davon wie immer unbeeinflusst.
Bewertung
aus Ditzingen
5/5
12.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Freundschaft die ein Leben lang begleitet
Mondblau hat mich insgesamt sehr berührt. Die Themen Mutterschaft, Herkunft, Druck und Selbstverlust sind stark erzählt, und Ayla als Figur ist intensiv und nahbar. Trotzdem gab es für mich einen Punkt, der sich seltsam angefühlt hat: ihr Verhalten gegenüber Victoria.
Ayla ist in einer Krise, ihr Selbstbild wankt, und die Freundschaft zu Victoria entgleitet ihr immer mehr. Das ist nachvollziehbar und gut beschrieben. Aber dass sie anfängt, ihrer besten Freundin nachzuspionieren und sich in die Idee hineinsteigert, Victoria könnte ihre erste große Liebe daten, wirkte für mich irritierend. Diese Mischung aus Misstrauen, Eifersucht und fast schon obsessiver Kontrolle hat mich aus der Geschichte herausgerissen. Gerade weil Ayla und Victoria so eng verbunden waren, fühlte sich dieser Verdacht für mich überzogen und hat die Freundschaft in einem sehr schrägen Licht erscheinen lassen.
Trotzdem bleibt der Roman stark: Die psychologische Tiefe, die postnatale Depression, der Druck der Herkunft und die Frage, wie leicht man sich selbst verlieren kann, sind eindringlich erzählt. Ich mochte die leisen, zärtlichen Momente genauso wie die beklemmenden. Nur Aylas Misstrauen gegenüber Victoria – dieses heimliche Beobachten und Hineininterpretieren – war für mich der Teil, der nicht ganz stimmig wirkte.
Fazit: Ein intensiver, gut geschriebener Roman über Selbstverlust und Freundschaft. Für mich stark und berührend, auch wenn Aylas Verdacht gegenüber Victoria manchmal zu extrem und eigenartig erschien.
Bewertung
5/5
09.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leseempfehlung!
Ein Buch, das etwas zu sagen hat! Feinfühlig, scharfsinnig und mit fesselnder Sprache schreibt die Autorin über eine Frau, die sich zwischen den verschiedenen Rollenerwartungen zu verlieren droht. Nicht bloß eine Geschichte, sondern auch eine nachdenklich machende Analyse unserer Zeit. Mich hat es von der ersten Seite gepackt! Absolut lesenswert!
Bewertung
5/5
09.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein eindringlich erzählter Roman über Freundschaft, Mutterschaft, Erwartungen, Herkunft & psychische Krisen
Ich mag es ja, wenn ich einer Hauptfigur gegenüber nicht nur Sympathie empfinde und genauso ging es mir mit Ayla. Es gab so viele Momente, in denen ich mit ihr mitgefühlt habe und ihr am liebsten zugeflüstert hätte, dass es schon irgendwann wieder besser wird.
Und dann gab es andere, in denen ich sie gern wachgerüttelt hätte, damit sie endlich wieder klarkommt, denn da sind schließlich auch vier Kinder, die sie brauchen.
Mit 42, nach der Geburt ihres vierten Kindes, steckt Ayla in einer Krise, die ihr ganzes Leben aus dem Gleichgewicht bringt. Sie kann keine Verbindung zu ihrem Baby aufbauen, entfernt sich immer mehr von ihrer Familie und verliert zunehmend den Halt. Gleichzeitig nimmt ihre beste Freundin Victoria einen immer größeren Raum in ihren Gedanken ein. Diese Freundschaft, die Ayla seit ihrer Jugend begleitet und ihr immer wichtig war, wird plötzlich zu etwas, mit dem sie sich immer intensiver beschäftigt, während alles andere um sie herum immer mehr in den Hintergrund gerät.
Gerade die Rückblicke in Aylas Jugend fand ich dabei spannend. Man erfährt, wie eng die beiden Freundinnen einmal waren, aber auch, dass ihre Beziehung nie nur leicht war. Unterschiedliche soziale Hintergründe, Erwartungen und auch Missgunst spielen immer wieder eine Rolle.
Auch Aylas Verhältnis zu ihren türkischen Eltern und der enorme Leistungsdruck, der sie schon früh begleitet, ziehen sich durch ihre Geschichte.
Ayla versucht immer wieder Erwartungen zu erfüllen und bloß nicht zu scheitern.
Und dann ist da die Frage, was eigentlich wirklich passiert und was sich vielleicht nur in Aylas Kopf immer weiter verselbstständigt.
Genau dieses Psychologische fand ich unglaublich gut gemacht. Man ist so nah an ihren Gedanken, dass man ihre Verzweiflung und ihre Überforderung richtig spürt, auch wenn man ihr Handeln überhaupt nicht nachvollziehen kann.
Ayla mich teilweise wahnsinnig gemacht und gleichzeitig unglaublich berührt hat, Kompliment an die Autorin
Ich fand „Mondblau“ wirklich großartig und bin jetzt schon gespannt, was Fatma Mittler-Solak als Nächstes schreibt.
Schoko_und_Buch
aus Friedberg
5/5
09.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Erwartungsdruck, Familie, Einsamkeit
Ayla wird Mutter ihres vierten Kindes. Mit inzwischen über 40 Jahren steht sie dabei allerlei Vorbehalten aus Familie und von ihrer Freundin gegenüber. Und die Geburt ist tatsächlich schwer, fur sie gar traumatisch. Sie verfällt in eine tiefe Wochenbettdepression, erkennt das Kind nicht als ihres an. Nach und nach kämpft sie sich zurück, doch funktioniert mehr oder weniger nur mechanisch. Währenddessen begleiten wir Ayla in Rückblicken in ihr altes Leben - als Kind einer Gastarbeiterfamilie schafft sie ein Abi als Schulbeste und möchte Jura studieren. Die Erwartungen der Familie sind hoch, doch Ayla zieht mit. Sie erkämpft sich einen Urlaub mit ihrer Freundin Viktoria, allein in der Türkei. Und sie verleibt sich umlernten Schuljahr. Doch ihr Herz wird gebrochen und Stück für Stück zerbricht sie daran und am Druck von außen. Ihr Körper sendet klare Signale. Und die Freundschaft zu Viktoria macht ihr ebenfalls zu schaffen. Viktoria war immer da, sie hat Ayla stets auf dem Weg begleitet, war fur sie da, war ein Strohhalm. Doch nach und nach entgleitet Ayla diese Freundschaft. Wann begann die Entfremdung?
Ich habe das Buch sehr gern gelesen, der Stil ist sehr angenehm, nachvollziehbar und einfühlsam. Immer wieder kommt es zur Rückblicken, so dass sich Teile der Geschichte nach und nach zusammenfügen. Ayla leidet am Verlust ihrer Freundschaft, fast besessen wirkt sie am Ende. Und beim Lesen leidet man förmlich mit ihr mit. Es ist zu viel, der Druck, das Gefühl, alle enttäuscht zu haben, 4 Kinder… das Ende bleibt ein Stück weit offen und lässt Raum für eigene Gedanken. Ein sehr gelungenes Buch über den Druck aus Familie, Einblicke in die türkische Kultur auf eine sehr einfühlsame Weise, aber auch Einblicke in die Mutterrolle, und wie sich Freundschaft verändern kann.