Barnett Trapp hat schon bessere Tage gesehen. Seine Firma für Krankentransporte befindet sich in Liquidation, und seine neue Geschäftsidee mit importierten Reinigungsmitteln läuft nicht richtig an. Zudem hat ihn seine Frau für einen penetranten Geschichtsprofessor verlassen, der schon mal prüft, wie man den gemeinsamen Hausstand der Trapps zu Geld machen kann. Da lernt Barnett seine neuen Nachbarn kennen, Miko und Sally. Miko gehört eine Wäscherei, in der augenscheinlich nicht nur schmutzige Wäsche gewaschen wird. Sally verbringt ihre Tage tendenziell am Pool, leicht bekleidet und schwer gelangweilt. Barnett zu verführen ist natürlich kein Problem. Doch dann schlägt sie vor, Mikos Safe auszurauben und gemeinsam nach Mexiko durchzubrennen. Was keine gute Idee ist. Denn Miko ist alles andere als ein sanfter Mensch …
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Jürg K.
4/5
27.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gute Unterhaltung
Dieser Roman hat für mich diesen sehr eigenen Ton zwischen bitterer Komik und unterschwelliger Tragik. Ein Roman, der ständig zwischen „Das darf doch nicht wahr sein“ und „Natürlich passiert das jetzt auch noch“ pendelt. Barnett Trapp ist dabei eine Figur, die man nicht bewundert, aber erstaunlich schnell versteht. Er ist einer dieser Männer, die sich immer durchwursteln, bis das Leben beschliesst, dass es reicht. Firma weg, Ehe weg, Selbstwert irgendwo zwischen Keller und Sperrmüll Barnett ist ein Mensch im freien Fall, der trotzdem versucht, Haltung zu bewahren. Gerade deshalb wirken Miko und Sally wie ein gefährlicher Sog. Die beiden sind überzeichnet, schillernd, moralisch flexibel und Barnett ist genau in der Verfassung, in der man sich von solchen Menschen verführen lässt. Sallys gelangweilte Verführungskunst, Mikos zwielichtige Wäscherei, die Atmosphäre von „Wir könnten alles tun, wenn wir uns nur trauen“ das ist die Art von Versuchung, die man nur annimmt, wenn man sich selbst schon verloren hat. Der Plan, den Safe auszurauben und nach Mexiko durchzubrennen, ist so offensichtlich schlecht, dass er fast schon komisch ist. Aber genau darin liegt die Stärke des Romans. Er zeigt, wie Menschen in Krisen nicht rationaler, sondern irrationaler werden. Barnett ist kein Krimineller, er ist einfach müde, verletzt und empfänglich für jede Art von Ausweg, selbst wenn dieser Ausweg ein Abgrund ist. Für mich ist die Geschichte eine Mischung aus schwarzem Humor und menschlicher Fehlbarkeit. Ein Roman über jemanden, der immer wieder die falschen Abzweigungen nimmt, weil die richtigen ihm zu schwer erscheinen.
Bewertung
aus Buchen
4/5
24.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein spontaner Plan
Yves Ravey ist der Meister des Kurzromans. Nichts als heiße Luft hat den Hauch von Wenn der Postmann zweimal klingelt. Dazu gehören ein Loser, ein reicher Mann und eine Femme Fatal.
Noir-Elemente gibt es, aber ein Kriminalroman ist es kaum. Vorherrschend sind eine Stimmung, die sich aus der Situation heraus ergibt und ein nüchterner Ton des Icherzählers, der von Lakonie durchzogen ist.